RB Leipzig: Eine Formalie von der Königsklasse entfernt

RB Leipzig: Eine Formalie von der Königsklasse entfernt

Exakt 2909 Tage nach der Gründung sieht sich RB Leipzig am Ziel. Die direkte Qualifikation zur Champions League ist dem Emporkömmling durch den 4:1-Auswärtssieg bei Hertha BSC nicht mehr zu nehmen. Bevor der Klub aber endgültig in einer Reihe mit der Crème de la Crème Europas steht, liegen noch einige Herausforderungen vor den Verantwortlichen:

Real Madrid, Juventus Turin, SSV Markranstädt – wie bitte? Vielen Fans sagt der Verein aus der sächsischen Kleinstadt nicht das Geringste. Wir helfen gerne auf die Sprünge: Markranstädt ist ganz eng mit dem steilen Aufstieg von RB Leipzig verknüpft. Ohne die Mithilfe des Oberligisten wäre es gar nicht möglich gewesen, dass bald die Champions League-Hymne im nur wenige Kilometer entfernten Leipzig erklingt – es wird Feiertag für den tief gefallenen Ostfußball.

Zunächst hielten sich auch in den neuen Bundesländern die Sympathien stark in Grenzen, als Red Bull 2009 dem SSV Markranstädt die Lizenz für das Oberligateam abgekauft hatte. Nur durch dieses kleine Schlupfloch konnte der milliardenschwere Getränkekonzern die DFB-Regularien austricksen. Rasenballsport Leipzig war geboren, oder besser gesagt: Aus dem Boden gestampft!

Startverbot? Rangnick macht sich keine Sorgen

Anschließend ging es mit 7 Meilenstiefeln in Richtung Profifußball. 4 Aufstiege und 8 Jahre später klopfen die Roten Bullen nach einer Bundesliga-Saison voller Rekorde und Bestmarken an die Tür zur Königsklasse. Den Durchgang versperren aber (noch) die Bodyguards der UEFA. In einem Passus über die Integrität des Wettbewerbs heißt es:

Keine natürliche oder juristische Person darf Kontrolle über oder Einfluss auf mehr als einen an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmenden Verein haben.

Im Klartext: Die Beziehungen zum österreichischen Serienmeister RB Salzburg werden genau durchleuchtet. Die bereits im März aufkommenden Gerüchte von einem möglichen Startverbot lassen Sportdirektor Ralf Rangnick kalt. „Ich mache mir keine Sorgen. Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alle Bedingungen zu erfüllen“, so der 58-Jährige im ZDF-Interview.

Vertragsverlängerungen wichtiger als Neuzugänge

Seit Jahren wünscht sich RB-Boss Dietrich Mateschitz nicht sehnlicher, als einen der RB-Klubs auf der großen internationalen Bühne zu sehen. Problem: Salzburg leidet in der Qualifikation unter chronischem Lampenfieber. Stefan Ilsanker, einer rund einem halben Dutzend Ex-Salzburgern im RB Leipzig-Kader, kann ein Lied davon singen: „Der Weg über die deutsche Bundesliga war sicher nicht der einfachere.“

Lassen nun die Paragrafenreiter den Traum platzen? Schwer vorstellbar! Die Sachsen haben sich seit geraumer Zeit auf den Tax X vorbereitet. Nicht umsonst war Rangnick bereits vor einem Jahr als Sportdirektor der österreichischen RB-Klubs zurückgetreten. Mit Trainer Ralph Hasenhüttl will er den Kader durch 5 bis 6 Neuzugänge auf Champions League-Niveau bringen.

Die Leipziger sind allerdings gut beraten, zunächst die Vertragsverlängerungen mit Leistungsträgern wie Timo Werner, der nach seinem 4. Doppelpack in Berlin bei 19 Saisontreffern steht, in den Vordergrund zu stellen. Die internationalen Top-Klubs, die einen Naby Keita noch nicht auf der Liste haben, erleben ihn schließlich in der Champions League bald hautnah.

Über Berlin nach Europa: Ralph Hasenhüttl (l.) und Ralf Rangnick wollen in der Champions League für Furore sorgen.
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