Sven Ulreich: Die „Lehrjahre“ sind vorbei

Sven Ulreich: Die „Lehrjahre“ sind vorbei

Auf einem schmalen Grat zwischen Lust und Frust wandelt Sven Ulreich beim FC Bayern München. In diesen Tagen kommt der Stellvertreter des verletzten Manuel Neuer in den seltenen Genuss, das Tor statt die Bank des Rekordmeisters zu hüten. Für den wechselwilligen 28-Jährigen kommt die Situation quasi wie gerufen.

Beinah hätte auch ihm eine Kapselblessur vor dem Spiel gegen den FC Augsburg (6:0) um dem Lohn seiner Geduld gebracht. Es wäre die berühmte Ironie des Schicksals gewesen. Sich selbst und auch anderen Klubs will Sven Ulreich beweisen, jederzeit aus seiner Schattenrolle heraustreten zu können. Dieses Schicksal hatte sich der 28-Jährige bei seinem Wechsel vom VfB Stuttgart an die Säbener Straße im Jahr 2015 selbst ausgesucht. Viele Torhüter in seinem Alter schüttelten da wohl nur mit den Kopf – mehr als eine Handvoll Einsätze waren nicht zu erwarten.

Mehrere Bundesligisten drehen am Torwart-Karussell

Die ewige Nummer 2: Für Sven Ulreich gibt es an Manuel Neuer (l.) kein Vorbeikommen.

Immerhin 6 an der Zahl werden es für Ulreich am Dienstagabend in Hoffenheim. Zum Abschluss der englischen Woche übernimmt dann Welttorhüter Neuer – insofern die Heilung nach der Fuß-Operation planmäßig verläuft – gegen Borussia Dortmund (8.4) wieder das Zepter im Bayern-Tor. Das Spitzenspiel bei der sich auf Champions League-Kurs befindlichen TSG könnte bereits die Abschiedsvorstellung der Nummer 2 sein. Im kicker-Interview deutete Sven Ulreich zuletzt erneut einen Sinneswandel an:

„Ich fühle mich bei Bayern wohl, möchte aber irgendwann wieder zeigen, was ich drauf habe.“

Nach 2 Jahren täglichem Training mit Manuel Neuer hat der Ex-Stuttgarter offenbar ausgelernt und favorisiert einen Wechsel innerhalb der Bundesliga. Welche Klubs haben auf der Torwart-Position mit Blick auf die neue Saison Bedarf? Beim Hamburger SV endet im Sommer voraussichtlich die 5-jährige Ära von René Adler.

Was wurde aus Ulreichs Vorgängern?

Ein mögliches Ziel im Norden wäre auch Werder Bremen, wo der umstrittene Felix Wiedwald aber zuletzt Pluspunkte für einen neuen Vertrag sammelte. Zu seinem Ex-Klub aus Stuttgart würde Sven Ulreich „nie nein sagen“, als Rückkehr eines verlorenen Sohnes würden ihn die VfB-Fans aber kaum feiern. Aktuell macht der Australier Mitch Langerak bei den Schwaben einen souveränen Job im Kasten und kämpft mit Klub um den Wiederaufstieg.

Von den Bayern-Ersatztorhütern in den letzten 10 Jahren steht nur einer bei einem anderen Bundesligisten unter Vertrag: Thomas Kraft. Der Schlussmann (19 Einsätze für den FCB) verlor seinen Stammplatz bei Hertha BSC bereits in der Vorsaison an Rune Jarstein. Während Hans-Jörg Butt nach seinem Vertragende die Handschuhe an den Nagel gehängt hatte, suchen Pepe Reina (SSC Neapel) und Lukas Raeder (Vitória Setúbal FC) ihr Glück im Ausland. Michael Rensing, einst als Nachfolger für den Torwart-Titan Oliver Kahn auserkoren, startete eine Tour über den Rhein. Über den 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen ging es 2013 zu Fortuna Düsseldorf in die 2. Liga.

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