Regionalliga: Paradies für Fußball-Promis

Regionalliga: Paradies für Fußball-Promis

„Rauschebart“ Marco Sailer und Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino bei Wacker Nordhausen, Bremen-Schreck Matthew Taylor am Bieberer Berg, Ex-England-Hoffnung Nico Herzig in Steinbach. Die 4. Liga kann sich über mangelndes Kult-Potenzial nicht beklagen.  

Von wegen Fußball-Provinz! Mehr Kult könnte man sich in der 45.000-Einwohner-Stadt Nordhausen, 70 Kilometer von der thüringischen Landeshauptstadt Erfurt entfernt, kaum wünschen.

Nordhausen und sein Kult-Quartett

Denn der FSV Wacker 90 Nordhausen geizt in der Regionalliga Nordost nicht mit großen Namen. Sportdirektor ist einer, der schon die Meisterschale in den Händen hielt: Ex-Nationalspieler Maurizio Gaudino wurde 1992 mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister und stieg im Sommer 2016 in Nordthüringen ein. Coach des 11. in der Tabelle der Regionalliga Nordost ist der urige Niederländer René van Eck, ehemalige Abwehr-Kante vom 1. FC Nürnberg. Um die Torhüter kümmert sich kein geringerer als der bosnische Kult-Keeper Tomislav Piplica. Ihm unterlief 2002 im Tor des FC Energie Cottbus eines der geschichtsträchtigsten Eigentore der Bundesliga-Geschichte – per Hinterkopf! Komplett wird der Kult durch Marco „Toni“ Sailer. Der Darmstädter Ex-Profi, bekannt als „längster Bart der Bundesliga“, heuerte zu Saisonbeginn in Nordhausen an, kommt auf 2 Tore in 13 Liga-Spielen.

Die Regionalliga – oft als „Unterbau für die Profis“ abgetan, hat die 4. Liga in Deutschland nicht nur durch das Profi-Quartett von Nordhausen an Profil gewonnen.

Blickt man auf die Vereine, so findet man 13 ehemalige Bundesligisten und mehr als 15 Ex-Zweitligaklubs in den 5 Staffeln – und so manchen Promi. Wie Nico Herzig. Mit 17 brach er gemeinsam mit seinem Bruder Denny von Jena in Richtung England auf, wo er nach mehreren Probetrainingseinheiten vom FC Wimbledon verpflichtet wurde. Später spielte der heute 33-Jährige u. a. für Alemannia Aachen 27-mal in der Bundesliga. Seit Sommer 2016 kickt Herzig im beschaulichen Lahn-Dill-Kreis, beim TSV Haiger-Steinbach in der Regionalliga Südwest. „Ich wollte unbedingt bei einem Verein unterschreiben, der ein klares Konzept verfolgt und sich nach oben entwickeln möchte“, sagte er bei seiner Verpflichtung. Klingt zwar ein bisschen nach abgelesener Pressemitteilung – aber mit seiner Entscheidung, im Herbst der Karriere in die 4. Liga zu wechseln, ist Herzig nicht allein.

„Happy Auer“ in Pirmasens

Diesen Schritt tat auch Benjamin Auer. Mit dem 1. FSV Mainz 05 unter Jürgen Klopp 2004 von der 2. Liga in die UEFA-Cup-Qualifikationsrunde gestürmt, fand der Pfälzer seit 2015 beim Ex-Zweitligisten FK Pirmasens eine neue sportliche Heimat. Beim FKP sorgt der drittbeste U21-Nationalmannschafts-Torschütze aller Zeiten seitdem regelmäßig für „Happy Auer“, traf in 43 Liga-Spielen 17-mal für „die Klub“. Bis 2017 steht Auer noch in der westpfälzischen Stadt unter Vertrag.

Ein bisschen Hollywood am Bieberer Berg

Matthew Taylor dürfte vielen Bremer Fußballfans noch in unguter Erinnerung sein. Beim 2:4-Pokal-Knockout des SV Werder nach Verlängerung im Sommer 2012 i Münster schoss der US-Amerikaner 3 Tore. „Das war Hollywood“, jubelte Taylor anschließend. Über Saarbrücken wechselte der Stürmer 2014 an den Bieberer Berg zu Kickers Offenbach. Beim in Liga 4 abgestürzten DFB-Pokalsieger von 1970 gelangen ihm in dieser Saison in 19 Spielen 2 Tore.

Nord: Neue Chance für Heerwagen auf St. Pauli

Bei Borussia Dortmund durchlief Markus Brzenska von Viktoria Köln alle Jugendmannschaften, spielte für den BVB zwischen 2003 (Debüt gegen den FC Bayern) und 2008 insgesamt 86-mal in der Bundesliga (6 Tore). Nach Stationen beim MSV Duisburg, Energie Cottbus und der 2. Mannschaft der Lausitzer landete der 1,96 m-Abwehrrecke 2014 in der Regionalliga West.

Nach seinem Vertragsende beim VfL Bochum für einige Wochen vereinslos, kehrte Torhüter Philipp Heerwagen am 9. September 2013 zum FC St. Pauli zurück, wo er in der aktuellen Saison 5-mal in der 2. Liga und 5-mal in der Regionalliga Nord zum Einsatz kam.

Benjamin Auer (r.) und Jürgen Klopp jubelten 2004/2005 gemeinsam mit Mainz 05 in der Bundesliga.
Benjamin Auer (r.) und Jürgen Klopp jubelten 2004/2005 gemeinsam mit Mainz 05 in der Bundesliga.
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