Roberto Baggio: Ein Philosoph des Fußballs wird 50

Roberto Baggio: Ein Philosoph des Fußballs wird 50

Er war „Weltfußballer des Jahres“ 1993, Hoffnungsträger Italiens und modischer Trendsetter seiner Zeit: Roberto Baggio. „Der göttliche Zopf“, wie der introvertierte italienische Ballkünstler genannt wurde, feiert am Samstag seinen 50. Geburtstag.

Tancredi Palmeri, Journalist bei Italiens Fußballbibel Gazzetta dello Sport, gab in den schicksalhaften Schlusssekunden des Elfmeterdramas von Pasadena jegliche Form der Zurückhaltung auf. „Als Baggio nicht traf, weinte ich minutenlang“, schildert Palmeri die Szene, die ganz Italien in Depressionen stürzte. Ausgerechnet Superstar Roberto Baggio hatte im Elfmeter-Duell gegen Brasilien den letzten Ball für die „Squadra Azzurra“ vergeben – die „Selecao“ war Weltmeister, die Tifosi weinten. „Wir haben die Menschen in Italien enttäuscht“, weiß Ex-Nationalspieler Daniele Massaro, neben Baggio und Franco Baresi einer der Fehlschützen der Italiener, auch nach Jahren um die verpasste Chance, „einer der besten Spieler aller Zeiten traf nicht – das sagt alles.“

Mehr als ein Superstar

Denn: In Italien war und ist Roberto Baggio, am 18. Februar 1967 in Caldogno in der Provinz Vicenza geboren, mehr als nur ein Fußballstar. Er war ein Politikum. Für seine Klubchefs, aber auch für die italienischen Nationaltrainer und die Fans des 4-maligen Weltmeisters. Nur 2 Jahre nach seinem kometenhaften Aufstieg beim AC Florenz wechselte Baggio für die damalige Rekordsumme von € 7,7 Mio. zu Juventus Turin – und ließ die Fans der „Fiorentina“ in einem Sturm der Entrüstung zurück. In Florenz, so sagen viele Anhänger der Violetten, hat man dem nur 1,74 m großen Stürmer diesen Schritt bis heute nicht verziehen.

In seine Zeit bei der Alten Dame fielen Baggios größte Erfolge: UEFA-Cup-Sieger 1993 mit Juve gegen Borussia Dortmund mit 6 Treffern in 8 Spielen, Europas Fußballer und Weltfußballer `93, italienischer Double-Gewinner 1995. Verletzungsbedingt absolvierte Baggio in dieser erfolgreichen Saison nur 17 Spiele. Juve-Tycoon Gianni Agnelli verkaufte den Superstar ausgerechnet an den Erzrivalen AC Mailand und setzte auf den jüngeren Alessandro del Piero.

In Bologna fiel der Zopf dem Imagewandel zum Opfer

Mit dem Wechsel zu Milan geriet Baggios Karriere mehr und mehr ins Stocken. Zwar wurde er mit dem AC 1996 erneut italienischer Meister, doch nachdem er in Mailand 1997 mehr oder weniger ausgemustert wurde, zog es ihn zum Mittelklasse-Klub FC Bologna. Hier vollzog Baggio einen erstaunlichen Schritt: Er schnitt sich seinen Zopf, sein Markenzeichen, ab, legte zusätzliche Athletik-Trainingseinheiten ein und meldete sich mit 20 Toren in 30 Serie-A-Spielen für Bologna zurück. Dieser Leistungsschub und der immense mediale Druck veranlassten Nationalcoach Cesare Maldini, Baggio doch noch nur WM 1998 mitzunehmen.

Abschiedsspiel mit Trapattoni

Es war sein letztes großes Turnier, für die EURO 2000 und die WM 2002 wurde er nicht mehr nominiert. Trainerlegende Giovanni Trapattoni gab Baggio am 28. April 2004 gegen Spanien nach 56 Länderspielen (27 Tore) das verdiente Abschiedsspiel vom Nationalteam. „Das blaue Nationaltrikot Italiens anziehen zu dürfen, ist das Höchste, was ein Spieler anstreben muss, das ist die Wahrheit“, betonte Baggio immer wieder den Stellenwert der „Squadra Azzurra“.

Spielerische Eleganz, unwiderstehliches Dribbling, starke Freistöße und Abschlussstärke (205 Tore in 452 Serie-A-Spielen) zeichneten Baggio auf dem Platz aus. Er selbst sah unmittelbar vor seinem 50. Geburtstag im Corriere dello Sport aber noch einen anderen Aspekt: „Das Fundament meines Lebens ist Leidenschaft, der Fußball war immer Teil dieser Leidenschaft, ich nehme den Ball sogar mit in die Badewanne.“

Kniefall vor den Fans: Roberto Baggio bei seinem Nationalmannschafts-Abschied am 28. April 2004 in Genua.
Kniefall vor den Fans: Roberto Baggio bei seinem Nationalmannschafts-Abschied am 28. April 2004 in Genua.
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