Ter Stegen: Zwischen Weltklasse und Wahnsinn

Ter Stegen: Zwischen Weltklasse und Wahnsinn

Die Schwarz-Weiß-Malerei der Medien gehört mittlerweile zum Fußball dazu, auch wenn sie freilich kein beliebtes Stilmittel in der Branche ist. Im Falle von Marc-André ter Stegen, dem in der Kritik stehenden Torhüter des FC Barcelona, fällt es aber schwer, darauf zu verzichten. In seiner 3. Saison bei den Katalanen hat 24-Jährige noch immer 2 Gesichter. Entweder der gefeierte Held, oder der große Sündenbock.

So können selbst langjährige Barca-Fans nicht so viele Spiele aufzählen, in denen der deutsche Torhüter eine solide Leistung jenseits von gut oder schlecht gezeigt hatte. Unter dem Motto „Pleiten, Pech und Ter Stegen“ wäre es dagegen problemlos möglich, ein mehrminütiges Video mit den Patzern des ehemaligen Gladbachers zusammenzuschneiden. Von unterlaufenen Ecken bis hin zu 2 Gegentreffern aus über 50 Metern.

Klubführung und Manuel Neuer geben Rückendeckung

Vorläufiger Höhepunkt am vergangenen Wochenende: Ein unsauberer Pass sowie der missglückte Lupfer bei der jüngsten 3:4-Auswärtsniederlage mit Barcelona bei Celta Vigo. Nach dem Kreuzfeuer der spanischen Medien („Er dachte, er sei für eine Sekunde Lionel Messi“) erhielt Marc-André ter Stegen zunächst von Trainer Luis Enrique und nun auch bei der Nationalmannschaft Rückendeckung. „Grundsätzlich ist es der richtige Weg für den modernen Fußball. Fehler gehören einfach zum Reifeprozess dazu“, sagte DFB-Kapitän Manuel Neuer.

Es ist unschwer zu erkennen, dass sich ter Stegen am Welttorhüter und Revolutionär des Torwartspiels orientiert. Neuer wiederum kennt die Situation seines Stellvertreters bei der Nationalmannschaft nur allzu gut. In seiner Anfangszeit beim FC Bayern München leistete sich der bei Schalke 04 ausgebildete Schlussmann auch den ein oder anderen Patzer. Diese brachten ihm bei den Fans des Rekordmeisters zunächst keinen leichten Stand ein.

Vertragsverlängerung als Vertrauensbeweis

Den beliebten Mittelweg zwischen Sicherheit und spielerischer Lösung muss Marc-André ter Stegen, der sich auch im DFB-Trikot (14 Gegentore bei 7 Einsätzen) schon mehrere unglückliche Aussetzer erlaubt hatte, nun mittelfristig selbst finden. Andernfalls sitzt ihm der von Ajax Amsterdam verpflichtete Jasper Cillessen beim Kampf um das Barca-Tor auf kurz oder lang im Nacken. Aktuell scheint das Vertrauen der Klubführung in den 24-Jährigen aber ungebrochen.

Nach der Länderspielpause treffen die aktuell nur viertplatzierten Katalanen auf Deportivo La Coruna (Samstag, 15. Oktober) und peilen mit ter Stegen die Aufholjagd in Richtung Tabellenspitze an. In den nächsten Wochen sollen mit dem Torhüter außerdem Gespräche über eine vorzeitige Vertragsverlängerung bis 2021 geführt werden. Das große Standing hatte er sich einerseits durch starke Paraden während der Triple-Saison 2014/2015 in der Champions League erarbeitet. Aber auch seine fußballerischen Qualitäten gegenüber Claudio Bravo (inzwischen Manchester City) führten zur Beförderung zum Stammtorhüter.

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