Qarabag Agdam: Serien-Meister ohne Heimat

Qarabag Agdam: Serien-Meister ohne Heimat

Mit dem FK Qarabag Agdam betritt am Dienstagabend (20.45 Uhr) erstmals ein Team aus Aserbaidschan die große Fußball-Bühne in der Champions League. Dem „historischen Moment“ mit der Qualifikation in Kopenhagen will das Team, das seit 1993 aufgrund kriegerischer Konflikte kein richtiges Heimspiel mehr hatte, nun weitere, unvergessliche Spiele folgen lassen. Der Serien-Meister aus Aserbaidschan gilt als krassester Außenseiter in dieser CL-Saison.

Den 23. August 2017 wird man in Baku wohl nie vergessen. Mit der möglicherweise schönsten Niederlage der Vereinsgeschichte qualifizierte sich die Mannschaft aus Aserbaidschan zum 1. Mal für die Champions League. Ein 1:2 beim FC Kopenhagen reichte nach dem 1:0 im Hinspiel in Baku aus, um in die „Königsklasse“ einzuziehen.

Stürmischer Empfang nach dem Triumph in Kopenhagen

Das Team von Trainer Guban Gurbanov (45) wurde bei der Rückkehr stürmisch gefeiert. Mehr als 1.000 Fans erwarteten Qarabag am Flughafen von Baku, während der Nacht feierten die Anhänger den historischen Sprung in die CL mit einem Autokorso. „Es ist toll, dass wir unser Land stolz gemacht haben“, freute sich Grubanov, „ein historischer Moment.“ Der bereits seit 2008 für Qarabag Agdam arbeitende Coach gestand unter Tränen zudem: „Es ist schwer, meine Gefühle in Worte zu fassen, nie habe ich mich so sehr über eine Niederlage gefreut.“

Die Blamage der Dänen machte den Einzug eines der größten Außenseiter in die Gruppenphase erst möglich. Der FK Qarabag Agdam, zuletzt 4-mal in Folge Meister in Aserbaidschan, kommt als 106. der UEFA-Rangliste auf einen Kaderwert von lediglich 17,28 Mio. €. Nur die Slowenen vom NK Maribor weisen in dieser Saison mit 13,95 Mio. € einen noch geringeren Mannschaftswert auf. Gerade mal 7 Einsätze in der Champions League kann der 29 Spieler umfassende Kader auf sich vereinen. Wertvollste Spieler ist der im Februar 2017 eingebürgerte Brasilianer Richard. Dazu kommen die Leih-Stürmer Pedro Henrique von PAOK Saloniki und der Ex-Hoffenheimer Tarik Elyounoussi mit 3 bzw. 1,5 Mio. € Marktwert.

Seit fast 25 Jahren nicht mehr zu Hause gespielt

Mehr noch als ein Team der Namenlosen ist Qarabag Agdam ein Team der Heimatlosen. Der politische Konflikt in Bergkarabach führte seit den 1990er-Jahren zu einer Odyssee des Klubs. Agdam ist längst eine Geisterstadt. Seit 1993 hat man kein richtiges Heimspiel mehr austragen können. In Aserbaidschans Hauptstadt verfolgen im Nationalstadion Tofik Bachramov im Schnitt nur 4.500 Zuschauer die Spiele.

Der Sprung in die Champions League hat für enormes Selbstbewusstsein beim „Flüchtlingsklub“ gesorgt. „Wir haben harte Zeiten hinter uns“, sagt Kapitän Rashad Sadiow (36), „aber wir haben vor niemandem Angst.“

Dass selbst die Gruppen-Schwergewichte FC Chelsea, am Dienstag an der Stamford Bridge erster CL-Gastgeber von Qarabag Agdam, Atlético Madrid und der AS Rom, solche Kampfansagen nicht unterschätzen sollten, hat sich in den Playoffs gezeigt. Frag nach in Kopenhagen…

Trainer Guban Gurbanov wurde mit Qarabag Agdam seit 2008 4-mal Meister und 4-mal Pokalsieger.
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