Gaming: So scheffeln YouTuber und Twitch-Streamer Millionen

Gaming: So scheffeln YouTuber und Twitch-Streamer Millionen

Als Gamer Millionär werden? Was für viele realitätsfern klingen mag, ist tatsächlich schon lange keine Utopie mehr. Die Gaming-Branche boomt seit vielen Jahren und macht mittlerweile mehr Umsatz als beispielsweise die Musik- und Filmindustrie oder die Fußball-Bundesliga. Laut einer 2017 veröffentlichten Studie der Hamburg Media School betrug der Umsatz der deutschen Gaming-Branche im Jahr 2015 2,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In der Musik- und Filmindustrie waren es im gleichen Jahr 2,72 Milliarden Euro.

Von diesem Boom profitieren aber nicht nur die Spiele-Entwickler und andere Unternehmen. Auch „Let’s Player“, die sich beim Zocken aufnehmen und abertausende Leute via YouTube oder Twitch an ihrem Gameplay teilhaben lassen, machen durch die steile Entwicklung der Gaming-Branche immer mehr Profit. Gaming-Entertainer zu sein, ist für viele kein Hobby mehr. Es ist ein Beruf, mit dem man Millionen scheffeln kann.

Einnahmen durch Subscriber, Spenden, Werbung und Product Placement

Aber wie schaffen es erfolgreiche YouTuber und Streamer wie „PewDiePie“, „Ninja“, „Shroud“ und Co. mit ihren Videos, die für die Zuschauer im Internet kostenlos zu sehen sind, so viel Geld zu verdienen? Einnahmen generieren die Internet-Stars über verschiedene Wege. Unter anderem ist es in den Videos platzierte Werbung, mit der Geld in die Kasse gespült wird.

Auch Product Placement, bei dem Produkte von Unternehmen im Laufe der Clips oder Streams präsentiert werden, bringt ordentliche Erträge. Und klar: Je mehr Zuschauer und Abonnenten ein YouTuber hat, desto höher ist die Reichweite. Und je höher die Reichweite ist, desto interessanter ist der Player für Unternehmen, die ihre Produkte im Netz so vielen Leuten wie möglich vorstellen möchten.

Zusätzliche Einnahmequellen bei Twitch

Auf dem Streaming-Portal Twitch, wo die Zuschauer den Spielern live beim Zocken zuschauen, gibt es noch weitere Einnahmequellen. Man kann einem Kanal entweder folgen oder ihn als Subscriber abonnieren. Wer sich dafür entscheidet, Subscriber zu werden, muss monatlich zahlen. Früher waren es ausschließlich umgerechnet rund 4,50 Euro, mittlerweile gibt es verschiedene Abo-Modelle, die bis zu umgerechnet rund 21,60 Euro/Monat gehen.

Mit einem Sub wird der Streamer finanziell unterstützt und man hat Vorteile gegenüber den normalen Follower des Kanals. Dazu zählen Abonnenten-Abzeichen und der Zugriff auf spezielle Emotes (z.B. Smileys), die überall auf Twitch in sämtlichen Live-Chats neben den Streams eingesetzt werden können. Mit einem Sub kann man sich auch die werbefreie Wiedergabe ermöglichen – aber nur, wenn der Streamer sie aktiviert (das steht ihm frei).

Während Subscriber die Haupteinnahmequelle der Twitch-Streamer sind, profitieren die Gamer auch von Donations. Jeder Zuschauer hat die Möglichkeit, dem Streamer Geld zu spenden, um ihn für sein meist täglich gebotenes Entertainment zu belohnen und ihn damit außerdem zu motivieren, weiter zu machen.

Twitch lohnt sich mehr als YouTube

Wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, wird zum Ergebnis gekommen sein, dass kontinuierliches Twitch-Streaming lukrativer sein muss, als der regelmäßige Upload von Videos auf YouTube. Und so ist es auch. Vor allem das Subscriber-Modell ist der Grund dafür. Tatsächlich sind nämlich viele Zuschauer dazu bereit, monatlich Geld dafür auszugeben, um das beste Entertainment-Paket auf dem Lieblingskanal zu erhalten.

