Viktoria Berlin: Mit Unterstützung aus China zurück in den Profifußball?

Viktoria Berlin: Mit Unterstützung aus China zurück in den Profifußball?

Die großen Erfolge von Viktoria Berlin liegen über 100 Jahre zurück. 1908 und 1911 wurde der Traditionsverein aus der Hauptstadt Deutscher Meister. Mittlerweile spielt die Viktoria seit einigen Jahren in der viertklassigen Regionalliga Nordost. In der abgelaufenen Saison mussten die Berliner sogar lange um den Klassenverbleib zittern – von einer kurzfristigen Rückkehr in den Profifußball war keine Rede. Die Lage hat sich jetzt verändert.

Ein weltweit tätiges und auf die Vermarktung von Sportmannschaften spezialisiertes Unternehmen aus China, das auch am französischen Erstligisten OGC Nizza beteiligt ist, steigt bei der Viktoria ein. Ziel der langfristig ausgelegten Partnerschaft soll sein, die Wettbewerbsfähigkeit des Vereins sicherzustellen und die Verfolgung höherer sportlicher Ziele zu ermöglichen. Medienberichten zufolge soll die Zusammenarbeit zunächst 10 Jahre dauern. Laut Informationen der „BILD“ werden in diesem Zeitraum 90 Millionen Euro in den Verein investiert.

Ausgliederung nun möglich

Der Vereinsvorstand entschied sich für die Zusammenarbeit, weil er der „festen Überzeugung“ ist, dass eine nachhaltige sportliche Weiterentwicklung der ersten Mannschaft nur mit kurzfristig zur Verfügung stehenden Zuwendungen lokaler Sponsoren nicht möglich sei. „Das erfordert professionelle Strukturen und eine Zusammenarbeit mit weiteren starken, überregionalen und internationalen Partnern“, heißt es auf der Vereinsseite. Mit der Unterstützung aus China will die Viktoria außerdem die Ausgliederung des professionellen Spielbetriebs vorantreiben. Viktoria-Geschäftsführer Felix Sommer:

„Die Ausgliederung sichert die Zukunft des Vereins und ermöglicht eine langfristige Planungssicherheit. Die Viktoria als eingetragener Verein bleibt unangetastet und bildet mit rund 70 spielenden Mannschaften den größten Fußballverein Deutschlands. Die Nachwuchs- und Sozialprojekte werden weiterhin nachhaltig gefördert, die Jugendleistungsmannschaften als Unterbau werden weiterentwickelt und die vielen Breitensportmannschaften im Frauen-, Jugend- und Herrenbereich werden von den neuen Möglichkeiten, vor allem struktureller Art, profitieren.“

Es soll etwas Neues entstehen – aber warum?

Bei der Viktoria wird schon jetzt davon geträumt, in der Zukunft ähnlich erfolgreich zu sein, wie aktuelle Bundesligaklubs. „Mit RB Leipzig und der TSG 1899 Hoffenheim hat man an 2 guten Beispielen gesehen, was möglich ist, wenn jemand kommt und langfristig plant. In Berlin kann etwas Neues entstehen“, sagt Viktorias 2. Vorsitzende Harald Sielaff.

Aber wieso sollte in Berlin überhaupt etwas Neues entstehen? Mit Bundesligist Hertha BSC und Zweitligist Union Berlin hat die Hauptstadt 2 große Fußballklubs, die beide neue, größere Stadien planen und in den nächsten Jahren weiterhin die Aushängeschilder des Berliner Fußballs bleiben werden. Hinzu kommen große Vereine aus anderen Sportarten wie die Eisbären Berlin (Eishockey) und Alba Berlin (Basketball), die in ihrem Metier schon lange zur nationalen Spitze gehören. Einen neuen, großen Verein braucht die Hauptstadt also nicht.

TeBe Berlin ein warnendes Beispiel

Das heißt zwar nicht, dass die chinesischen Investoren mit Viktoria Berlin keinen Erfolg haben können. Ein warnendes Beispiel ist aber sicher TeBe Berlin. Ende der 90er-Jahre stieg beim früheren Bundesligisten eine Investorengruppe ein. Der damalige Drittligist sollte an frühere Erfolge anknüpfen und bis in die Champions League geführt werden. Stattdessen ging es runter in die 4. Liga. Jetzt kickt TeBe in der 5. Liga und kämpft aktuell um den Aufstieg in die Regionalliga Nordost.

Dort würde dann einer der Gegner Viktoria Berlin heißen – ein Verein, der in den nächsten Jahren die Rückkehr in den Profifußball anpeilt. Die finanzielle Unterstützung dafür scheint nun riesig zu sein. Aber ob das auch den gewünschten Erfolg bringt?

Stieg in der Saison 1999/2000 mit TeBe Berlin als Schlusslicht aus der 2. Bundesliga ab: Ansgar Brinkmann.
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