Sanchez und Coutinho: Stars im Schmollwinkel

Sanchez und Coutinho: Stars im Schmollwinkel

Das „Veto“ zum Abgang ihrer Stars Philippe Coutinho und Alexis Sanchez hat die Premier-League-Klubs FC Liverpool und FC Arsenal fraglos zu Gewinnern der abgelaufenen Transferperiode gemacht. Ob und wie die beleidigten Stars nun weiterhin auflaufen und was der von Liverpools deutschem Trainer Jürgen Klopp (50) und Arsenals französischem Coach Arsene Wenger (67) gegebene Einspruch wirklich bringt, macht die Sache zum Drahtseilakt für die Klubs.

Für Michel Simoni lag es an der Umgebung. Der Mannschaftsarzt der brasilianischen Selecao fand bei der Ankunft von Philippe Coutinho vom FC Liverpool im Trainingslager des Rekord-Weltmeisters in Porto Alegre schnell die Ursache für die zuletzt aufgetretenen Rückenschmerzen beim Mittelfeldspieler. „Wenn man nicht weiß, wo man bald arbeitet, fühlt man sich unsicher“, orakelte der Mediziner, „ich denke, das ist der Ursprung der Schmerzen.“

Coutinhos „akute Unlust“…

Nachdem der FC Liverpool ein Angebot des FC Barcelona über 160 Mio. € abgelehnt und dem Brasilianer die Freigabe verweigert hatte, meldete sich Coutinho ab. Offizielle Begründung: „Rückenschmerzen“. Besser gesagt, er  verzog sich in den Schmollwinkel. Weder in den CL-Playoffs gegen 1899 Hoffenheim (2:1 und 4:1) noch in den 3 bisherigen Premier-League-Spielen der Reds stand der 25-Jährige im Kader. Für Brasilien ging es dann glücklicherweise wieder. Beim 2:0 gegen Ecuador lief Coutinho am Freitag für 31 Minuten auf und erzielte auch 1 Tor. Beim 1:1 in Kolumbien ersetzte er Dienstagnacht nach 75 Minuten den Ex-Bundesligaprofi Renato Augusto.

Sanchez-Wechsel scheiterte in letzter Sekunde

Alexis Sanchez legte dem FC Arsenal ebenfalls eine Krankmeldung vor. Der Chilene, dessen Wechsel zum Liga-Konkurrenten Manchester City am Schlusstag der Transferperiode nur noch Formsache war, pausierte an den ersten beiden Premier-League-Spieltagen nach Bauchmuskelzerrung. Beim 0:4 in Liverpool war in 62 Minuten Einsatzzeit nahezu unsichtbar. Bei der 0:1-Pleite des Südamerika-Meisters in Bolivien stand er am Dienstag in der Startelf.

Der Rückkehr beider Südamerika-Stars nach England sehen viele Experten mit Skepsis entgegen. „Sie sind weiter bei den Vereinen angestellt, die sie eigentlich verlassen wollten“, erklärt England-Legende Keir Radnedge im Kicker (Montagsausgabe), „aber es zeigte sich, dass die Macht der Spieler und ihrer Agenten keineswegs grenzenlos sein muss.“

Im Fall Coutinho verhinderte eine fehlende Aussstiegsklausel den Wechsel zu Barca. Bei Sanchez war die Tatsache, dass Arsenal keinen Ersatzmann für den in 145 Pflichtspielen 72-mal erfolgreichen Mittelstürmer finden konnte, ausschlaggebend.

Wenger glaubt an den Profi in Sanchez

Ob das in beiden Fällen von Seiten der Klubs eingelegte „Veto“ und die gezeigte Hartnäckigkeit wirklich ein Sieg für Liverpool und Arsenal waren, werden die nächsten Wochen zeigen. Coutinho hat bereits erklärt, in der nächste Woche beginnenden Champions League nicht für die Reds antreten zu wollen. Klar ist: Einen von Unlust geplagten Coutinho kann sich Klopp nicht leisten. 20 Tor-Beteiligungen in 31 Premier-League-Spielen der vergangenen Saison lassen auf eine hohe Unverzichtbarkeit des Brasilianers schließen. Auch Arsene Wenger ist auf Sanchez angewiesen, will der arg in der Kritik stehende Franzose mit Arsenal zurück in die Champions League. „Ich bin sicher, dass er sich wieder voll bei uns einbringen wird“, glaubt Wenger an die Profi-Mentalität seines teuersten Spielers.

Beim Chilenen, der in der letzten Spielzeit auf 24 Treffer und 11 Assists in 36 Liga-Spielen kam, ist die Vertragssituation für die Londoner drängender als bei Liverpool und Coutinho. Im nächsten Sommer ist Sanchez ablösefrei.

Superstar Philippe Coutinho (r., mit Roberto Firmino) sahen die Fans des FC Liverpool in dieser Saison bislang nur im Training… 

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