ratiopharm Ulm: Das Glück des Tüchtigen

ratiopharm Ulm: Das Glück des Tüchtigen

Nicht Alba Berlin oder die Basketballer vom FC Bayern München sind Deutschlands Branchenprimus Brose Bamberg auf den Fersen. Seit einem Jahr schickt sich stattdessen ratiopharm Ulm an, den Oberfranken kräftig auf die Nerven zu gehen. Dabei stehen die Chancen gut, sich auf Dauer als Spitzenklub in der deutschen Basketball-Landschaft zu etablieren.

Als Geschäftsführer Thomas Stoll im Mai dieses Jahres, vor den BBL-Finals gegen Bamberg, nach dem Erfolgsrezept des Klubs gefragt wurde, antwortete er: „Das unglaubliche Herz unseres Teams, die Fans – und natürlich etwas Glück.“

Die Rekorde fallen

Letzteres kann nun, nach dem Saisonstart in der BBL, getrost durch gute Leistungen ersetzt werden. Denn mit Glück gewinnt man nicht die ersten 10 Spiele am Stück und stellt einen Rekord nach dem nächsten ein. Vor 2 Wochen wurde mit dem 9. Sieg in Serie eine neuer Klub-Bestmarke aufgestellt. Im letzten Bundesliga-Spiel gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten Phoenix Hagen verpassten die Ulmer beim 116:64 nur knapp einen neuen Rekordheimsieg in der Bundesliga. Die 53 Rebounds und 32 Assists markieren trotzdem einen neuen Höchstwert für die aktuelle Spielzeit in der BBL.

Langsam reifen also Titelambitionen an der Donau. Als Underdog war die Truppe von Trainer Thorsten Leibenath im diesjährigen Meisterschaftsfinale gegen Bamberg unterlegen (0:3). Es darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Mannschaft mit 7 Niederlagen aus den ersten 9 Spielen in die Saison gestartet war und „nur“ als 7. die Playoffs erreichte. Das sieht in diesem Jahr schon ganz anders aus.

Endlich mal wieder ein Finale gewinnen

Mit den Titeln ist es allerdings so eine Sache. Der letzte und bisher einzige Erfolg in einem Wettbewerb gelang 1996 mit dem Pokalsieg. Es folgten 3 Vizemeisterschaften (1998, 2012 und 2016) sowie 2 verlorene Pokalendspiele (2013 und 2014). Möglicherweise fehlte ihnen in den entscheidenden Situationen das Quäntchen Glück, um als Sieger vom Parkett zu gehen. Aber seit dieser Spielzeit scheinen sie weniger denn je auf eben dieses angewiesen zu sein.

Auf in die Zukunft

Um den Faktor Glück weiter zu minimieren, ist der sogenannte „Orange Campus“ der 120.000-Einwohner-Stadt auf dem Weg. Ein rund € 15 Mio. teures Bauprojekt welches dem Basketball und der Allgemeinheit dienen soll. Auf der Homepage des Klubs ist die Rede von einem Trainingszentrum, das Leistungs- und Breitensport verbindet. Offen für alle Bürger soll der Campus neben den 3 großen Trainingshallen frei zugängliche Outdoor-Sportangebote, Beach-Volleyballfelder, einen Basketball-Freiplatz, einen Spielplatz und ein Fitnesscenter beheimaten.

Doch am Sonntag steht zunächst das Heimspiel gegen den Drittletzten, die BB Löwen Braunschweig, auf dem Programm. Und es gibt derzeit ehrlich gesagt nur wenige Gründe, warum die laufende Erfolgsserie nicht weiter ausgebaut werden sollte. Zum Kräftemessen mit Branchenprimus Brose Bamberg kommt es dann in 2 Wochen und mit ein wenig Fortune sind die Ulmer dann schon keine glücklichen Verfolger mehr.

Per Günther
Nationalspieler Per Günther ist Führungsspieler und Galionsfigur bei ratiopharm Ulm.
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