Quo vadis, VfB? Dietrichs letzte Patrone

Quo vadis, VfB? Dietrichs letzte Patrone

Beben im Tabellenkeller: Während der 1. FC Nürnberg gleich zum Radikalschnitt angesetzt hat, traf es etwas weiter südwestlich in Stuttgart nicht den Trainer – oder besser gesagt noch nicht! Thomas Hitzlsperger löst zunächst Michael Reschke als Sportvorstand des VfB Stuttgart ab. Ein Schritt, der den meisten Anhängern nicht weit genug geht.

Bei seiner Antritts-Pressekonferenz legte Ex-Nationalspieler Hitzlsperger gleich mal den Finger in die Wunde. Markus Weinzierl? Bleibt gemäß der letzten Amtshandlung seines Vorgängers im Amt! Job-Garantie über das Spiel gegen RB Leipzig (alle Bundesliga-Wetten) hinaus? Fehlanzeige! Mögliche Nachfolger werden im schwäbischen Blätterwald seit Tagen rauf und runter gebetet. Einige (Jürgen Klinsmann) bieten sich auch selbst als Retter an.

Die 3. Kraft – von unten

Unabhängig davon, wer sich als 15. Coach (!) seit der Meisterschaft 2007 auf den heißen Stuhl setzen darf, hat VfB-Boss Wolfgang Dietrich mit dem Reschke-Rauswurf seine letzte Patrone verschossen. Schon bei seiner Wahl zum Präsidenten im Oktober 2016 stieß der Unternehmer auf Gegenwind. Dieser verstärkte sich, als Dietrich nach dem Wiederaufstieg den Baumeister der Aufstiegself, Jan Schindelmeiser, durch Michael Reschke ersetzte. Nicht zu vergessen seine forschen, großspurigen Aussagen von der „3. Kraft in der Bundesliga“.

Allenfalls Bayern München und den BVB dulde er mittelfristig vor VfB Stuttgart. Derzeit reihen sich noch 13 andere Teams zwischen Anspruch und Wirklichkeit im Schwabenland ein. Gefühlt lässt sich die Zahl der Dietrich-Befürworter unter den Mitgliedern an einer Hand abzählen, nachdem Michael Reschke in der ersten Reihe nicht das bestätigte, was er zuvor als Unterhändler (Bayern München, Bayer 04 Leverkusen) versprochen hatte. Angreifbar hatte sich der 61-Jährige neben seiner Transferpolitik auch durch seine Kommunikation und Außendarstellung beim ersten Trainerwechsel von Tayfun Korkut zu Markus Weinzierl gemacht.

Der Weg für Klinsmann wäre frei

Die blutleere Vorstellung in Düsseldorf (0:3) gegen einen mit ehemaligen VfB-Reservisten wie Kevin Stöger und Matthias Zimmermann gespickten Aufsteiger dient als Symbolbild der Krise. Das mit insgesamt 47 Mio. € verstärkte Team hat den Abstiegskampf immer noch nicht angenommen. Und der Spieler, der noch am ehesten positiv heraussticht, ist ein Schindelmeiser-Transfer: Benjamin Pavard!

Seine Zukunft an der Spitze des Traditionsklubs knüpft Wolfgang Dietrich mit Thomas Hitzlsperger nun an einen über Stuttgart hinaus großen Sympathieträger in der Bundesliga. Der Manager-Wechsel könnte tatsächlich den Weg für eine Rückkehr des früheren Torjägers Jürgen Klinsmann freimachen, der bereits im Oktober ein Thema war. Beide kennen und schätzen sich aus der Nationalmannschaft. Unter Teamchef Klinsmann hatte Hitzlsberger im Oktober 2004 sein Debüt im DFB-Trikot (53 Länderspiele) gefeiert.

Für einige VfB-Fans trägt Wolfgang Dietrich die Hauptschuld an der Krise.
X