Rapid Wien schlittert in historisches Albtraum-Szenario

Rapid Wien schlittert in historisches Albtraum-Szenario

Was verbindet Rapid Wien mit dem AS Saint-Etienne aus Frankreich, den Grashoppers Zürich oder dem nur noch zweitklassigen polnischen Klub Gornik Zabrze? Knifflig, aber nicht unlösbar: Zusammen holten die aufgezählten Vereine nicht weniger als 83 Meistertitel. Die Rekordmeister ihres jeweiligen Landes leben fast nur noch von den Erfolgen der Vergangenheit. Die Wiener kämpfen zum Saisonende sogar gegen ein Albtraum-Szenario an.

Das neue Stadion und der prall gefüllte Trophäenschrank sind das einzige, was beim SK Rapid Wien derzeit noch glänzt. 10 Jahre nach der 32. Meisterschaft der Vereinsgeschichte steckt der Traditionsklub auf einmal im Abstiegskampf. In unserer Infografik gehen wir dem steilen Absturz der Hütteldorfer auf den Grund.

9 Endspiele mit Interimstrainer Goran Djuricin

In der noch laufenden Saison hat die Rapid-Krise schon einige Opfer gefordert. Noch vor dem Jahreswechsel flogen Trainer Mike Büskens und Sportdirektor Andreas Müller im Doppelpack. Unter dem vom Ligakonkurrenten SCR Altach gekommenen Damir Canadi (nur 2 Siege in 14 Ligaspielen) ging der Sturzflug weiter. Negativ-Höhepunkt seiner nur 5-monatigen Amtszeit: Das 0:3 beim Schlusslicht SV Ried am letzten Samstag.

Einen derart blutleeren Auftritt hatten die Rapid-Fans schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen und verlangten ihr Geld für die Tickets zurück – unzumutbare Zustände beim Rekordmeister. Aus dem Scherbenhaufen der Saison soll nun Goran Djuricin als Interimstrainer retten, was noch zu retten ist. Seinen Einstand gibt der vorherige Co-Trainer am Samstag (ab 18:30 Uhr) gegen Altach. Unsere Buchmacher glauben, dass die Grün-Weißen (Sieg-Quote: 1.75) ihre Durststrecke von 9 Partien ohne Dreier nun beenden.

Krankl sorgt sich: Hat Rapid seine Seele verloren?

Nur 2 Mal in ihrer Historie (1987/88 und 2012/2013) wartete Rapid Wien so lange auf einen Sieg. „Wir müssen den bedauerlichen Tatsachen ins Auge schauen“, sagt Geschäftsführer Fredy Bickel und ruft den Endspiel-Modus aus. Das Pokal-Halbfinale gegen den LASK Linz am 26. April rückt erstmal in den Hintergrund. Zu Groß wirkt die Fallhöhe bei 5 Punkten Vorsprung auf den Abstiegsplatz. Wer trägt die Schuld an der Misere der Wiener?

Ex-Nationalspieler und Rapid-Legende Hans Krankl knöpft sich in einem TV-Interview die Vereinsführung vor:

„In der Führung ist kein Mann dabei, der sich im sportlichen Bereich auskennt. Man hat geglaubt, dass man das mit dem Stadion kaschieren kann. Rapid wird immer mehr ein Klub ohne Seele.“

Harte Worte, die auch mögliche Trainerkandidaten wie den langjährigen Bundesligastürmer Andreas Herzog (Werder Bremen und FC Bayern München) abschrecken könnten.

Auch andere Rekordmeister stiegen ab

Als Fehler lässt sich mittlerweile die Trennung von Coach Zoran Barisic auslegen. In seiner 2. Amtszeit hatte der gebürtige Wiener den Klub auf Rang 2 hinter Red Bull Salzburg geführt. 9 Punkte Rückstand auf den finanzstarken Meister waren den Bossen damals zu viel – sie setzten große Erwartungen in das Schalker-Eurofighterduo Büskens und Müller. Im Umfeld galt der Barisic-Rauswurf als überstürzt.

Verpasst Rapid Wien den Klassenerhalt, teilen die Österreicher das Schicksal mit anderen Rekordmeistern. Erst in der Saison 2015/16 erwischte es mit Gornik Zabrze den 14-maligen Titelträger aus Polen. Große Trauer war in der Fußballwelt nach dem Zwangsabstieg der verschuldeten Glasgow Rangers 2012 angesagt.

Der 1873 gegründete schottische Klub (54 Meisterschaften) kämpfte sich zwar von der 4. Liga wieder hoch. Doch der FC Celtic ist meilenweit enteilt und dominierte auf dem Weg zum Titel in dieser Saison die Old Firm-Derbys gegen den Erzrivalen. Die Rangers benötigen noch Zeit, um das Kräfteverhältnis wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

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