Stefan Effenberg: Klangvoller Name, kurze Karriere

Stefan Effenberg: Klangvoller Name, kurze Karriere

Exakt 141 Tage dauerte das erste Trainer-Engagement von Ex-Weltklassespieler Stefan Effenberg. Dann zog Zweitligist SC Paderborn die Reißlinie und beurlaubte den 47-Jährigen von seinen Aufgaben. Trotz aller Skandale und der Negativ-Serie von 12 Spielen ohne Sieg kam dieses Aus nun doch etwas überraschend. Ist Effes Karriere nach nur einer Station bereits wieder zu Ende?

Keine 6 Monate hatten die Verantwortlichen des SC Paderborn Geduld mit Stefan Effenberg. Nach 15 Spielen, von denen der ehemalige Nationalspieler gerade einmal 2 gewinnen konnte, beendeten die Ostwestfalen die Zusammenarbeit und bringen somit die Trainerkarriere von Effe gehörig ins Wackeln. Denn so ein schnelles Aus dürfte einige Vereine von einer Anstellung des 47-Jährigen abbringen.

Die Gründe für die Trennung des SCP von Effenberg:

Sportliche Lage: Vor allem geht es natürlich um die sportliche Entwicklung der Mannschaft unter Effe. Und die ist katastrophal. Übernommen hatte er die Paderborner auf dem 15. Platz. Schon damals war das viel zu wenig für die Ansprüche des Bundesliga-Absteigers. Man wollte so schnell wie möglich den Anschluss an die oberen Ränge schaffen und ggf. sogar noch um den Aufstieg mitspielen. Nach 2 Siegen zum Auftakt sah es so aus, als ob die Ostwestfalen unter Effe die Kehrtwende schaffen würden, doch es folgte das bittere 1:7 im DFB-Pokal bei Borussia Dortmund und die Talfahrt begann. 12 Liga-Spiele ohne Sieg ließen den SCP auf Platz 17 abrutschen. Ein sicherer Nicht-Abstiegsrang ist mittlerweile 5 Zähler entfernt.

Prosch
Brachte mit seiner Aktion auch Trainer Stefan Effenberg arg in Bedrängnis – Nick Proschwitz

Penis-Skandal: Im Trainingslager entblößte sich Paderborns Angreifer Nick Proschwitz vor einer Frau. Außerdem benahmen sich weitere Spieler in der Türkei daneben. Dass so ein Verhalten auch kein gutes Licht auf den Trainer wirft und den Anschein macht, als ob Effe seine Jungs nicht im Griff hat, ist wohl klar. Trotzdem stärkten Präsident Finke und seine Vorstandskollegen Effenberg weiter den Rücken.

Trainer-Lizenz: Nur wenige Stunden vor dem wichtigen Spiel beim Karlsruher SC war herausgekommen, dass Stefan Effenberg derzeit gar keine gültige Trainerlizenz besitzt. Zwar absolvierte der gebürtige Hamburger erfolgreich den Trainerlehrerlehrgang, verpasste es allerdings, die nötigen Auffrischungskurse für die Verlängerung zu machen. Der Verein war darüber infomiert und begründete es wie folgt: „Unser Chef-Trainer konnte die Fortbildungsveranstaltungen zur Verlängerung der Trainerlizenz aus terminlichen Gründen nicht besuchen. Da er sehr kurzfristig bei uns in Paderborn eingesprungen war und hier eine umfangreiche Aufarbeitung im sportlichen Bereich nötig war, bestand für ihn keine Möglichkeit, entsprechende Termine im Herbst 2015 wahrzunehmen.“

All diese Sachen ergaben in der Summe, dass Stefan Effenberg als Trainer des SC Paderborn nicht weiter tragbar war. Darüberhinaus musste sich der 47-Jährige zuletzt auch noch Kritik von Trainerkollege Ralf Rangnick gefallen lassen. Der Coach von RB Leipzig bezeichnete Effe Spielstil als „Taktik von vor 30 Jahren“. Vielleicht haben auch diese Aussagen SCP-Präsident Wilfried Finke ein wenig die Augen geöffnet. Ganz so schnell dürfte Effenberg keinen neuen Verein mehr bekommen. Stattdessen wird er wohl wieder eher als TV-Experte gefragt sein. Eine ähnliche „Karriere“ wie sein ehemaliger Mitspieler Lothar Matthäus ist durchaus denkbar.

Der Nachfolger von Effenberg soll laut Medienberichten auch schon feststehen. Rene Müller, Leiter des Paderborner Nachwuchsleistungszentrums, soll versuchen, den 2. Abstieg in Serie zu verhindern. Der 41-jährige Ex-Spieler des SCP hatte bereits nach der Entlassung von Effenberg-Vorgänger Markus Gellhaus interimsmäßig die Leitung übernommen.

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