Klitschko vs. Joshua: Die letzte Chance für Dr. Steelhammer

Klitschko vs. Joshua: Die letzte Chance für Dr. Steelhammer

Alles oder nichts! So lautet die Devise von Wladimir Klitschko für sein Duell mit Anthony Joshua. Am 29. April treffen die beiden Kämpfer im Ring aufeinander. Für Klitschko geht es um weit mehr als „nur“ die Weltmeistergürtel der IBF, IBO und des WBA-Superchampions. Es geht um seinen Platz und sein Vermächtnis in der Boxwelt.

Wladimir Klitschko gegen Anthony Joshua – es ist der Kampf des Jahres im Schwergewicht. Gespannt fiebert die Boxwelt dem Fight vor 90.000 Zuschauern im Wembley-Stadion entgegen. Sieht sich Klitschko zu Recht in der Außenseiter-Rolle? Holt sich der Ukrainer die WM-Titel zurück und bekommt Joshua die Wut des ehemaligen Champions zu spüren? Oder tritt Dr. Steelhammer wieder so zaghaft auf wie in seinem letzten Kampf gegen Tyson Fury? Fragen über Fragen.

Fakt ist: Mit einer Leistung wie im Duell gegen Fury wird Klitschko erneut nichts zu bestellen haben. Der Auftritt am 28. November 2015 in Düsseldorf, seinem bis dato letzten Kampf, war einer der schwächsten in der langen Karriere des mittlerweile 41-Jährigen.

Egal ob die Häufigkeit der Schläge oder die Anzahl der Treffer – Klitschko lieferte extrem schlechte Werte. Von nur 231 Schlägen fanden schwache 23% ins Ziel. Beides ist ein Tiefstwert in der Ära des Ukrainers. Um den 15 Jahre jüngeren Joshua auszuknocken, muss Klitschko aktiver werden, deutlich häufiger treffen und den K.O.-Sieg suchen.

Die Motivation dazu hat er jedenfalls, das sagte er zumindest in einem Interview mit dem Magazin Boxsport:

„Ich bin besessen von dem Ziel, den Ring als Sieger zu verlassen. Natürlich geht es um viele Titel, aber am Ende des Tages ist es für mich vor allem wichtig zu beweisen, dass ich der Beste im Schwergewicht bin“

 

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Allerdings ist der Druck, der auf Dr. Steelhammer lastet, riesig. Eine Niederlage darf sich Klitschko unter keinen Umständen erlauben. Mit 41 Jahren wäre eine Rückkehr auf den Box-Olymp nach einer weiteren Pleite nahezu unmöglich. Fraglich, ob Klitschko seine Karriere überhaupt fortsetzen würde. Selbst im Falle eines Sieges ist ein Karriereende möglich.

Eine weitere Niederlage hätte zudem große Auswirkungen auf Klitschkos Vermächtnis. Zwar blieb er zwischen 2004 und 2015 in 22 Profikämpfen unbesiegt, doch mit dann 4 Niederlagen in der Kampfbilanz würde sein Standing in der Box-Geschichte ziemlich sinken.

Andererseits hat er mit einem Sieg die große Chance, weiter Geschichte zu schreiben. Er wäre erst der 4. Kämpfer in der Geschichte des Schwergewichtsboxens, der sich zum 2. Mal nach einer Niederlage wieder zum Weltmeister krönen würde. Vor ihm schafften dieses Kunststück nur Muhammad Ali, Mike Tyson und Evander Holyfield.

Vor dem Hintergrund, dass Klitschko bereits 41 Jahre alt ist, wäre dieser Erfolg umso bemerkenswerter. Einzig George Foreman schaffte es als Ü40-Boxer, sich den Weltmeisterschaftstitel zurückzuholen.

Dass Klitschko ein guter Combacker ist, bewies er bereits in der Vergangenheit. Nach seiner Niederlage gegen Corrie Sanders (2003) und den Verlust des WBO-Gürtels, holte er sich gegen Sultan Ibragimov 2008 den Titel zurück. Zuvor sicherte er sich bereits den Gürtel der IBF/IBO.

Jetzt soll ihm gegen Joshua abermals das Comeback gelingen. Es ist seine große, aber auch letzte Chance. Held oder gefallener Schwergewichts-Dominator – Klitschko hat sein Schicksal selbst in den Fäusten.

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