Ninja und PewDiePie überragen alle

Einer, der dank seiner Let’s Plays wohl längst Multi-Millionär ist, ist der US-Amerikaner Tyler Blevins, bei Twitch und YouTube besser bekannt als „Ninja“. Der frühere Profi-Spieler in der Ego-Shooter-Serie „Halo“ hat sich in den letzten Jahren eine riesige Followerschaft aufgebaut. Mit rund 13 Millionen Abonnenten gehört er zu den erfolgreichsten YouTubern der Welt. Bei Twitch ist er mit über 8 Millionen Followern sogar die Nummer 1. In seinen Streams zockte er bereits mit den Musik-Stars Drake, Travis Scott und Lil Yachty sowie mit den Fußballern Harry Kane, Dele Alli und Kieran Trippier, die allesamt bei den Tottenham Hotspur unter Vertrag stehen. Laut eigenen Angaben hat Ninja im März die 100.000-Subscriber-Marke geknackt. Damit würde er im Monat alleine durch Subs – wenn wir vom klassischen 4,50 Euro-Modell ausgehen -, über 450.000 Euro verdienen.

Bei YouTube ist der Schwede Felix „PewDiePie“ Kjellberg das Nonplusultra. Seine Abonnentenzahl: Über 63 Millionen! Vor einigen Jahren wurde der Skandinavier sogar vom US-Magazin „Time“ in die Liste der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten aufgenommen. Nachdem PewDiePie mit Let’s Plays angefangen hat, spezialisiert er sich mittlerweile nicht mehr auf Gaming. Kjellberg macht das, worauf er Lust hat. Und egal, zu welchem Thema er ein Video produziert: Mehrere Millionen Fans schauen ihm dabei zu.

Keine Männer-Domäne

Eine reine Männer-Domäne sind die Spielebranche allgemein und speziell das Gaming-Entertainment bei YouTube und Twitch aber nicht. Auch einige spielebegeisterte Frauen haben Millionen von Abonnenten und Followern. Eine davon ist die Marokkanerin Imane „Pokimane“ Anys, die sowohl auf Twitch als auch bei YouTube fast 1,5 Millionen Follower bzw. Abonnenten mit ihren Streams und Videos begeistert. Bemerkenswert: Alleine 2017 hatte Pokimane einen Zuwachs von rund 450.000 Followern.

Eine weitere Gamerin, die auf Twitch und YouTube durch die Decke geht, ist die Kanadierin Kristen „KittyPlays“ Valnicek. Mit über 800.000 Followern gehört auch sie zu den großen Twitch-Stars unter den weiblichen Zockerinnen.

Fortnite bestimmt die Szene

Ob Shroud, Ninja, PewDiePie, Pokimane oder Kittyplays: So gut wie jeder Let’s Player spielt aktuell vor allem ein Game: Fortnite! Und das hat auch einen guten Grund: Der Hype um das Koop-Survival-Spiel von Publisher Epic Games, in dem die Spieler im Battle-Royal-Modus gegeneinander antreten, um am Ende als einziger Überlebender zu gewinnen, ist gewaltig. Schon Ende 2017 hatte das Game über 20 Millionen Spieler, jetzt sind es wohl noch deutlich mehr. Mit Fortnite erlangen viele Streamer Reichweiten, von denen sie vor einigen Monaten nur träumen konnten. Ein Beispiel: Ninja konnte dank seiner Fortnite-Streams innerhalb von einer Woche ein Plus von 10.000 Subscribern verzeichnen.

Es ist derzeit nicht abzusehen, wann und ob der Hype um Fortnite endet. Vielmehr scheint es so, als ob das Spiel noch sehr lange wahnsinnig erfolgreich ist und die Gaming-Welt auf Twitch und YouTube bestimmen wird. Und auch im eSport könnte Fortnite bald eine wichtige Rolle einnehmen. Entwickler Epic Games gab unlängst bekannt, dass Turnierpreisgelder in Höhe von 100 Millionen US-Dollar (umgerechnet rund 86,4 Millionen Euro) geplant sind. Dagegen würden alle bisher veranstalteten eSport-Turniere in Spielen wie Dota 2, Starcraft oder FIFA klein aussehen.

Die Welt des Gamings und des eSports bekäme dadurch noch einmal einen riesigen Schub nach vorne. Und von dieser zusätzlichen Aufmerksamkeit würden natürlich auch die Let’s Player profitieren. Gaming boomt – und ist nicht aufzuhalten.

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