Nelson Valdez und seine Seattle Sounders: Könige des Soccer

Nelson Valdez und seine Seattle Sounders: Könige des Soccer

Am Ende einer schwierigen Saison feierten die Seattle Sounders mit den Ex-Bundesligaprofis Nelson Valdez und Andreas Ivanschitz sensationell die Meisterschaft in der Major League Soccer (MLS). Das Team von der Pazifikküste ist der 11. Meister in der nordamerikanischen Eliteliga und erinnert bei seinem Coup an Leicester City.

Schon 2 Mal durfte Nelson Valdez in seiner bewegten Profikarriere mit Werder Bremen und Olympiakos Piräus eine Meisterschaft feiern. Aber nie zuvor wurden dabei Weihnachtslieder geträllert. Nachdem sich der Stürmer aus Paraguay und sein Klub Seattle Sounders in einem dramatischen Elfmeterschießen (5:4 / 0:0 n. V.) beim FC Toronto den Meistertitel in der MLS gesichert hatten, stimmten die überglücklichen Spieler in der Kabine des Stadions BMO Field das Lied Jingle Bells an.

In den Playoffs drehte Valdez noch einmal auf

Der Schlusspunkt einer turbulenten Saison – inklusive Trainerwechsel. Brian Schmetzer ersetzte Sigi Schmid, der den früheren Bundesligaprofi Valdez (Bremen, BVB, Frankfurt) 2015 in die USA gelockt hatte. Für Valdez kein Nachteil. „In den Playoffs habe ich das volle Vertrauen des neuen Trainers gespürt und meine Qualität gezeigt“, sagte Valdez nach dem Gewinn der Meisterschaft in einem Kicker-Interview. 2 Tore und 1 Assist steuerte Valdez in den Playoffs zu einem Titelgewinn bei, der nicht wirklich zu erwarten war.

Nur Platz 6 in der regulären Saison, 14 Niederlagen, 43 Gegentore, 48 Punkte mit 44 eigenen Treffern, die Sounders stehen für puren Minimalismus und für einen Hauch von Leicester City an der Pazifikküste. Das Finale in Toronto war ein Spiegelbild. In 120 Minuten schossen die Sounders nicht 1 Mal auf das gegnerische Tor. Gleichzeitig ließ der in der Schweiz geborene Sounder-Keeper Stefan Frei Torontos Stürmerstar Jozy Altidore mit seinen Paraden verzweifeln. „Die Saison hat für uns sehr schlecht angefangen, es gab viele Verletzte, darunter auch mich, aber mit der Zeit haben wir uns gefunden, das hat uns den Erfolg gebracht“, bilanziert Valdez.

Das Herz! Rückkehr von US-Legende Dempsey ist ungewiss

Erfolgsgarant war auch Valdez‘ nicht minder prominenter Stürmerkollege: US-Fußballlegende Clint Dempsey (fehlt seit August nach Herzproblemen). Der Kapitän der US-amerikanischen Nationalmannschaft steuerte bis zu seinem Saison-Aus in 17 Liga-Spielen 8 Treffer bei. US-Nationalspieler Jordan Morris netzte in 34 MLS-Spielen 12 Mal ein. Der für € 5,5 Mio. verpflichtete Uruguayer Nicolas Lodeiro wurde nach Dempsey teuerster Zugang der Klubgeschichte. Der offensive Mittelfeldspieler traf 4 Mal in 13 Einsätzen. Zweiter Ex-Bundesligalegionär neben Nelson Valdez ist der Österreicher Andreas Ivanschitz. Der frühere Mainzer legte 7 Tore auf, traf 3 Mal selbst und verwandelte auch im Elfer-Krimi in Toronto.

Spätes Glück im US-Soccer: Ex-Bundesligaprofi Andreas Ivanschitz.
Spätes Glück im US-Soccer: Ex-Bundesligaprofi Andreas Ivanschitz.

Riesenanteil am 1. Meistertitel der Klubgeschichte hatte auch Coach Brian Schmetzer. Der Trainer übernahm das Team erst am 2. November 2016, impfte ihm aber das notwendige Selbstvertrauen für den Schlussspurt ein. „Der Trainer sagte uns bei einer ersten Ansprache, dass er als Coach gar nichts tun kann, sondern dass wir als Spieler gefordert sind und alle wichtigen Entscheidungen treffen müssen“, verriet Innenverteidiger Zach Scott bei Eurosport.

Mehr Fans, höhere TV-Quoten: Die MLS ist attraktiver geworden

Ein simples Erfolgsrezept, das zu dieser denkwürdigen MLS-Saison passt. 21.692 Zuschauer kamen im Schnitt zu den Spielen der nordamerikanischen Eliteliga, das ist im 10-Jahres-Vergleich eine Steigerung von 40% gegenüber 2006. Die 3 ausführenden Fernsehsender konnten ihre Einschaltquoten für den Soccer gegenüber der letzten Spielzeit um 10% steigern. 2,81 Treffer pro Spiel stehen für den hohen Unterhaltungswert der einst als Operettenliga geschmähten MLS. Bester Torjäger wurde Bradley Wright-Phillipps von New York Red Bulls mit 24 Treffern vor Weltmeister David Villa (New York City FC) mit 23 Buden.

Über allem steht jedoch der Überraschungsmeister aus Seattle. „Ich denke, in 10 Jahren werde ich in der Lage sein, diesen Moment einzuordnen“, sagte Coach Schmetzer in der Pressekonferenz nach dem Finale. Mit einer leeren Flasche niederländischem Bier vor sich…

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