Daum: Die Kraft der Wut-Rede

Daum: Die Kraft der Wut-Rede

Rumäniens Nationaltrainer Christoph Daum platzte schon vor der Partie gegen Copa-America-Sieger Chile in Bukarest der Kragen. Der 63-Jährige legte dabei einen Verbal-Rundumschlag hin, der an vergangene Zeiten erinnerte. So lieben ihn seine Fans. Die Wut-Rede schien seine Spieler zu motivieren: Rumänien gewann mit 3:2. Es ist ein Achtungserfolg für Daum – nicht mehr, aber auch nicht weniger…

Ex-Bayern-Coach Giovanni Trapattoni und „Ich habe fertig“, Stefan Effenbergs „Freunde der Sonne“-Pressekonferenz in München, Thomas Doll und „Da lach ich mir doch den A… ab“ in Dortmund – seit Dienstag ist die Fußball-Welt um einen Verbal-Rundumschlag reicher. Protagonist ist der Trainer, der in den 1990er-Jahren quasi das Synonym für Klartext in der Fußball-Bundesliga war: Christoph Daum.

Wut-Rede im Geist von Trapattoni und Doll

In einem hellblau-weißen Trainings-Shirt stellte sich der 63-jährige Nationalcoach Rumäniens in Bukarest vor dem Länderspiel-Hit gegen Chile den Fragen der Journalisten – und bewies, dass er zumindest verbal immer noch das alte Feuer hat.

„It’s not on the table, I do not know, what you want to constuct“ (Dt.: ,,Das ist kein Thema, ich weiß nicht, was Sie konstruieren wollen“), lederte Daum in gebrochenem Englisch los, wie es selbst Lothar Matthäus nicht besser hinbekommen hätte… Der fragende Journalist hatte zuvor auf die Vertragsauflösung von Daums bis 2018 angespielt. Das Boulevardblatt Libertatea hatte die Partie gegen Chile gar zu Daums Abschiedsspiel ausgerufen….

Daum und die Lügner…

Richtig in Fahrt, nahm sich Daum die seit Monaten gegen ihn Front machende rumänische Sportpresse zur Brust. „Sie verdrehen das, was ich sage, ins Gegenteil und schaffen Lügen. Selbst wenn ich Ihnen die Fakten sage, sind Sie nicht interessiert“, brüllte er ins Mikro. „Sie fragen mich immer wieder nur nach meinem Rücktritt“, ließ Daum nicht locker, „dann kommt die Frage, ob ich in meinem Vertrag die Möglichkeit habe, mich im Voraus zu bezahlen, wenn ich gefeuert werde. Alles verrückte Lügen. (…) Manchmal sind Sie für mich kein Rumäne. Manchmal habe ich das Gefühl, ich bin rumänischer als Sie.“

Gerade das bezweifeln die Kritiker. „Die Spieler sind nicht schuld. Für Daum ist der rumänische Fußball etwas Unbekanntes und er ist für den Nationaltrainer-Posten ungeeignet“, giftete etwa Ex-Rumänen-Coach Victor Piturca. „Daum tritt nur wegen des Geldes nicht zurück“, glaubt die Gazeta Sporturilor.

Das Engagement für den im Juli 2016 angetretenen Trainerjob beim rumänischen Nationalverband kann man dem Meistermacher des VfB Stuttgart (1992) nicht absprechen. „Ich habe mir so viele Spiele wie möglich in Rumänien angeschaut, dazu reise ich kreuz und quer durch Europa, um Spieler zu beobachten, Bukarest ist jetzt mein Lebensmittelpunkt“, verriet Daum im August 2016 in einem Interview mit BILD am SONNTAG.

,,Der Name Daum wurde als Ventil benutzt“

Seine Spieler schienen von Daums Auftritt inspiriert. Geführt von Rumäniens wertvollstem Profi, Vlad Chiriches vom SSC Neapel, kamen die Karpaten-Kicker zum 3:2 gegen Chile, den sicherlich stärksten deutschen Gruppengegner beim Confederations-Cup. Nicht mehr und nicht weniger als ein Achtungserfolg für Daum.

Dass der neue Verbands-Präsident Razvan Burleanu (32) den Fußball in Rumänien nach Jahren voller Affären und Korrupution transparenter machen will und als Protegé von Daum gilt, nehmen konservative Kräfte dem Ex-Bundesliga-Coach übel. Daum ist sicher: „Mein Name wurde als Ventil benutzt, um weitere Angriffe auf den Vorstand des rumänischen Fußball-Verbandes zu starten.“

Wie lange hält sich Daum noch in Rumänien?

Blickt man rein auf Daums Zahlen als Nationalcoach, so bleiben dem Ende 2000 über eine Kokain-Affäre gestürzten, designierten Bundestrainer nur wenige Argumente. 6 Punkte holte Rumänien unter Daum in Gruppe E der WM-Quali aus 6 Spielen. Die Chance, 2018 bei der Endrunde in Russland dabei zu sein, sind minimal.

Ob der zuletzt 2011 bei Eintracht Frankfurt in der Bundesliga tätige Christoph Daum bei der angespannten Lage bis zum nächsten Quali-Spiel Rumäniens am 4. September gegen Armenien noch im Amt ist, ist nur eine von vielen offenen Fragen um das Missverständnis in den Karpaten…

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Jubelnd – so wie hier mit Alexandru Baluta beim 3:2 gegen Chile wollen Coach Daum und die Fans in Rumänien die Karpaten-Kicker sehen.
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