Rudi Völler: Meckern und Mosern statt Titel

Rudi Völler: Meckern und Mosern statt Titel

Während seiner aktiven Spieler-Karriere und im Anschluss als Nationaltrainer der DFB-Auswahl war Rudi Völler Everbybody´s Darling. Langgezogene „Ruuuudiiiii“-Sprechchöre schallten durch die Stadien. Sogar ein Lied (Es gibt nur einen Rudi Völler) wurde ihm gewidmet. Doch seitdem Völler als Sportchef bei Bayer Leverkusen das Sagen hat, hat sich sein Image gewandelt. Egal ob mit Schiedsrichtern, Spielern oder Funktionären – Völler legt sich mit jedem an.

Egal ob Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge oder Hans-Joachim Watzke – diese drei Sportfunktionäre spalten die Nation. Entweder man mag sie oder man kann sie gar nicht leiden. In den vergangenen Jahren hat sich auch Rudi Völler so ein Image erarbeitet. Vom ehemals beliebten Bundestrainer ist nicht mehr viel übrig geblieben. Zu oft ledert der 55-Jährige – ob berechtigt oder nicht – gegen andere Persönlichkeiten des Sports. Seine neuesten Opfer sind Marcel Jansen und Matthias Sammer.

Völler vs. Jansen
Mit 29 Jahren verkündete Marcell Jansen vor zwei Wochen seinen Rücktritt vom professionellen Fußball. Nach sieben Jahren beim HSV kann Jansen nicht „noch zwei, drei Jahre irgendwo spielen, wo ich nicht zu 100 Prozent dahinterstehe. Ich will keinen Verein und keine Fans anlügen oder ihnen etwas vormachen.“ Eine Entscheidung, die es zu respektieren gilt und die nur der Spieler und der Mensch Marcell Janssen für sich selbst treffen konnte. Rudi Völler musste trotzdem seine Meinung dazu äußern und attackierte Jansen scharf in einem ZDF-Interview: „Dafür habe ich kein Verständnis. Wer so etwas macht, hat den Fußball nie geliebt. Wenn einer so früh aufhört, ohne verletzt zu sein, dann ist das ein Schlag ins Gesicht für jeden Sportinvaliden oder Jugendlichen, der irgendwann mal Fußballprofi werden will.“

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Mit Matthias Sammer hat sich Völler ein neues Ziel gesucht.

Völler vs. Sammer
Es ist der neueste Konflikt, in den Völler involviert ist. Auf einer Tagung der Bundesliga-Manager soll Völler Matthias Sammer heftig attackiert haben. Weil Sammer den Start der Bundesliga-Saison im nächsten Jahr aufgrund der Olympischen Spiele nach hinten verschieben will, gab es von Völler harte Worte zu hören. Laut Informationen der Bild soll Völler dem Sport-Vorstand des FC Bayern im harschem Ton unterstellt haben, dass die Bayern nur deshalb später in die Saison starten wollen, um mit einer weiteren „China-Reise“ oder einem weiteren „Audi Cup“ noch mehr Geld zu scheffeln.

Völler vs. Bierhoff
Dieser Streit liegt zwar schon seit 2007 zurück, aber auch damals attackierte Völler ungewohnt heftig den Manager der Nationalmannschaft, ohne dass dieser im Vorfeld einen Konflikt vom Zaun brach. Thema: Die Philosophie der deutschen Nationalmannschaft, die gerade nach dem Sommermärchen 2006 noch in der Entwicklung unter Joachim Löw stand. Polemisch kritisierte Völler Oliver Bierhoff im kicker: „Die Philosophie der Nationalmannschaft ist zuallererst ein Produkt der hervorragenden Jugendarbeit in den Vereinen. Die Philosophie für den Spieler Oliver Bierhoff, die musste noch erfunden werden. Brasilianische Spielweise einfordern mit Füßen aus Malta, das geht eben nicht.“ Zum Abschluss gab es noch eine weiteren persönlichen Seitenhieb gegen Bierhoff: „Oliver Bierhoff sollte sich in den nächsten Tagen bei Dr. Müller-Wohlfahrt untersuchen lassen. Das permanente Sich-selbst-auf-die-Schulter-Klopfen muss doch schmerzhafte Schädigungen nach sich ziehen.“

Völler vs. Merk
„Wenn Merk etwas sagt, ist eines klar – es ist immer das Gegenteil. Merk hat keine Ahnung.“ Rudi Völler echauffierte sich über den ehemaligen Schiedsrichter, da dieser in seiner Funktion als Sky-Experte einen Platzverweis für Leverkusens Karim Bellarabi (gegen Bayern) gefordert hatte – zu Recht! Und Völler wurde dann auch noch persönlich: „Er war ein viel besserer Schiedsrichter, als er ein Fieldreporter ist. Oder was auch immer er bei Sky macht. Ach nee, der sitzt ja jetzt im Keller…“ Bereits 2012 bezeichnete der Völler Merk und die Sky-Kollegen Steffen Freund und Jan Aage Fjörtoft als „die drei von der Muppet-Show“.

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Sky-Experte Markus Merk (r.) ist bereits des Öfteren das Ziel der Attacken von Rudi Völler geworden.

Wutausbrüche von Rudi Völler sind bei weitem keine Eintagsfliege mehr. Auffällig ist: Oftmals passieren diese nach Niederlagen von Leverkusen oder falls es Kritik an Akteuren der Werkself oder am Verein selbst gibt – damit kann der ehemalige Nationalspieler scheinbar nicht umgehen. Zudem wird Völler schnell persönlich und vergreift sich im Ton, z. B. in seinem berühmten Rundumschlag gegen Sportmoderator Waldemar Hartmann. Mit Unterbrechungen ist Völler seit 15 Jahren bei Bayer Leverkusen tätig. Er war Spieler, Trainer und Sportdirektor. Einen Titel konnte er allerdings nie gewinnen. Vielleicht würde solch ein Triumph wieder Gelassenheit bei ihm einkehren lassen, denn sympathisch ist der einstige Liebling der Nation nur noch den wenigsten.

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