Basketball EM: Deutsche Wundertüte boomt

Basketball EM: Deutsche Wundertüte boomt

Nach einem 84:81-Krimi gegen Frankreich stürmen die deutschen Basketballer ins Viertelfinale der Basketball EM. Schon jetzt steht das erfolgreichste Turnier seit dem 5. Platz bei der Europameisterschaft 2007. Wohin führt die Reise der jungen Wilden um Dennis Schröder in der Türkei? Mit Blick auf das Viertelfinalduell am Dienstag bleiben die Vorzeichen unverändert.

Wer verstehen möchte, warum die Basketball EM aus deutscher Sicht bereits jetzt als Riesenerfolg zu werten ist, muss sich an ein Spiel vor exakt einem Jahr vor Augen rufen. Am 10. September 2016 hatte sich die DBB-Auswahl gegen Dänemark blamiert – 102:106 nach Verlängerung! Von daher konnte die Europameisterschaft nach der mühsamen Qualifikation nur unter dem Motto Generationswechsel stehen.

Nach Schröder läuft auch Daniel Theis heiß

Ohne das NBA-Duo Zipser/Kleber kämpfte sich das Team des scheidenden Trainers Chris Fleming durch die Gruppenphase. Der stark aufspielende Dennis Schröder (Atlanta Hawks) führte Deutschland zu 3 Siegen in 5 Spielen, überragte vor allem beim 61:55 im Schlüsselduell mit Italien.

Mit 23,1 Punkten pro Spiel gehört Schröder zu den besten Punktesammlern des Turniers.

Im Achtelfinale zeigte sich nun, dass in der Wundertüte titulierten Truppe noch weitere Überraschungen stecken. Mehr noch: Das Duell mit Frankreich diente sozusagen als bestandene Reifeprüfung. Schließlich war auch beim Weltranglistenvierten der langjährige Kopf des Teams abgetreten. Tony Parker, Spielmacher der San Antonio Spurs, prägte eine Ära wie Dirk Nowitzki im schwarz-weißen Trikot.

Letztlich blieb die neue Generation der Franzosen den Nachweis schuldig, während die DBB-Auswahl dank Daniel Theis sogar eine Aufholjagd (34:40 zur Pause) hingelegt hatte. Der Power Forward (22 Punkte) war am Ende bester deutscher Werfer – einen Zähler besser als Überflieger Schröder.

Viertelfinal-Mission: Den Titelfavoriten etwas ärgern

Wenn jemand beim DBB mit einem derartigen Turnierverlauf geliebäugelt hatte, dann insgeheim höchstens Schröder selbst. Der gebürtige Braunschweiger, gesegnet mit Tempo, Spielwitz und einem ebenso großen Selbstbewusstsein, kündigte an: „Wir gehen ohne Angst ins Viertelfinale und können jeden schlagen, wenn wir alles richtig machen.“

Bei aller Euphorie sollte jedem klar sein: Zu einem Anwärter auf den Titel macht der jüngste Sieg das DBB-Team noch längst nicht. Am Dienstag geht es aller Voraussicht nach gegen die Spanier, die in ihrem Achtelfinale am Sonntag gegen die Türkei haushoher Favorit (1.06) sind. Also ein nochmals mindestens eine Nummer größeres Kaliber als Frankreich.

Man stelle sich mal vor, Chicagos Paul Zipser und Maxi Kleber aus Dallas hätten die Basketball EM nicht abgesagt. So bleibt Deutschland in dieser Form nur die Hoffnung die goldene Generation der Iberer eher ärgern zu können, als die Türken vor eigenem Publikum.

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