United League – Die leise Revolution in Fußball-Europa

United League – Die leise Revolution in Fußball-Europa

Der FC Kopenhagen hat den Stein ins Rollen gebracht. Die schottischen „Old Firm“-Klubs Glasgow Rangers und Celtic wollen ebenso mitziehen wie das Holland-Trio Ajax, Feyenoord und PSV. Die „United League“, eine neue multinationale Liga, soll den Druck auf die mächtigen Großklubs in der Champions League erhöhen – und zum Gegenentwurf der „Big Four“-Ligen werden. Ein langer Weg…

Diesen Titel nimmt Michael Silberbauer niemand mehr. Der dänische Mittelfeldspieler ist mit 25 Einsätzen für den FC Kopenhagen Rekordspieler der Royal League.

Die „Wikinger-Liga“ gab es nur für 3 Spielzeiten…

Moment mal, Royal League? Richtig, dieser zwischen 2004 und 2007 ausgetragene Wettbewerb ermittelte unter 12 teilnehmenden Klubs den „Skandinavischen Meister“. Das „Wikingertreffen“ mit Teams aus Dänemark, Norwegen und Schweden, als eine Art „Champions League Nordeuropas“ konzipiert und zusätzlich zu den nationalen Ligen in Skandinavien ausgespielt, war damals ein von der UEFA geduldetes „Pilotprojekt“ – mit kurzer Halbwertszeit. Die „Royal League“ mit Rekordsieger FC Kopenhagen (2 Titel, 2005 und 2006) wurde nach nur 3 Spielzeiten eingestellt, weil es für die TV-Rechte keinen Käufer mehr gab.

Schmieden die kleinen Ligen den Pakt gegen die „Big Four“?

Fast ein Jahrzehnt nach dem „Aus“ kommt der Impuls für eine neue Liga wieder aus Dänemark. Gemäß der Devise „Gemeinsam sind wir stark“ plant eine Reihe von Klubs eine stille Fußball-Revolution, darunter der CL-Teilnehmer FCK aus Dänemark. Projektname: „United League“. Die neue, multi-nationale Liga soll, glaubt man den Planern, zum Gegengewicht zu den alles überlagernden Big Four“, den Top-Ligen aus Spanien, Deutschland, England und Italien, werden. Hintergrund: Die UEFA wird ab 2018 in der Champions League noch mehr Gelder an die Großklubs verteilen, ihnen noch mehr Startplätze garantieren. „Wenn wir jetzt nicht agieren“, so Kopenhagens Klubdirektor Anders Hörsholt im Oktober gegenüber der dänischen Zeitung BT, „werden die größeren Vereine in Europa immer mächtiger, während es für Teams wie uns immer schwieriger wird. Wir müssen deshalb schauen, welche alternativen internationalen Lösungen es künftig gibt.“

Die Lösung könnte „United League“ heißen – mit Klubs aus Skandinavien, Belgien, den Niederlanden und aus Schottland. Die Glasgow Rangers und Celtic stehen laut Scottish Sun bereits in Verhandlungen mit den „United League“-Initiatoren. Interesse haben auch die Spitzenteams aus den Niederlanden, Ajax, Feyenoord Rotterdam und PSV Eindhoven – ebenso wie der RSC Anderlecht aus Belgien.

„Eine United League könnte aus vielen Ländern einen großen gemeinsamen Markt machen“, kommentiert das Magazin 11 FREUNDE die Pläne, „und aus einer Reihe von Traditionsvereinen eine zukunftsfähige Top-Liga. In Zeiten eines zusammenwachsenden Europas wäre dies auch ein politisches Statement.“

pvh
2002 gewann mit Feyenoord (UEFA-Cup) letztmals ein United-League-Befürworter einen Europapokal.

Hinter der „United League“ stehen noch viele Fragezeichen

Der Haken daran: Die Klubs müssten ihre nationalen Ligen verlassen – und würden damit wahrscheinlich einen Domino-Effekt auslösen. „Würden Bröndby und der FCK in die United League wechseln“, fürchtet Claus Thomsen vom dänischen Ligaverband, „hätte die dänische Superliga keine Zugpferde mehr.“ Wie die schottische Premier League ohne die Rangers gelaufen ist, hat sich seit dem Zwangsabstieg des Rekordmeisters (2012) deutlich gezeigt.

Pokalsieger-Cup, UI-Cup: Große Bühne für Klubs aus der zweiten Reihe

Deutlich wurde seit 1999 aber auch, dass die finanziellen Interessen bei der UEFA scheinbar über allem stehen. Ein Indiz dafür: Die Einstellung des Europapokalwettbewerbs der Pokalsieger, wo auch 5 deutsche Vereine (BVB, FC Bayern, 1. FC Magdeburg, HSV, Werder) triumphierten. „Dieser Pokal wurde der Geldgier geopfert“, klagte Werner Faßbender, 1979 als Manager Endspielteilnehmer mit Fortuna Düsseldorf, vor dem letzten Finale vor 17 Jahren.

Die „United League“ könnte frühestens 2021, zum Ende des nächsten Champions-League-Bewertungszeitraums, an den Start gehen. Von der Qualifikation über die Zustimmung der UEFA bis hin zur Vermarktung der Fernsehrechte, bleiben viele offene Fragen.

Die Sehnsucht der Fans von Feyenoord und Co. nach besseren Zeiten in Europa ist hingegen fraglos. Den letzten Titel, den einer der United-League-Befürworter holte, war der gute alte UEFA-Cup – 2009 in Europa League umbenannt – den sich Feyenoord 2002 beim 3:2 gegen den BVB holte. Eine Plattform für Klubs, die nicht im Champions-League-Zirkus mitmischten, war der zwischen 1995 und 2008 von der UEFA neu aufgelegte „Intertoto-Cup“. Dieser gern als „Strohalm-Cup“ abgetane Wettbewerb sah auch eine Reihe deutscher Sieger – zuletzt den Hamburger SV (2007) und den VfB Stuttgart (2008). Zeit für neuen Zug.

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