Formel 1: Das Cockpit-Puzzle und seine Folgen

Formel 1: Das Cockpit-Puzzle und seine Folgen

Über 6 Wochen hat sich eine der größten Hängepartien in der jüngeren Geschichte der Formel 1 hingezogen. Doch nun ist die Nachfolge des zurückgetreten Weltmeisters Nico Rosberg geklärt: Felipe Massa, der für Williams seinen Ruhestand verschiebt, stellte sich als das entscheidende Teilstück im großen Puzzle heraus. Der Routinier macht so den Weg für Valtteri Bottas ins umworbene Mercedes-Cockpit frei. Welche Auswirkungen haben die Wechsel mit Blick auf die neue Saison?

Die deutsche Nachwuchshoffnung Pascal Wehrlein nun als großen Verlierer hinzustellen, wäre nicht ganz fair. Dem 22-Jährigen, der als Testfahrer und ehemaliger DTM-Champion eine große Rolle in den Zukunftsplanungen von Mercedes spielt, bleibt mit dem Wechsel von Manor zum Schweizer Rennstall Sauber immerhin ein Trostpreis.

Die Entscheidung von Sportchef Toto Wolff für Bottas als Rosberg-Nachfolger ist nachvollziehbar, wirft aber trotzdem einige Fragen auf. Für die Chefetage des Weltmeisterteams spielte die größere Erfahrung des Finnen gegenüber Pascal Wehrlein eine wichtige Rolle. In seinen 4 Jahren (77 Formel 1-Rennen) bei Williams fuhr er immerhin 9 Mal auf das Podium und sammelte insgesamt 441 WM-Punkte.

Darum erhielt Bottas den Vorzug vor Wehrlein

Trotzdem sehen einige Experten in Wehrlein, der in einem unterlegenen Auto in Österreich einen eindrucksvollen 10. Platz geschafft hatte, den talentierteren Fahrer. Für Toto Wolff und Co. ging es wohl auch darum, den entthronten Weltmeister Lewis Hamilton nach dem intensiven Zweikampf mit seinem Rivalen Rosberg etwas zu besänftigen. Schon bei der Saisonabschluss-Gala in Wien hatte Wolff vielsagend spekuliert:

„Pascal und Lewis wären eine explosive Mischung. Wir müssen aufpassen, dass wir dann nicht eine Situation bekommen wie 2007 bei McLaren zwischen Hamilton und Alonso.“

So gesehen ist also Hamilton der vielleicht größte Gewinner des Cockpit-Puzzles. Der 32-Jährige bekommt mit Bottas einen typisch finnischen Teamkollegen, der ihm seine Rolle als Alphatier nicht streitig machen wird. Folgerichtig ist der Brite nun wieder der klare Favorit auf den WM-Titel, bwin notiert ihn mit einer Quote von 2.20.

Zukunft von Manor steht in den Sternen

Trotzdem muss die Frage nach dem Preis-Leistungs-Verhältnis erlaubt sein. Immerhin kaufte Mercedes den Rosberg-Nachfolger bei Williams aus einem laufenden Vertrag heraus. Dazu lässt das Team aller Voraussicht nach auch noch Paddy Lowe zum Konkurrenten ziehen. Der 54-Jährige war als technischer Direktor maßgeblich an der Dominanz der „Silberpfeile“ seit dem Beginn der Hybrid-Ära in der Formel 1 beteiligt.

Für die kommende Saison, die erneut Ende März in Melbourne (Australien) beginnt, ist damit nur noch eine große Frage offen: Wie geht es mit Manor Racing weiter? Der ehemalige Rennstall von Pascal Wehrlein steht nach dem Antrag zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens noch ohne Fahrer da. Findet Manor nicht zeitnah einen Investor, wird Saison 2017 wohl mit nur 10 Teams über die Bühne gehen.

Pascal Wehrlein will sich in der kommenden Saison bei Sauber weiterentwickeln.
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