Schulz, aus, vorbei – Das deutsche Boxen in der TV-Krise!

Schulz, aus, vorbei – Das deutsche Boxen in der TV-Krise!

Kaum eine andere Sportart sank in den letzten 20 Jahren derart in der Gunst des Fernsehpublikums wie das deutsche Profiboxen. Während etwa im Tennis Persönlichkeiten wie Angelique Kerber und Alexander Zverev für eine Renaissance sorgen, steht das deutsche Boxen vor dem quoten-technischen Knock-out. Ein Trauerspiel.

Am 9. Dezember 1995 sahen 18,03 Millionen Fernsehzuschauer beim Privatsender RTL den skandalträchtigen WM-Kampf zwischen Axel Schulz und dem Südafrikaner Frans Botha. Der Brandenburger verlor nach einer fragwürdigen Mehrheitsentscheidung. Die Halle tobte, es flogen Flaschen und Eiswürfel auf den südafrikanischen Sieger. Trotz der unglücklichen Niederlage erreichte das deutsche Profiboxen an diesem Abend einen Publikumsrekord für die Ewigkeit.

Legendäre Abende mit Schulz und Maske

Die Box-Abende mit Schulz oder mit Henry Maske – Festtage für RTL und für die Fans! Maskes Auftritte unter den mystischen Klängen von Vangelis‘ „Conquest of Paradise“ verfolgten bis zu 16 Mio. Boxsportfreunde live.

Der bwin Neukunden Bonus: 100 € einzahlen, mit 200 € wetten!

23 Jahre später klingen solche Werte wie boxerische Science-Fiction. Dem deutschen Profiboxen fehlen die Champions, die Persönlichkeiten – und die Quotenbringer. Dominic Bösel (28) heißt der Mann, der bei der Halbschwergewichts-EM gegen Sergej Demtschenko in diesem Jahr im Sender MDR die „Top-Quote“ von 0,95 Mio. Zuschauern erreichte. Über solche Zahlen würden die Promoter von Schulz, Maske und Co. vermutlich nur schmunzeln. Aber: Diese Quote zeigt die ganze Misere des deutschen Boxens.

Das deutsche Boxen steht ohne einen einzigen Champion da

Erstmals seit 2004 gibt es keinen deutschen Box-Weltmeister. Der letzte deutsche Kämpfer, der seinen Titel abgeben musste, war Tyron Zeuge. Der Berliner unterlag am 14. Juli 2018 in Offenburg dem Engländer Rocky Fielding. Tyron, wer? Bei allem Respekt vor den boxerischen Leistungen des Supermittelgewichtlers: Ein Hoffnungsträger für eine buchstäblich vor dem K. o. stehende Publikumssportart ist er nicht.

Klitschko-Abschied brachte Boxen im TV ins Wanken

Mit dem Rückzug der in Deutschland lebenden ukrainischen Brüder Wladimir und Vitali Klitschko verlor RTL die Quoten-Boxkönige schlechthin. Die Sendung „RTL Boxen“ generierte dank der Klitschkos Marktanteile von bis zu 50 Prozent. Der Cruisergewichtler „Käpt‘n“ Marco Huck hatte beim TV-Publikum nie das Standing der ebenso schlagkräftigen wie wortgewandten Klitschkos. Die Folge: Große Kämpfe sind beim Kölner TV-Sender heute kaum mehr zu sehen.

Wer im deutschen Fernsehen Boxen (Alle Wetten zum Boxen bei bwin) live verfolgen will, muss sich in der Regel durch Regional- und Spartensender zappen. Investierten ARD und ZDF bis zu ihrem Ausstieg 2010 bzw. 2014 bis zu 20 Mio. € pro Jahr in den Boxsport, so sind es laut SPORT BILD (Aktuelle Ausgabe) heute gerade mal noch 5 Mio. €.

Dass RTL mit dem Kampf von Klitschko-Bezwinger Anthony Joshua (Großbritannien) gegen Carlos Takam aus Frankreich Ende Oktober 2017 immerhin noch 2,73 Mio. Fans vor die Bildschirme lockte, ist löblich. Das Problem aber bleibt. Ohne TV-Gelder lassen sich die großen Kämpfer aus den USA oder aus England nicht mehr nach Deutschland bringen.

Lukrative TV-Verträge gibt es nur in den USA und England

Anders als in Deutschland sorgen lukrative Verträge in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten – unter anderem mit dem DAZN-Ableger Matchroom – mit TV-Geldern von bis zu einer Milliarde Dollar auch für eine bessere Ausbildung der Kämpfer. Champions werden so wesentlich besser und schneller gefördert.

Neben den fehlenden Persönlichkeiten, wie sie etwa das deutsche Tennis nach jahrelanger Tristesse mit Angelique Kerber oder Alexander Zverev wieder vorweisen kann, leidet das Boxen unter mangelhafter Glaubwürdigkeit. Haarsträubende Fehlurteile und ein unüberschaubares Feld an konkurrierenden Verbänden vergällen den Fans die Laune am Faustkampf.

Deutsche Boxfans brauchen Geduld

Es wird dauern, bis es wieder rauschende deutsche Box-Nächte gibt. Junge Wilde wie der Karlsruher Super-Mittelgewichtler Vincent Feigenbutz (22) oder der 19-jährige Pfälzer Leon Bauer in der gleichen Gewichtsklasse haben Potenzial. Aber von Top-Quoten wie mit Maske, Schulz oder Graciano Rocchigiani – „Rocky“ füllte im Kampf gegen „Tiger“ Dariusz Michalczewski 1996 das Hamburger Millerntorstadion – sind sie einige Runden entfernt.

Mitten drin im Geschehen mit der bwin Sportwetten-App: Hier warten mehr Wetten als bei jedem anderen Anbieter. Umfassende Fußball-Statistiken liefern die dazugehörigen Informationen. Extra-schneller Wettabschluss garantiert! Jetzt downloaden!

Axel Schulz (r.) landete gegen Frans Botha einen TV-Quotenrekord im deutschen Boxsport.
X