Pep Guardiola: Kein Aufhol-Spezialist!

Pep Guardiola: Kein Aufhol-Spezialist!

0:1 zum Jahreswechsel beim FC Liverpool, 7 Punkte Rückstand auf den FC Chelsea in der Premier League – Pep Guardiola ist bei Manchester City unversehens in eine Situation geraten, die er eigentlich nicht kennt. Er muss mit seinem Team eine Aufholjagd starten und steht auch im FA Cup vor dem Gastspiel bei West Ham United mächtig unter Druck.

Fast schmollend saß Pep Guardiola nach dem knappen 2:1-Erfolg gegen den FC Burnley in der Pressekonferenz. Mit gleichmütigem Gesichtsausdruck und einsilbigen Antworten („Fragen Sie den Schiedsrichter nach der roten Karte, nicht mich“) brachte der Coach von Manchester City seine ganze Frustration zum Ausdruck.

Gut, die Medien und Guardiola – das war schon beim FC Bayern München nicht unbedingt die reine Freundschaft. Aber mal abgesehen von der zur Schau getragenen Ratlosigkeit: Pep Guardiola wollte im Sommer nach 3 Jahren beim FC Bayern unbedingt auf die Insel und ist in England spätestens seit dem 0:1 beim FC Liverpool (Silvester) erst mal raus aus dem Titelrennen.

7 Punkte Rückstand gilt es für seine mit € 213 Mio. aufgerüsteten Citizens gegenüber dem FC Chelsea aufzuholen, um doch noch den 3. Premier-League-Titel der Klubgeschichte zu gewinnen. Und das wird schwierig. Denn Guardiola kennt den Modus „Aufholjagd“ eigentlich nicht.

Unangefochten beim FC Bayern: Guardiola in der Komfortzone

Beispiel FC Bayern: In der Bundesliga grüßten die Münchner unter der Regie des Spaniers in allen 3 Spielzeiten mit riesigem Vorsprung als Meister. Mal waren es 19 Punkte Vorsprung auf den BVB (2013/2014), mal 10 Zähler auf den VfL Wolfsburg (2014/2015). In der vergangenen Saison schnupperten die Dortmunder etwas Morgenluft, doch am Ende betrug der Bayern-Vorsprung 10 Punkte.

In der Champions League gelang es Guardiola mit den Bayern nur einmal, beim legendären Viertelfinale gegen den FC Porto 2015 (6:1 / Hinspiel: 1:3), ein Ergebnis noch umzubiegen. In allen 3 Halbfinals mit Guardiola war für die Bayern 3 Mal in Folge nach einer Niederlage im Hinspiel Schluss – obwohl man immer im Rückspiel Heimrecht hatte.

Souverän sind Guardiolas Teams nur in der Führungsposition

Erfolgreiche Aufholjageden und Guardiola – das wollte auch bei seiner ersten Trainerstation beim FC Barcelona nicht wirklich passen. Die Meistersaison mit Barca in seinem Premierenjahr 2008/2009 als Coach der Katalanen: Beinahe ein Start-Ziel-Sieg. Am 10. Spieltag übernahm die Blaugrana die Tabellenspitze der Primera Division und gab sie nicht mehr ab. Das „Guardiola-Triple 2011“ mit der 3. Meisterschaft in Folge war ebenfalls eine einseitige Angelegenheit: Ab dem 13. Spieltag blieb Barca Tabellenführer. In Guardiolas letzter Saison in Barcelona verlor man am 35. Spieltag mit 1:2 gegen den späteren Meister – und verpasste eine mögliche Wende. Auch im Halbfinale der „Königsklasse“ konnte Barcelona 2012 das 0:1 aus London gegen den FC Chelsea im Rückspiel nicht mehr umbiegen.

Nur 2010 fing Guardiola Real noch ab

Dass er ein Team dennoch aus der Verfolgerposition zum Meistertitel führen kann, bewies das Barca-Eigengewächs 2010: Mit einem 2:0-Erfolg beim Titel-Rivalen Real Madrid schoss sich der FC Barcelona am 10. April 2010 nach 6 Spieltagen auf Rang 2 an die Spitze von „La Liga“ zurück – und wurde Meister. Einen solchen Lauf braucht der Pep nun auch bei Manchester City.

Mit dem FC Bayern, hier gegen Atlético Madrid, gelang es Guardiola in 3 Halbfinals nie, nach Hinspielniederlage noch weiterzukommen.
Mit dem FC Bayern, hier gegen Atlético Madrid, gelang es Guardiola in 3 Halbfinals nie, nach Hinspielniederlage noch weiterzukommen.
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