Deflate Gate: Tom Brady ist einer der Sündenböcke!

Deflate Gate: Tom Brady ist einer der Sündenböcke!

Die NFL hat in der „Deflate Gate“-Affäre Superstar Tom Brady bestraft. Der Quarterback vom Super Bowl Gewinner New England Patriots wird für mehrere Spiele gesperrt. Auch der Klub wird sanktioniert. Zu Recht?

Es ist eine der bisher härtesten Strafen in der National Football League: Vier Spiele darf Tom Brady in der kommenden Saison nicht für seinen Klub auflaufen. Die Patriots müssen zudem € 1 Millionen an Strafe bezahlen und verlieren obendrauf noch zwei Draft-Picks. Rigoros greift die NFL in der „Deflate Gate“-Affäre durch. Dabei sind die Beweislage und die Schuldfrage nicht eindeutig geklärt. Wir liefern euch einen Überblick über die ganze Geschichte.

Worum geht es und was ist passiert?
Auslöser der ganzen Affäre waren nicht korrekt aufgepumpte Spielbälle. Im letztjährigen AFC Championship Game zwischen den New England Patriots und den Indianapolis Colts wurde in der Halbzeitpause festgestellt, dass elf von zwölf Bällen zu schlapp aufgepumpt waren. Der Druck auf den Bällen war zu gering. Weichere Bälle bieten den Profis besseren Grip, das Kunststoff-Ei lässt sich für den Quarterback leichter werfen und auch einfacher fangen.

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Durch den Siege über die Colts zogen Brady und Co. in den Super Bowl ein, welchen sie am Ende auch gewannen.

Absicht oder ein technischer Defekt?
Dass es sich bei den zu gering aufgepumpten Bällen um Absicht, sprich Manipulation handelt, ist nicht bewiesen. Bill Belichick, Coach der Patriots, wiegelte direkt im Anschluss die aufkommenden Gerüchte über eine Spielmanipulation ab. Schuld seien aus seiner Sicht Probleme mit dem Luftdruck gewesen: „Es ist genau wie beim Auto. Man steigt ein und die Lampe zeigt an, dass der Reifendruck zu niedrig ist, weil der Wagen die ganze Nacht draußen auf der Straße stand. Dann lässt man ihn an, fährt los und die Lampe geht aus. So ist es bei dieser Sache auch“, sagte Belichik auf einer Pressekonferenz im Anschluss an das Spiel. Doch die Gerüchte um eine absichtliche Manipulation der Bälle hielten sich hartnäckig.

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Bill Belichick hat, laut eigener Aussage, nichts mit den platten Bällen zu tun.

Wer wird beschuldigt?
Hauptverantwortlich für die platten Bälle soll der gastgebende Klub des Spiels, die New England Patriots, gewesen sein. Besonders Coach Bill Belichick geriet sofort ins Visier. Es wäre nicht das erste Mal, dass New England versuchen würde, sich mit unerlaubten Methoden einen Vorteil zu verschaffen. 2007 hatte ein Assistenztrainer der Pats heimlich Trainingsspiele der New York Jets gefilmt, um die Defensivsignale auszuspionieren. Das sollte es Patriots-Quarterback Tom Brady offenbar erlauben, die Verteidigungsstrategien des Gegners frühzeitig zu erkennen. Auch aufgrund dieser Vorgeschichte wurde Brady ebenfalls der Mittäterschaft bei der „Deflate Gate“-Affäre bezichtigt. Aber weder er noch sein Trainer gaben an, etwas mit den platten Bällen zu tun zu haben. „Ich habe niemals mit Spielern oder Offiziellen über den Luftdruck bei Bällen gesprochen. Wir vertrauen darauf, dass die Bälle vor dem Spiel geprüft werden, und dann spielen wir mit dem, was da draußen ist“, gab Belichick damals zu Protokoll.

Ist die Strafe gerechtfertigt?
Eindeutig bewiesen ist die ganze Sache nicht. In dem Untersuchungsbericht der NFL heißt es: „Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass Jim McNally, der offizielle Verantwortliche für die Patriots-Kabine und John Jastremski, ein Ausrüstungsassistent der Patriots, daran beteiligt waren, vorsätzlich Luft aus den Patriots-Spielbällen zu lassen, nachdem diese von den Schiedsrichtern untersucht worden waren. Basierend auf den Beweisen sind wir außerdem der Meinung, dass es wahrscheinlich ist, dass Tom Brady zumindest generell von den unangebrachten Aktivitäten von McNally und Jastremski wusste.“ Eine Anklage mit dem Wort „wahrscheinlich“ würde vor einem ordentlichen Gericht nicht zu einer Anklageerhebung führen. Der Anwalt von Tom Brady hat bereits angekündigt, Einspruch einzulegen. Patriots-Besitzer Robert Kraft dagegen wird die Strafe gegen den Klub akzeptieren: „Trotz unserer Überzeugung, dass es keine Manipulation an Bällen gab, wollten wir jede Strafe der Liga akzeptieren. Die heutige Strafe übertrifft allerdings jede vorstellbare Erwartung. Sie basiert voll und ganz auf Indizien und nicht auf harten oder nachvollziehbaren Beweisen.“

Die beiden im Untersuchungsbericht genannten Mitarbeiter wurden mittlerweile übrigens von den Patriots entlassen. Einig sind sicher aber alle in dem Punkt, dass die Patriots nicht aufgrund der platten Bälle das Spiel gewannen. Die Bälle kamen nur in der ersten Halbzeit zum Einsatz und zur Pause war das Ergebnis noch recht offen. Die Patriots führten lediglich mit 17:7 und spielten erst in den beiden Schlussvierteln den 45:7-Kantersieg heraus. Indianapolis-Profi Dwayne Allen räumte daraufhin bei Twitter ein: „Sie hätten auch mit Seife statt Bällen spielen können und uns auch dann geschlagen. Einfach das bessere Team.“

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