RB Leipzig: Das Märchen von der guten Transferpolitik

RB Leipzig: Das Märchen von der guten Transferpolitik

RB Leipzig spielte eine starke erste Bundesliga-Saison. Der Aufsteiger schaffte auf Anhieb den Sprung in die Champions League. In der Medienlandschaft wurde der Klub von allen Seiten mit Lob überschüttet. Kritik am System von RB? Fehlanzeige! Dabei gibt es auch bei den Sachsen viele Dinge, die verbessert werden müssen. Eine davon ist die Transferpolitik, obwohl die RB-Macher seltsamerweise gerade dafür von einem großen Teil (Unwissender) Zuspruch bekommen.

RB Leipzig spielt schönen Fußball mit jungen und talentierten Spielern, die für wenig Geld verpflichtet wurden. Leipzig kauft junge Akteure günstig ein und formt sie zu Stars. RB Leipzig gibt nicht so große Summen aus wie Bayern oder Dortmund und spielt trotzdem in der Champions League. Als Aufsteiger hat RB den Traditionsvereinen gezeigt, wie moderner Fußball aussieht.

Solche Sätze sind vielen Fans bekannt. Sie wurden einem in der jüngsten Vergangenheit überall immer häufiger um die Ohren gehauen. Dass der Wahrheitsgehalt dieser Aussagen nicht vollkommen korrekt ist – geschenkt! Aber: Man kann zu dem Konstrukt RB Leipzig stehen wie man will – die Transferpolitik allerdings ist eine einzige Farce, die leider zu viele Leute nicht erkennen (wollen).

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Oliver Burke ist der teuerste RBL-Einkauf aller Zeiten, kommt bislang allerdings erst auf 617 Bundesliga-Minuten.

Seit dem Aufstieg von RBL in die 2. Bundesliga im Jahr 2014 hat der Klub in den vergangenen 3 Jahren bis heute 36 Spieler für € 146,5 Mio. verpflichtet. Darunter waren eine Menge Akteure, die sich als Flops erwiesen: Omer Damari, Massimo Bruno, Terrence Boyd, Zsolt Kalmar, Ante Rebic, Rodnei, Stefan Hierländer, Atinc Nukan, Dmitri Skopintsev, Nils Quaschner oder auch Davie Selke. Dazu kommen Spieler wie Oliver Burke (€ 15 Mio.) und Dayout Upamecano (€ 10 Mio.), die sehr teuer waren, bislang aber nicht zu überzeugen wussten und keine Stammspieler sind. Zwar sind diese Spieler noch jung und entwicklungsfähig – während sie bei anderen Vereinen aber sofort funktionieren müssen, kann RBL es sich leisten, sie auf die Bank oder die Tribüne zu setzen.

Auch für die kommende Spielzeit hat RB bereits wieder kräftig auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Keiner der 6 Neuzugänge (Augustin, Bruma, Laimer, Mvogo, Köhn, Konaté) ist dabei älter als 23 Jahre. Ob jeder von ihnen einschlägt, ist allerdings fraglich, da sie entweder aus zweitklassigen Ligen kommen oder bei ihren vorherigen Klubs keine Stammspieler waren.

Klar ist: Jeder Verein hat Fehleinkäufe. Nicht immer liefert ein Spieler die Leistung ab, die man sich vorher von ihm versprach. Für die meisten Klubs sind solche Fehlgriffe allerdings sehr schmerzhaft – vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht. RBL dagegen sind sie fast egal. Funktioniert ein Spieler nicht, wird halt ein neuer verpflichtet, Geld ist ja genug da. Die breite Öffentlichkeit sieht nur Forsberg, Halstenberg und Werner, die bei den Roten Bullen super eingeschlagen sind. Aber wenn ein Klub in den vergangenen Jahren so viele Spieler verpflichtet hat, müssen davon auch welche einschlagen. Von einer guten Transferpolitik ist das allerdings weit entfernt. Das erinnert eher an ein Managerspiel auf dem PC.

Übrigens: Im gleichen Zeitraum stehen bei RBL 34 Abgänge gegenüber, die lediglich € 10 (!) Mio. in die Kasse spülten. Das macht in den vergangenen 3 Jahren ein Transferminus von 136,5 Mio. – kann man mal machen, wenn man Red Bull im Rücken hat …

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