Transferbilanz zur 3. Liga: Billige Königstransfers, Exportschlager und ein „Bachelor“

Transferbilanz zur 3. Liga: Billige Königstransfers, Exportschlager und ein „Bachelor“

Die Transfer-Winde des Deadline Days machen vor nichts und niemandem Halt. Selbst in der 3. Liga sind am 31. August noch schnell 8 Spielerwechsel über die Bühne gegangen. Um ein Haar bringt die von bwin gesponserte Spielklasse in ihrer Jubiläumssaison ein genaues Gleichgewicht auf die Waage – 245 Zu- stehen 244 Abgängen gegenüber! Die Analyse der Transferströme war der Redaktion eine Grafik wert.

Wo kamen sie alle her und wie viele Drittliga-Talente schaffen den Sprung nach oben? Dank unserer virtuellen Autobahn lassen sich die Hauptfragen vieler Leser schnell beantworten. Zeit, tiefer ins Detail zu gehen. Spürbar ausgewirkt, hat er sich unterhalb der Bundesliga (noch) nicht, dieser verflixt heiße Transfer-Sommer.

85 % der Klubs kauften komplett zum Nulltarif ein. Die Ausnahme bilden die beiden Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC und Würzburger Kickers sowie ein Pokalschreck vom Autobahnkreuz Lotte/Osnabrück. Die Sportfreunde Lotte, in der letzten Saison bis ins DFB-Pokal-Viertelfinale (0:3 gegen Borussia Dortmund) vorgedrungen, investierten einen Teil seiner Zusatzeinnahmen.

Fast 200.000 Euro floss in 3 Neuzugänge

Der KSC, vom Etat her der Porsche der 3. Liga, vollzog im Sommer den größten Umbruch. Keine andere Mannschaft gönnte sich mehr Spieler mit Erst- und Zweitliga-Erfahrung. Als Königstransfer holte man Marvin Wanitzek in den Wildpark. Der Mittelfeldmann, der für den VfB Stuttgart einen Kurz-Einsatz in der Bundesliga absolviert hat, war der teuerste Spieler dieser Transferperiode. In der Liste der ewigen Rekordtransfers kommt Wanitzek mit einer kolportierten Ablösesumme in Höhe von 95.000 € (Quelle: Transfermarkt.de) gerade noch so unter die Top 20.

Zum Saisonstart lief der KSC-Motor auf Sparflamme – was aber nicht ungewöhnlich ist. In der Drittliga-Saison 2012/13 hatten die Badener ebenfalls einen Fehlstart (5 Punkte aus den ersten 6 Spielen) hingelegt, schafften am Ende souverän die Rückkehr in die 2. Liga. Unsere Buchmacher schreiben den Traditionsklub also nicht ab. Gelingt unter dem neuen Steuermann Alois Schwartz als Meister der Aufstieg? Quote 7.50.

Gleiches gilt für die Würzburger Kickers. 17 Spieler, darunter Dennis Mast aus Bielefeld, stiegen im Sommer neu in den Mannschaftsbus ein und müssen erst zu einem Team zusammenwachsen. Addiert man die Ablösesummen von Wanitzek und Mast mit Marco Hober (Sportfreunde Lotte) belaufen sich die Gesamtausgaben der 3. Liga auf rund 195.000 €.

Fast-Absteiger Paderborn auf der Überholspur

Von der Tabellenspitze grüßt nach 6 Spieltagen überraschend der SC Paderborn. Zur Erinnerung: Nur die Lizenzverweigerung für 1860 München hatte die Ostwestfalen vor dem 3. Abstieg in Folge bewahrt. 11 der insgesamt 16 Neuzugänge stammen aus der Regionalliga oder tieferen Amateurligen. Besonders Sven Michel und Ben Zolinski (jeweils 4 Treffer) schlugen hervorragend ein. Für einen Auswärtssieg in Würzburg am Samstag winkt eine 3.10-Quote.

Auch die Ausbeute von Unterhaching, als bester Aufsteiger auf Rang 8, kann sich in Anbetracht der Jugend Forscht-Philosophie sehen lassen. Die Oberbayern beförderten fast so viele Talente (5) aus dem eigenen Nachwuchs wie die U 23 des Bundesligisten SV Werder Bremen.

Chemnitz: Myroslav Slavov glänzt mit Toren und Rosen

Wie die Grafik zeigt, liegt das Hauptaugenmerk der meisten Klubs bei Transfers klar auf dem Amateurbereich, insbesondere den 5 Regionalliga-Staffeln. Vom Berliner AK wechselte einer der prominentesten Spieler in die 3. Liga: Myroslav Slavov. Sagt ihnen nichts? Tja, dann mal in Österreich nachfragen. Das 26-jährige Model wirkte als Bachelor in der TV-Sendung „Rendezvous im Paradies“ mit und stieg in unserem Nachbarland zu einem TV-Sternchen auf. Bei seinen ersten 4 Einsätzen schnürte der baumlange Stürmer einen Doppelpack.

Statt einer Rose freute sich der VfL Osnabrück in der abgelaufenen Transferperiode über einen warmen Geldregen. Die Verkäufe von Torjäger Kwasi Okyere Wriedt (FC Bayern II) und Nazim Sangaré spülten den Niedersachsen über 0,5 Mio. € in die Kassen. Letzterer hatte am Deadline Day den Abflug zu Antalyaspor in die türkische Süper Lig gemacht.

Als einer von 27 Drittliga-Kickern sucht der Mann mit der markanten Rasta-Locken fortan sein Glück im Ausland. Noch ein paar mehr Spieler nahmen derweil die Auffahrt ins Ungewisse. Da vereinslose Spieler auch außerhalb des Transferfenster verpflichtet werden dürfen, könnte der Weg des Kölner-Quartetts Dennis Engelman, Kusi Kwame, Oliver Schröder und Florian Hörnig früher oder später auf die Drittliga-Autobahn zurückführen.

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