Andreas Wolff: So tickt Deutschlands EM-Held

Andreas Wolff: So tickt Deutschlands EM-Held

Der Erfolg der deutschen Handball-Nationalmannschaft bei der EM in Polen hat viele Gesichter. Eines aber sticht trotz der geschlossenen Mannschaftsleistung noch heraus: Das von Andreas Wolff. Der Torhüter ist der gefeierte Star des neuen Europameisters. Dabei war er zu Turnierbeginn nur Handball-Fans ein Begriff.

Hören Sport-Fans den Namen Andreas Wolf(f), dann denkt ein Großteil wahrscheinlich an den Abwehrspieler, der in seiner Karriere für den 1. FC Nürnberg, Werder Bremen und den AS Monaco aufgelaufen ist. Zum einen, da Fußballspieler in Deutschland nun mal sehr populär sind. Zum anderen, da der Stern seines Namensvetters (mit einem f mehr) erst in den vergangenen 3 Wochen so richtig aufging – allerdings gewaltig und mit einem großen Knall.

Andreas Wolff, der Handball-Torhüter, war der Garant für den EM-Triumph des DHB-Teams. Seine Quote an gehaltenen Bällen war sensationell. Reihenweise verzweifelten die gegnerischen Spieler an seinen Reflexen. Die internationalen Gazetten überschlugen sich nach seiner herausragenden Leistung im Endspiel mit Lob:

• „Die Seleccion zerschellt an einem im Finale fantastisch aufspielenden Torwart Andreas Wolff.“ (AS, Spanien)

• „Andreas Wolff ist seit heute mit seinen Wahnsinnsparaden eine der schwarzen Bestien des spanischen Handballs.“ (Superdeporte, Spanien)

• „Deutschlands neuer Superkeeper Wolff hat sogar den Messi-Kumpel Tomas gestoppt. Weltklasse!“ (Verdens Gang, Norwegen)

• „Wolff wusste immer, was die spanischen Schützen vorhatten, und die Abwehr bildete eine Mauer vor ihm.“ (Aftonbladet, Schweden)

Überragende 48% der Bälle wehrte der 24-Jährige im Endspiel ab. Nie zuvor hatte ein Torwart in einem Endspiel einen ähnlichen Wert vorzuweisen. Dabei war Wolff zu Turnierbeginn nicht mal Stammspieler. Aber aufgrund seiner unzähligen Paraden beförderte ihn Trainer Dagur Sigurdsson vor Stammtorhüter Carsten Lichtlein nach dem ersten Spiel des Turniers zur Nummer 1.

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Haben ein gutes Verhältnis: Andreas Wolff (l.) und Carsten Lichtlein.

Im September 2014 wurde Wolff erstmals für die DHB-Auswahl nominiert. Jetzt gehört ihm die Zukunft im Tor des amtierenden Europameisters. An Zielen und Selbstvertrauen mangelt es dem ehrgeizigen Keeper nicht: „Wir stehen nun an der Weltspitze und holen uns jetzt auch noch den Olympiasieg in Rio und die nächste WM.“ Die Worte von Wolff erinnern an jene von Franz Beckenbauer nach dem Gewinner Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien. Damals sagte der Kaiser, dass Deutschland auf Jahre unbesiegbar wäre. Das Ende ist bekannt. Es dauerte 24 Jahre bis zum nächsten WM-Titel.

Wolff allerdings ist hungrig auf noch mehr Erfolge geworden. Zur nächsten Saison wechselt er von der HSG Wetzlar zum THW Kiel. Ganz sicher wird er mit den Norddeutschen weitere Titel einfahren. Es ist fast ausgeschlossen, dass Deutschlands Handballverein Nummer 1 mit dem aktuell besten deutschen Torwart und dem Gesicht der Zukunft keine weiteren Trophäen einheimsen wird.

Was man noch über Andreas Wolff wissen muss:

• Wolff wurde in Euskirchen am 3. März 1991 geboren
• Er ist 1,98 Meter groß und wiegt 100 Kilogramm
• Seine bisherigen Vereine waren der TV Kirchzell, der TV Großwallstadt und aktuell die HSG Wetzlar
• Er gab sein DHB-Debüt am 20. September 2014 gegen die Schweiz
• Er hat einen sehr guten Draht zu seinem Kontrahenten Carsten Lichtlein. „Ich danke Carsten Lichtlein. Er ist sehr wichtig für mich. Wir sind ein geiles Torhüter-Duo. Wir haben uns permanent unterstützt.“
• Er wurde ins All-Star-Team der EM gewählt
• Er liest in seiner Freizeit gerne Thriller und Gruselromane
• Wolff geht sehr oft und gerne in den Kraftraum
• Seine Stärken im Torwartspiel sind: Gelenkigkeit, starke Reflexe, ein unbändiger Wille und kochende Emotionen
• Er beschreibt sich selbst als „wild und impulsiv“

An diesem Torhüter werden die Fans in Deutschland noch viel Freude haben. Und ganz sicher denkt jetzt niemand mehr an den Fußballprofi, wenn der Name Andreas Wolf(f) fällt.

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