Rafinha wird Deutscher – wie so einige vor ihm!

Rafinha wird Deutscher – wie so einige vor ihm!

Bayern Münchens Außenverteidiger Rafinha hat die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt. Der Brasilianer, der in Deutschland bisher für Schalke 04 und den FC Bayern auflief, wäre damit für die deutsche Nationalmannschaft spielberechtigt. Er wäre nicht der erste Fußballer, der nach einer Einbürgerung für das DFB-Team spielen würde.

Rafinha spielt und lebt – mit einer kleinen Unterbrechung von einem Jahr – seit 2005 in Deutschland. Einzig in der Spielzeit 2010/11 lief er für eine Saison in der Serie A für CFC Genua auf. Die Voraussetzungen für den deutschen Pass erfüllt der 29-Jährige damit. Die vom Staat erforderliche Wohndauer beträgt acht Jahre. Zudem verfügt er über ausreichende Deutschkenntnisse, kann als Fußball-Profi ohne Probleme selbst für seinen Unterhalt sorgen und ist nicht vorbestraft. Nun muss er nur noch den Einbürgerungstest bestehen.

Dem Münchner Merkur bestätigte Rafinha sein Vorhaben: „Ich habe einen deutschen Pass beantragt. Jetzt hoffe ich, dass ich bald Deutscher bin. Ich lebe ja schon eine Zeit lang hier, also spricht eigentlich nichts dagegen.“ Sobald der kleine Außenverteidiger im Besitz des Dokuments ist, wäre er sogar eine Alternative für Bundestrainer Joachim Löw. Zwar hat Rafinha zwei Länderspiele für die Seleção bestritten, allerdings kam er nur in Freundschaftsspielen zum Einsatz. In einem Pflichtspiel lief er bislang noch nicht für sein Heimatland auf. Der Spieler will zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts über die deutsche Nationalmannschaft wissen. „Das ist zu früh, jetzt lasst mich erst den Pass bekommen, dann sehen wir weiter“, sagte er.

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Rafinha hat bislang 139 Spiele für den FC Bayern und zuvor 198 Einsätze für Schalke absolviert.

Da auf den Außenverteidiger-Positionen, speziell nach dem Rücktritt von Philipp Lahm, Bedarf herrscht, wäre eine Nominierung sportlich sogar verständlich. Rafinha wäre nicht der erste Spieler, der nach seiner Einbürgerung für den DFB auflaufen würde. Bislang gab es drei Akteure, die mit einem fremden Pass aufgewachsen sind „eingedeutscht“ wurden und später für Deutschland spielten– mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Cacau: Claudemir Jerônimo Barreto wurde 1981 in Brasilien geboren. 1999 kam er als 17-Jähriger nach Deutschland. In der fünftklassigen Landesliga erhielt er seinen ersten Vertrag bei Türk Gücü München. Über die Amateure des 1.FC Nürnberg kämpfte er sich bis in die Bundesliga-Mannschaft der Clubberer. Von 2003 bis 2014 spielte er für den VfB Stuttgart und wurde in dieser Zeit Teil der Nationalmannschaft. Seit 2009 ist der Stürmer offiziell deutscher Staatsbürger. Die Einbürgerung geht auf die private Initiative Cacaus zurück und hat nichts mit seinem späteren Aufrücken ins DFB-Team zu tun. Sie entsprang einem persönlichen Bedürfnis Cacaus, der sich als Deutscher versteht. Für Deutschland spielte „Helmut“ 23 Mal und erzielte sechs Tore. Bei der WM 2010 in Südafrika holte er mit dem Team den dritten Platz.

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Konnte kein Tor im DFB-Dress erzielen: Paulo Rink.

Paulo Rink: Rink ist ebenfalls gebürtiger Brasilianer. Von 1997 bis 2003 spielte er in Deutschland für Bayer Leverkusen, den 1. FC Nürnberg und Energie Cottbus. Da sein Urgroßvater Deutscher war und 1904 aus Heidelberg nach Brasilien übersiedelte, konnte Rink die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen. Dies Geschah nur, damit Rink für die Nationalmannschaft auflaufen konnte. Insgesamt absolvierte der Stürmer zwischen 1998 bis 2000 13 Länderspiele für den DFB. Ein Tor gelang ihm dabei nicht. Unter Erich Ribbeck nahm er an der Europameisterschaft 2000 teil. Er war der einzige Angreifer, der bei dem Turnier in jedem Spiel zum Einsatz kam. Wirklich durchsetzen konnte er sich in der Nationalmannschaft aber nicht. In nur zwei Spielen stand er über die vollen 90 Minuten auf dem Platz. Heute lebt Rink wieder in Brasilien und arbeitet als Kommunalpolitiker in seiner Geburtsstadt Curitiba.

Sean Dundee: Der Südafrikaner ist das Sinnbild für fehlende Talente im deutschen Fußball Mitte der 90er Jahre. 1992 kam Dundee nach Deutschland und spielte für die Stuttgarter Kickers. Über den TSF Ditzingen kam er zum Karlsruher SC. Nach zwei guten Jahren beim KSC (33 Bundesliga-Tore in zwei Jahren) wurde Dundee im Eilverfahren eingebürgert, um für die deutsche Nationalmannschaft spielen zu können. Mit Erhalt des deutschen Passes verlor Dundee allerdings seine Form. Er spielte nie für das A-Team des DFB, saß lediglich zweimal auf der Ersatzbank. Einzig für die A2-Nationalmannschaft lief er einmal auf und erzielte prompt ein Tor.

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