Thomas Müller: Die Frustration unter Ancelotti steigt

Thomas Müller: Die Frustration unter Ancelotti steigt

Der FC Bayern München hat auch sein 2.Spiel gewonnen und legte mit 6 Punkten einen optimalen Start in der Bundesliga hin. Trotzdem herrscht beim Rekordmeister nicht eitel Sonnenschein. Das liegt vor allem an Thomas Müller. Der Nationalspieler wurde gegen Bremen (2:0) nur eingewechselt und ließ im Anschluss seinem Ärger vor den TV-Kameras freien Lauf. Es war nicht das erste Mal, dass der Nationalspieler öffentlich seine Rolle beklagt.

72 Minuten schmorte Thomas Müller am Samstag beim Gastspiel bei Werder Bremen auf der Bank. Erst dann ließ Carlo Ancelotti den 27-Jährigen von der Leine. Zum wiederholten Male schaffte es der Fan-Liebling unter der Regie des Italieners nicht in die Anfangself – ein Umstand, der Müller im Anschluss an die Partie zu einer frustrierten Aussage in die TV-Kameras zwang:

„Ja, ich weiß nicht genau, welche Qualitäten der Trainer sehen will. Meine sind scheinbar nicht 100-prozentig gefragt.“

Kein unumstrittener Stammspieler

Unter Louis van Gaal, Jupp Heynckes und Pep Guardiola war Müller ein unverzichtbarer Teil der Mannschaft. Nur selten stand er aufgrund schöpferischer Pausen oder taktischer Maßnahmen mal nicht in der Anfangself der Bayern. Das hat sich seit der Amtsübernahme von Ancelotti geändert. In 54 Pflichtspielen unter dem Italiener schaffte Müller „nur“ 35 Mal den Sprung in die Startformation – das ist mit Abstand der niedrigste Wert seit seinem Durchbruch beim FCB.

Wenig Argumente

Für Außenstehende ohne Bayern-Fanbrille kommen die Einsatzzeiten nicht von ungefähr. Seit der EM 2016, bei der Müller eine unglückliche Figur abgab und reihenweise Möglichkeiten ausließ, steckt der gebürtige Bayer in einem Leistungstief. Das Wort Krise ist vielleicht zu hoch gegriffen, doch fallen seine Leistungen im Vergleich zu seinen vorherigen Jahren deutlich ab. Das belegt auch die Statistik. Nur 9 Tore erzielte Müller in der letzten Saison, im Jahr davor waren es noch 32. Er lieferte zwar konstant Tor-Vorlagen (14) in der Liga, doch allein 8 Assists sammelte er bei den Kantersiegen gegen Bremen (6:0), Hamburg (8:0) und Wolfsburg (6:0).

Carlo Ancelotti (l.) und Thomas Müller – eine fruchtbare Zusammenarbeit ist es bislang noch nicht.

Marketing-Wert als Faustpfand

Obwohl Ancelotti den Nationalspieler bislang immer in Schutz nahm und ihn gute Arbeit attestierte, hat Müller einen schweren Stand unter dem Erfolgstrainer. Im favorisierten 4-3-3-System des 58-Jährigen gibt es die Idealposition des Nationalspielers als Kreativspieler hinter den Spitzen nicht. Das macht es für Müller keinesfalls einfacher.

Trotzdem ist es verwunderlich, dass der Offensivspieler seinem Ärger erneut über die Medien freien Lauf ließ. Steckt da vielleicht Kalkül dahinter? Müller weiß, dass er bei der Vereinsführung und bei einem Großteil der Anhängerschaft unumstritten ist. Nach den Abschieden von Bastian Schweinsteiger, Holger Badstuber und Philipp Lahm ist er das Aushängeschild des Klubs und der Mia-san-Mia-Philosophie. Er ist als Spieler aus der eigenen Jugend und gebürtiger Bayer ein ganz wichtiger Baustein des FCB-Marketings. Sollte die Frage aufkommen, ob Müller oder Ancelotti – ziemlich sicher würden sich Karl-Heinz-Rummenigge und Uli Hoeneß für ersteren entscheiden. Konsequenzen muss Müller also nicht befürchten – außer von seinem Trainer. Aber mit einem Platz auf der Ersatzbank hat er zuletzt ja bereits häufiger Erfahrung gemacht.

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