Streif: Eine Piste, die keine Gnade kennt

Streif: Eine Piste, die keine Gnade kennt

Wie ist es, wenn echte Männer, die sonst große Töne spucken, plötzlich leise werden? Das erlebt man beim Abfahrts-Klassiker auf der Streif am Freitag (ab 11:30 Uhr). Im letzten Jahr gewann Thomas Dreßen sensationell das Hahnenkamm-Rennen. Gelingt den DSV-Fahrern erneut der große Coup?

In Kitzbühel geht es am Samstag wieder rund, denn das Hahnenkamm-Rennen in der Abfahrt lockt wieder 40.000 Fans, Skistars und Promis in die österreichische Ski-Hochburg. Die Abfahrt gilt als die anspruchsvollste und gefährlichste im Rennzirkus. Der Abfahrtsläufer an sich ist ja ein harter Hund, dem so schnell nichts Angst einjagen kann. Aber wenn das Rennen auf der Streif ansteht, dann wird so manchem doch ein bisschen mulmig.

Nichts für schwache Nerven

Mausefalle, Hausbergkante, Traverse – Begriffe, die die Herzen der Skifans höher schlagen lassen und so manchem Athleten das Blut in den Adern gefrieren lässt. Vor allem Läufer, die zum ersten Mal in Kitzbühel antreten, werden auf eine harte Probe gestellt, denn die Streif verzeiht keinen Fehler. Wer sich die Piste hinunterstürzt, der fährt permanent am Limit. Und schon die kleinste Unsicherheit kann zu einem schweren Sturz führen. Einige Fahrer trauen sich am Freitag nur mit einem „D-Air“, einem Airbag für Skifahrer, auf die Piste. Eine Gas-Kartusche bläst in einer Zehntelsekunde 8 Liter Luft in den Airbag. Der Rückenpanzer ist schon seit Jahren obligatorisch.

Ein Höllenritt

Im TV wirkt der Klassiker, der in diesem Jahr zum 79. Mal ausgetragen wird, bereits extrem packend. Wer es noch realistischer erleben will, dem sei der Film „Streif – One hell of a ride“ ans Herz gelegt, oder die Kameraabfahrt des Österreichers Hans Knauß aus dem Jahr 2013. Schon beim Zusehen kann einem dabei schlecht werden. In Kitzbühel ist jeder ein Sieger, der heile den Berg hinunter kommt, doch wie immer geht es auch um den Sieg. Für die Buchmacher von bwin ist der Schweizer Beat Feuz (Quote 3.25) der hauchdünne Favorit. Dahinter folgt ein breites Verfolgerfeld mit Vincent Kriechmayr (Österreich, Quote 5.00), Dominik Paris (Italien, Quote 5.00), Matthias Mayer (Österreich, Quote 8.00) und Aksel Lund Svindal (Norwegen, Quote 11.00).

Deutsches Team in der Außenseiterrolle

Die deutschen Fahrer Josef Ferstl (Quote 126.00) und Dominik Schwaiger (Quote 401.oo) spielen bei der Vergabe der Podestplätze höchstwahrscheinlich eher eine untergeordnete Rolle. Aber: Eine ähnliche Prognose gaben wir im letzten Jahr auch über Thomas Dreßen ab. Im Rennen strafte der gebürtige Bayer alle Pessimisten lügen und gewann als erst 2. Deutscher überhaupt sensationell das Hahnenkamm-Rennen. Gelingt den DSV-Fahrern in diesem Jahr ein ähnlicher Coup? Ferstl würde mit einem Streif-Triumph die Familiengeschichte fortsetzen. Sein Vater Sepp gewann 1978 und 1979 die legendäre Abfahrt. Es dauerte 39 Jahre, bis Dreßen den nächsten deutschen Sieg einfuhr. Hoffentlich müssen wir nicht erneut so lange warten …

40.000 Zuschauer jubeln den Fahrern im Ziel zu …. wenn sie es denn erreichen.

 

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