Warum Klopp und Co. nicht zum FC Barcelona passen

Warum Klopp und Co. nicht zum FC Barcelona passen

Auf den Paukenschlag mit dem Rücktritt von Luis Enrique zum Saisonende folgt beim FC Barcelona nun das große Rätselraten. Es ist fast schon rekordverdächtig, wie viele Namen seit Donnerstag durch die Medien geistern. In unserem Barca-Trainercheck verraten wir euch, wer ernsthaft Chancen auf den Trainerposten bei den Katalanen hat.

Wenn einer der beliebtesten Trainerstühle im Weltfußball frei wird, herrscht auch ein medialer Ausnahmezustand in Spanien. Von Laurent Blanc über eine Rückkehr von Pep Guardiola bis hin zu Jürgen Klopp: Die führenden Sportgazetten in Spanien – Marca und El Mundo Deportivo – bringen Trainer aus so ziemlicher jeder europäischen Top-Liga ins Spiel, insofern ein Coach nicht schon vorher sein Interesse dementiert hat.

Unsere Buchmacher bieten sogar eine große Spezial-Wette zur Trainersuche zum FC Barcelona an. Jürgen Klopp vom FC Liverpool gehört in dieser Rangliste zu den Top 10, weist aber schon eine hohe Quote von 21.00 auf.

Barca-DNA zählt mehr Titel und Erfahrung

Wer nun von Klopp als 1. deutschen Barca-Trainer seit Udo Lattek (1981 – 1983) träumt, wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit enttäuscht. Sein Klubcredo „Més que un club“ („Mehr als ein Verein“) nimmt der FCB sehr ernst. Die von der verstorbenen Klublegende Johan Cruyff entwickelte und von Pep Guardiola perfektionierte Spielphilosophie ist beim 5-maligen Champions League-Sieger quasi in Stein gemeißelt – der Ex-Dortmunder steht eher weniger für Tiki-Taka-Fußball.

Dazu ist ein Barca-Trainer auch eine Art Teilzeitpolitiker. Seit Jahren kämpft der Verein aus der Hauptstadt Kataloniens für die Unabhängigkeit der Region. Die Vereinsführung um Josep Maria Bartomeu bevorzugt daher erneut einen Trainer aus der Barca-Schule als Nachfolger für Luiz Enrique. Auch in der jüngeren Vergangenheit hatte der Klub fast ausnahmslos auf ehemalige Spieler (Enrique, Guardiola oder Tito Vilanova) gesetzt, obwohl diese zuvor keine großen Erfolge oder Titel als Trainer vorweisen konnten.

Wie viel Einfluss hat Lionel Messi?

Auf dem Sprung zu Barca? Ernesto Valverde gewann mit Bilbao 2015 die Supercopa in Spanien.

Auch dem hoch gehandelten Jorge Sampaoli (3.50) fehlt dieser wichtige Stallgeruch. Der Heißsporn aus Argentinien triumphierte 2015 mit Chile bei der Copa América und etablierte den FC Sevilla in dieser Saison als 3. Kraft hinter Real Madrid und dem FC Barcelona. Barca-Superstar Lionel Messi, der aktuell um einen Vertrag pokert, dürfte sich für seinen Landsmann stark machen. Doch lässt sich die Chefetage noch mal so beeinflussen wie vor 4 Jahren?

Die Katalanen hatten damals Gerado „Tata“ Martino und damit Messis Wunschtrainer verpflichtet. Ein Experiment, das in einem Fiasko endete. Nach einer titellosen Saison 2013/14 kam Enrique vom Ligakonkurrenten Celta Vigo und räumte nicht nur das Triple aus Meisterschaft, Copa del Rey sowie Champions League ab. Der 46-Jährige gewann rund 75% seiner Spiele kommt sogar fast an die unglaubliche Guardiola-Quote (78) heran.

Beim Blick durch die heimische La Liga könnten Bartomeu und Co. vor allem bei Athletic Bilbao hängen bleiben. Ernesto Valverde, von 1988 bis 1990 für Barca aktiv, leistet im Baskenland seit 2013 hervorragende Arbeit. Der Vertrag des 53-Jährigen endet am Saisonende. Eine Rückkehr ins Camp Nou ist auch bei Ronald Koeman denkbar. Für den Niederländer (Vertrag bis 2019) ruft der FC Everton allerdings eine hohe Ablösesumme auf. Passt ein Trainer aber so gut ins Anforderungsprofil, setzt auch ein FC Barcelona gerne alle Hebel in Bewegung.

X