Watzke gegen Tuchel: 3 Szenarien zum BVB-Streit

Watzke gegen Tuchel: 3 Szenarien zum BVB-Streit

Mit dem Sieg gegen Hoffenheim hat Borussia Dortmund Platz 3 in der Bundesliga zurückerobert. Eigentlich hätten die Schwarzgelben am Samstag einen Grund zum Feiern gehabt. Doch ein ganz anderes Thema dominiert seither die Schlagzeilen: Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Trainer Thomas Tuchel haben sich mächtig in der Wolle. Wie geht es nun beim BVB weiter, wo der Zweikampf abseits des Platzes die Emotionen höher kochen lässt als sportliche Erfolge?

Dass zwischen Watzke und Tuchel keine große Liebe entstanden ist, ist hinlänglich bekannt. Beide führen eher eine Zweck-Ehe. Dass Auseinandersetzungen öffentlich ausgetragen werden, ist dagegen neu. Streitpunkt ist die Neuansetzung des Champions League Viertelfinalhinspiels gegen den AS Monaco nur einen Tag nach dem Bomben-Anschlag auf die Mannschaft des BVB.

Tuchel hatte die Terminwahl öffentlich kritisiert und merkte an, bei der Entscheidung übergangen worden zu sein. Für sein sensibles Vorgehen in der schwierigen Situation bekam er später viel Lob zugesprochen. Watzke sprach in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Funke Mediengruppe von einem Dissens. Der Trainer habe sehr wohl die Möglichkeit gehabt, sich gegen die Neuansetzung am Folgetag auszusprechen, dies aber nicht getan. BVB-Präsident Reinhard Rauball bestätigte dies gegenüber der BILD-Zeitung und stärkte so Watzke den Rücken. Ist das Tischtuch zwischen Borussia Dortmund und Tuchel zerschnitten? Wie soll es nun weitergehen?

Szenario 1: Trennung nach der Saison

Die Auseinandersetzungen schlagen hohe Wellen. So hoch, dass die Zusammenarbeit von Verein und Coach zu kentern droht. Muss Tuchel also gehen? Unwahrscheinlich. Watzke hatte in der Vergangenheit stets betont, dass der Verein über den Einzelpersonen steht. An diesen Worten wird er sich auch in seinem persönlichen Zwist mit dem Trainer messen lassen müssen.

Tuchel hat einen besseren Punkteschnitt als alle Vorgänger. Zudem stehen die Chancen gut, im DFB-Pokalfinale nach 5 Jahren wieder einen Titel nach Dortmund zu holen. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dürfte sich obendrein schwierig gestalten.

Szenario 2: Keine Vertragsverlängerung

Der Vertrag mit Tuchel und seinem Trainerteam läuft nach der kommenden Saison aus. Eigentlich waren Verhandlungen über eine Ausweitung des Engagements über 2018 hinaus für den Sommer angesetzt. Angesichts der aktuellen Streitigkeiten dürften diese jedoch äußerst kompliziert werden – auch dann, wenn die Schwarzgelben den DFB-Pokal gewinnen sollten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Vertragsverlängerung vorerst auf Eis gelegt wird, ist relativ hoch. Beide Parteien könnten abwarten, ob sich die Wogen glätten und man wieder zueinander findet oder ob die Zusammenarbeit an den persönlichen Differenzen scheitert.

Szenario 3: Erfolg schweißt zusammen

Man darf nicht vergessen, dass die jüngste Eskalation des Zwists aus Entscheidungen und Äußerungen in einer absoluten Ausnahme-Situation hervorging. Das sollte auch den Beteiligten klar sein. Dennoch spielt Borussia Dortmund eine sehr erfolgreiche Saison, hat das Erreichen des Saisonziels der direkten Champions-League-Qualifikation in der eigenen Hand und sogar noch Aussicht auf einen Titel – keine Selbstverständlichkeit in einer Umbruchs-Saison.

Sollte der BVB aus dem DFB-Pokalfinale als Sieger hervorgehen, dürfte der Freudentaumel die Auseinandersetzungen in den Hintergrund rücken lassen – vielleicht sogar vergessen machen. Der Pokalsieg wäre zwar nicht der Kit für das angeknackste Verhältnis, wohl aber die Besinnung auf das Wesentliche im Fußball.

Der mögliche Pokalsieg würde die Wogen wieder etwas glätten.
Trotz erfolgreicher Arbeit schaut Tuchel in eine ungewisse Zukunft beim BVB.

 

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