Wimbledon: Rekordsieger, Außenseiter-Überraschungen und die Kerber-Krise

Wimbledon: Rekordsieger, Außenseiter-Überraschungen und die Kerber-Krise

Es ist das prestigträchtigste Turnier im Tennis – die Wimbledon Championships umgibt schon fast etwas mystisches. Umso größer ist die Freude der Spieler, dieses Event zu gewinnen. Bei der 131. Auflage des ältesten Tennis-Turniers der Welt könnte Roger Federer Historisches gelingen. Krönt er sich zum alleinigen Rekordhalter? Kurios: Seit 2003 schafften es nur Andy Murray, Roger Federer, Novak Djokovic und Rafael Nadal den Titel zu gewinnen.

Game, Set, Match – diesen Ausruf gibt es ab Montag, 3. Juli, wieder an der Londoner Church Road, wenn die Wimbledon Championships in die 131. Runde gehen. Das Interesse ist nach wie vor ungebrochen riesig. Auch die Veranstalter und zahlreichen Sponsoren ließen sich nicht lumpen und erhöhten das Preisgeld gegenüber dem Vorjahr um rund 5%. Insgesamt werden nun £ 28,1 Mio. (€ 36,6 Mio.) an die Spieler ausgeschüttet. Der Löwenanteil geht natürlich an die Sieger des Damen- und Herren-Einzels. Für den Titelgewinn gibt es nämlich eine Prämie von £ 2,2 Mio., was umgerechnet € 2,48 Mio. entspricht.

Wirft man einen Blick auf die Herren-Konkurrenz wird deutlich, dass nicht viele Spieler für einen Sieg in Frage kommen. Seit 2003 war es niemand anderen als Novak Djokovic, Andy Murray, Roger Federer und Rafael Nadal vergönnt, den legendären Wimbledon-Pokal in die Höhe zu strecken. Alle 4 Akteure sind auch aktuell noch in den Top 5 der Weltrangliste zu finden und melden damit in diesem Jahr wieder Anspruch auf den Titel an.

Murray nutzte Federers Schwächephase

Besonders die Bilanz des Schweizers Roger Federer ist beeindruckend: 18 Mal trat er an der Church Road an, 7 Mal konnte er alle Matches gewinnen. Seine Siegquote liegt damit bei überragenden 39%. An diese Zahl kommt nicht annähernd einer seiner Konkurrenten heran. Mit einer Siegquote von 25% ist Novak Djokovic noch ärgster Verfolger von „FedEx“. Allerdings hat Federer in den vergangenen Jahren Konkurrenz bekommen. Denn mit Andy Murray nutzte ein Brite die schwächeren Jahre des Schweizers aus. Seit 2011 kann Murray, der 6 Jahre jünger ist als Federer, eine bessere Sieg- und Halbfinalquote vorweisen. Während Federer nur 2012 gewann, setzte sich Murray 2013 sowie 2016 durch und stand in 5 von 6 Jahren im Halbfinale. Auch hier muss Federer seinem Konkurrenten mit nur 4 HF-Teilnahmen den Vortritt lassen. Trotzdem wird der Schweizer von unseren Bookies als absoluter Top-Favorit gesehen. Für den 8. Wimbledon-Sieg, der Federer zum alleinigen Rekordhalter machen würde, winkt Quote 3.00, bei Murray ist es dagegen schon Quote 6.50.

Ivanisevic und Waltschkou mit Wimbledon-Märchen

Allerdings begeistern in Wimbledon natürlich nicht nur die Favoriten, sondern gerade eben jene Spieler, die vor dem Turnier kein Buchmacher, kein Experte oder Fan auf dem Zettel hatte. Und in diesem Jahrtausend gab es zahlreiche solcher Außenseiter-Geschichten. Die Größten davon sind jedoch schon einige Jahre her. Mit Goran Ivanisevic gewann im Jahr 2001 die Nummer 125 der Weltrangliste den Wimbledon-Titel. Der Kroate siegte damals im Finale gegen Patrick Rafter.

Bereits ein Jahr vorher feierte in Wimbledon Uladsimir Waltschkou (oft auch Vladimir Voltchkov geschrieben) seinen größten Karriere-Erfolg. Der Weißrusse kämpfte sich bis ins Halbfinale, wo er sich erst dem späteren Sieger Pete Sampras geschlagen geben musste. Wenn Sie sich jetzt fragen, ob sie einen ehemaligen Weltklasse-Tennisspieler vergessen haben, seien sie beruhigt – Ihr Gedächtnis funktioniert noch wunderbar, denn Waltschkou belegte zum Zeitpunkt seines Wimbledon Halbfinal-Einzuges Platz 237 der Weltrangliste, seine beste Platzierung hatte er im Jahr 2001 inne. Damals kletterte er sogar bis auf Rang 25 hoch.

Seit dem Jahr 2000 schafften es insgesamt 13 Spieler außerhalb der Top 15 in ein Wimbledon-Halbfinale einzuziehen. Doch lediglich Goran Ivanisevic (2001), David Nalbandian (2002) und Mark Philippoussis (2003) gelang anschließend auch der Sprung ins Finale. In den vergangenen Jahren ist die Konstanz der Top-Spieler enorm gestiegen. Seit 2010 erreichten lediglich noch Jerzy Janowicz (2013) und Richard Gasquet (2015) die Vorschlussrunde als Nicht-Top-15-Spieler.

Kerber gehört nicht zu den Quoten-Top-4

Aus deutscher Sicht gibt es in der Herren-Konkurrenz mit Alexander Zverev nur einen Kandidaten, der ernsthaft an der Dominanz von Federer & Co. rütteln könnte. Auch bei den Damen sieht es derzeit nicht rosig aus. Und das, obwohl die Nummer 1 der Welt eine Deutsche ist. Doch Angelique Kerber befindet sich in einem absoluten Leistungsloch. Der Unterschied zum Vorjahr, ihr bisher erfolgreichstes der Karriere, ist riesig. Während Kerber 2016 gleich mit dem Grand-Slam-Sieg bei den Australian Open ins Jahr startete, wartet sie 2017 noch auf ihren ersten Turnier-Erfolg. In Melbourne war bereits im Achtelfinale Schluss, bei den French Open gewann sie sogar kein einziges Spiel. Ihre Formkrise geht sogar soweit, dass die 29-Jährige immer so früh ausschied, dass sie nicht ein einziges mal auf eine Spielerin aus den Top 10 traf.

Auch deshalb führen unsere Buchmacher die Nummer 1 der Welt nicht als Favoritin. Sollte Kerber ihren ersten Wimbledon-Titel gewinnen – letztes Jahr scheiterte sie erst im Finale an Serena Williams – würden für € 10 Einsatz € 170 ausgezahlt werden. Deutlich bessere Chancen werden Petra Kvitova und Karolina Pliskova (jeweils Quote 5.50), Johanna Konta (Quote 13.00) sowie Garbine Muguruza (Quote 15.00) zugerechnet.

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