Usyk, Whyte, oder? Box-Verbände klüngeln Fury-Gegner aus

Usyk, Whyte, oder? Box-Verbände klüngeln Fury-Gegner aus

Exakt 30 Runden standen Tyson Fury und Deontay Wilder zusammen im Ring. Die spektakulärste Trilogie der jüngeren Box-Geschichte endete mit einer Machtdemonstration des Gypsy Kings. Aus Sicht vieler Experten braucht es nach diesem K.o-Sieg die 4 anderen Gürtel nicht, um zu erkennen, dass WBC-Champion Fury das derzeit beste Gesamtpaket (Ring-IQ, Physis und mentale Kriegsführung) im Schwergewicht verkörpert. Folgt jetzt die Titelvereinigung? Die bwin Redaktion kennt und durchleuchtet alle potenziellen Fury-Gegner.

Noch liegen einige Monate und Kämpfe vor uns. Doch die wenigsten im internationalen Hausrauf-Zirkus würden widersprechen, 2021 schon Mitte Oktober als Jahr des Schwergewichts zu deklarieren: Für Box-Entertainer wie Tyson Fury machen selbst die Casual-Fans die Nacht durch. Die Speerspitze der Division ist durch Oleksandr Usyk, den Holyfield-ähnlichen Senkrechtstarter aus dem Cruisergewicht, und Model-Athlet Anthony Joshua deutlich breiter aufgestellt als zu Zeiten der Klitschko-Brüder.

Dein Startvorteil: Die 100 Euro-Jokerwette!

Was sich in diesen Tagen dafür hinter den Kulissen abspielt, ist einmal mehr Wasser auf die Mühlen derjenigen, die vor einigen Jahren ins Octagon zur UFC abgewandert sind. Die einhellige Meinung: Wäre Dana White der Präsident der World Boxing Association statt der MMA-Organisation, es hätte schon 3 Mal einen unumstrittenen Schwergewichts-Weltmeister gegeben! Whites Wort hat Gewicht. Seine Matchmaker halten sich so dezent im Hintergrund als seien sie Heinzelmännchen.

30 Tage Frist: WBC-Vorstoß gegen jede Logik

Anders im traditionellen Boxen, wo es die Strukturen mit 5 verschiedenen Verbänden (WBA, WBO, WBC, IBF, IBO) hergeben, dass eine Vielzahl kleiner Leute nach Lust und Laune große Welt spielen darf. Das Selbstverständnis aller: Unser Gürtel ist der Wichtigste! Daher kommen die wirklichen Big Fights (alle Box-Wetten) zwischen verschiedenen Champions eben nur zu Stande, wenn sich die Verbände, die Boxer und deren Promoter einig werden. 

Zur Erinnerung: Fury vs. Wilder 3 wurde nach monatelangem Zoff schließlich vom amerikanischen Bundesgericht angeordnet. Als wäre das nicht Schmach genug für alle Beteiligen gewesen, wagte sich dann etwa 24 Stunden vor dem Kampf die in Mexiko ansässige WBC mit einem neuen Geistesblitz aus der Deckung. So solle der Sieger umgehend die Verhandlungen mit Joshua-Bezwinger Oleksandr Usyk aufnehmen. Frist? 30 Tage! Die vertragliche Rückkampfklausel? Nie gehört!

Überraschenderweise hat der Rest andere Pläne. Die WBO steht unmittelbar davor, den in 13 Kämpfen unbesiegten Joe Joyce zum neuen Pflichtherausforderer für Usyk – zuvor hatte der Ukrainer selbst diese Rolle innen – zu ernennen. Und dann wäre da auch noch ein Dilian Whyte, der seit geschlagenen 3 Jahren auf seine Titelchance wartet. Wer wird Tyson Furys nächster Gegner sein? Alle Optionen in der Übersicht:

1) Tyson Fury vs. Oleksandr Usyk

Kommt dieser Fight zu Stande, stünden alle Gürtel auf dem Spiel und Fury oder Usyk könnten sich zum ersten Undisputed Champion seit Lennox Lewis (1999 – 2000) krönen. Blockiert wird der vom WBC favorisierte Vereinigungskampf jedoch von der Vertragsklausel, die Anthony Joshua ein Rematch gegen den flinken Ukrainer zusichert. Terminlich allerdings erst im Frühjahr 2022.

Trotz weiterhin makelloser Bilanz (19-0-0) nach den ersten 3 Auftritten im Schwergewicht und einem im Vergleich zum WBC-Champion ähnlich hohem Ring-IQ wäre es für Usyk klüger, weitere Erfahrung zu sammeln, ehe er sich der 34-Jährige dem größten und schwersten Mann in dieser Gewichtsklasse (2,06 Meter, 126 Kilogramm) widmet.

2) Tyson Fury vs. Dillian Whyte

Furys Landsmann mit jamaikanischen Wurzeln liegt seit Monaten mit der WBC im Clinch. „Ich will nicht länger warten. Zur Not breche ich Joshua ein Bein, damit sie den Kampf nicht machen können. Dann tauche ich auf und kämpfe gegen Tyson Fury“, tönte Dillian Whyte zu Jahresbeginn. 28 Siege in 30 Kämpfen hat der 33-Jährige auf dem Kerbholz.

Räumt er nach seinem Viertrunden-Knockout gegen Alexander Povetkin im März nun den Schweden Otto Wallin aus dem Weg (Sieg-Quote 1.40), hätte der Verband de facto keine andere Wahl mehr, als den „Body Snatcher“ ganz nach oben auf die Liste der nächsten Gegner von Tyson Fury zu setzen. Sein Spitzname kommt nicht von ungefähr. Aber: Wenn Deontay Wilders Schläge den 2-Meter-Riesen nicht auf dem Boden halten können, schafft es Whyte mit seiner starken Rechten wohl ebenfalls nicht.

3) Tyson Fury vs. Anthony Joshua

„Mein Sohn hat nur einen Rivalen – das ist Oleksandr Usyk“, erklärte „Big“ John Fury. Ob er damit stellvertretend für seinen Sohn spricht, darf angezweifelt werden. Tyson Fury betrachtet stets AJ als seinen größten Gegenspieler. Aus Promoter-Sicht wäre das „Battle of Britain“ zweier völlig unterschiedlicher Charaktere ohnehin ein Traum, eine Kampfböse in 3-stelliger Millionenhöhe garantiert.

Warum also nicht mit Eddie Hearn, Manager von Joshua und einer der mächtigsten Strippenzieher dieses Sports, an einen Tisch setzen? Würde er für einen großzügigen Deal das Joshua-Usyk-Rematch känzeln? Gut möglich. Hier gipfelt allerdings der Interessenkonflikt. Sprich: Hearn möchte dem ebenfalls zum Matchroom Boxstall gehörenden Dillian Whyte seinen Titelfight ermöglichen.

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