Andrea Petkovic: Abschiedstour geht in die Verlängerung

Andrea Petkovic: Abschiedstour geht in die Verlängerung

Rolle rückwärts im Zuge der Corona-Krise von Andrea Petkovic: Weil sich die 32-Jährige anderen Projekten im Leben widmen wollte, sollte die laufende Saison eigentlich ihre letzte auf der WTA-Tour werden. Nun aber hat die Darmstädterin nach den zahlreichen Turnierabsagen der vergangenen Wochen bekanntgegeben, ihre Karriere auch über das Jahr 2020 hinaus fortsetzen zu wollen.  

Terminchaos auf der Tennis-Tour

In der „Süddeutschen Zeitung“ sprach Petkovic über ihre Lebensplanung und gab zu Protokoll: „2020 sollte ein Ausklingjahr werden, das fällt eher aus. Ich hänge noch ein Jahr dran. Ich möchte die Turniere abreisen und mich verabschieden.“ Stand jetzt pausiert die WTA-Tour aufgrund der Corona-Pandemie mindestens bis zum 7. Juni. Unter anderem wurden die Masters-Turniere in Indian Wells und Miami sowie auch der Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart ersatzlos gestrichen. Auch die komplette europäische Sandplatz-Saison fällt aus. Der französische Tennis-Verband sorgt in der Tennis-Szene derzeit für reichlich Unmut, weil er die French Open ohne Absprache mit der WTA oder anderen Turnierveranstaltern in den September verschob und damit für ein Termin-Chaos (alle Tennis-Wetten) sorgt.

Umtriebige Andrea Petkovic

Schon den Saisonauftakt diesen Jahres hatte Petkovic wegen einer Knieverletzung verpasst. Die aktuelle Zwangspause wegen der Blessur und des Corona-Virus nutzt die ehemalige deutsche Nummer 1 für weitere ihrer zahlreichen Nebenprojekte. Vor einigen Tagen gründete die kulturell bewanderte Petkovic den „Racquet Book Club“, einen virtuellen Buchklub. Nach Ende der vergangenen Saison moderierte sie die ZDF Sport Reportage, um sich für eine Karriere nach der Karriere vorzubereiten. Passend dazu erscheint im kommenden Herbst ihr erstes eigenes Buch. Die „SZ“ schrieb einst über die Darmstädterin, sie sei nicht nur Tennis-Spielerin, sondern ebenso „Kulturfreak, Philosophin, Quatschtante, manchmal Drama-Queen und genauso Kosmopolitin wie heimatverbunden“.

Abtritte reißen Loch ins deutsche Damen-Tennis

Die deutsche Tennis-Welt betrachtet das näherkommende Karriere-Ende nicht nur von Petkovic mit Sorge. In den letzten Jahren prägten neben ihr einzig Angelique Kerber und Julias Görges das Bild. Kerber feierte Grand-Slam-Siege und war die Nummer 1 der Welt, ist aber mittlerweile auch schon 32 Jahre alt. Julia Görges war lange fester Bestandteil der Top 20 und feierte zuverlässig Erfolge. Sie wird aber ebenfalls 32 in diesem Jahr und somit auch nicht mehr ewig spielen. Im Zusammenspiel mit Petkovic schrieb das Trio die deutschen Tennis-Schlagzeilen in den vergangenen Jahren. Der Head of Women’s Tennis beim DTB, Barbara Rittner, schlug bereits Alarm und sagte: „Wir haben wirklich ein Problem. Hinter den deutschen Topspielerinnen klafft eine Lücke, und die ist in letzter Zeit nicht etwa kleiner geworden, sondern größer. Da ist mir schon ein bisschen bange, wenn die Kerbers und Görges‘ mal aufhören werden.“

Auf dem Sand von Paris feierte Andrea Petkovic ihren größten Erfolg. 2014 erreichte sie bei den French Open das Halbfinale.
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