Heute vor 30 Jahren ...

Heute vor 30 Jahren …

Auf den Tag genau vor 30 Jahren gab Mike Tyson sein Debüt als Profi-Boxer. Wir blicken zurück auf einen der aufregendsten und polarisierendsten Boxer der Geschichte.

18 Jahre war Tyson alt, als er Profi wurde. Sein erster Gegner war Hector Mercedes. Bereits in der 1. Runde gewann Tyson durch TKO. Der Kampf ließ erahnen, welch Urgewalt von nun an das Boxen aufmischen würde. Es war der Beginn einer großen Karriere.

Makellose Kampfbilanz zu Beginn

Bis zum 10. März 1986 absolvierte Tyson 17 weitere Kämpfe – und gewann alle durch KO oder TKO. Allein elf Mal überstanden seine Gegner die 1. Runde nicht. Am 3. Mai gegen James Tillis musste Dynamite Kid, so Tysons Name in der Presse, das erste Mal über die volle Distanz gehen und gewann einstimmig nach Punkten. Bis zu seinem ersten WM-Kampf bestritt Tyson insgesamt 27 Profikämpfe, welche er alle gewann.

Erstmals Weltmeister

Am 22. November 1986 krönte sich Tyson im Alter von 20 Jahren zum jüngsten Schwergewichtsweltmeister (WBC) aller Zeiten. Knapp vier Monate später sicherte er sich zudem den WBA-Gürtel nach einem Punktsieg über James Smith. Wiederrum nur fünf Monate später kam noch der Weltmeistertitel der IBF dazu. Tyson hielt nun die Weltmeisterschaftsgürtel der drei großen Boxverbände WBC, WBA und IBF. Im Nachhinein betrachtet war dies der Höhepunkt seiner Box-Karriere.

Niederlage und Niedergang

Tyson verteidigte alle drei Titel sechs Mal, bevor er am 11. Februar 1990 in Tokio überraschend gegen James Douglas durch KO in der 10. Runde verlor. Es war seine erste Niederlage als Profi. Im Anschluss folgten noch vier Ranglisten-Kämpfe, die er alle gewann, doch durch seine privaten Eskapaden und einen Gefängnisaufenthalt boxte Tyson erst nach vier jähriger Pause 1995 wieder. Zwar wurde Iron Mike Anfang und Mitte des Jahres 1996 noch einmal WBC und WBA Weltmeister, aber spätestens die Titelverteidigungen gegen Evander Holyfield mit dem berühmten Ohr-Biss (28.06.96) leiteten sein Ende ein.

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Am 28. Juni 1997 biss Mike Tyson seinem Gegener Evander Holyfield ein Stück aus seinem Ohr.

Karriereende mit 39 Jahren

Für einen Boxer von Format eines Mike Tysons war sein Karriereende nicht rühmlich. Der KO-Boxer erreichte nach seinem Gefängnisaufenthalt nie wieder seine vorige Klasse. Am 11. Juni 2005 absolvierte Tyson seinen letzten Kampf und verlor durch TKO in Runde 6 gegen den Iren Kevin McBride. Tyson präsentierte sich in seinen letzten Kämpfen in keiner guten körperlichen Verfassung und war nur noch ein Schatten vergangener Tage. Insgesamt bestritt der gebürtige New Yorker 58 Profikämpfe. Er gewann 50, davon 44 durch KO oder TKO. Zweimal endete ein Kampf Remis, sechs Mal verließ Tyson als Verlierer den Ring. Aber egal, wie die Karriere von Mike Tyson auch endete: Er ist als Boxer in die Geschichte eingegangen.

Die Nach-Tyson Ära

Heutzutage sehen sich viele nach einem Kämpfer wie Tyson zurück. Selten war das Schwergewichts-Boxen so eindimensional wie momentan. Seit Jahren beherrschen die Klitschkos die Szene. Aber man kann den beiden Ukrainern nicht mal einen Vorwurf machen. Sie boxten und boxen jeden Gegner, der ihnen vor die Fäuste kommt. Doch an die spektakulären Fights á la Tyson kommen sie nicht heran. Mike Tyson war wahrlich nicht der beste Techniker oder hatte die beste Beinarbeit. Womöglich hätte er einen Kampf gegen Wladimir Klitschko auch verloren. Doch Kämpfe von Tyson waren Spektakel – und das ist es, was Boxen über Jahre populär für die Massen gemacht hat. Leute wie Mike Tyson oder nach ihm Evander Holyfield oder Lennox Lewis fehlen heute im Schwergewicht. Schaut man auf die Geschichte, dann sieht man, dass es in jeder Dekade immer mindestens zwei Boxer gab, die die Szenerie bestimmt haben:

• 70er Jahre: Muhammad Ali, Joe Frazier und George Foreman
• 80er Jahre: George Foreman, Mike Tyson, Larry Holmes
• 90er Jahre: Evander Holyfield, Lennox Lewis
• seit 2000er Jahre: Lennox Lewis, Vitali und Wladimir Klitschko

Aktiv ist von den Boxern nur noch Wladimir Klitschko. Es ist für das Schwergewichtsboxen zu wünschen, dass es wieder mehr Leute vom Kaliber der oben genannten Boxer gibt.

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