Nationalmannschaft: Wo die Premier League die Serie A ablöst

Nationalmannschaft: Wo die Premier League die Serie A ablöst

Mit so vielen Legionären wie nie zuvor geht eine deutsche Nationalmannschaft bei der EM in Frankreich an den Start. 10 Akteure aus 4 verschiedenen Ligen sind dabei. So eine Vielfalt gab es noch nie im DFB-Team. Wir haben uns mit Hilfe von weltfussball.de auf die Suche nach den Nationalspielern gemacht, die rund um die großen Turniere ihr Geld im Ausland verdienten.

Wer war der erste?

Der gebürtige Erkenschwicker Horst Szymaniak war schon der 5. deutsche Spieler, der als damaliger Berufsfußballer zu einem italienischen Klub ging. Dafür war er der erste Spieler in der Nationalmannschaft, der bei einem großen Turnier für einen ausländischen Verein spielte. Von 1961 bis 1963 stand er beim Erstligisten Catania Calcio unter Vertrag und spielte 1962 die Weltmeisterschaft in Chile.

Exodus nach Italien

In den Blütejahren des italienischen Fußballs kickten auch viele Nationalspieler in Bella Italia. Von 1986 bis 1992 hatte die DFB-Auswahl ausschließlich Legionäre – 18 an der Zahl – aus der damals besten Liga der Welt im Kader. 7 Spieler aus der Serie A führten die DFB-Elf 1990 zum WM-Titel.

Die Exoten

Bis dato kamen die Legionäre ausschließlich aus Spanien und Italien. Zwar wechselte Guido Buchwald im Zuge der Weltmeisterschaft 1994 vom VfB Stuttgart zu den Urawa Red Diamonds nach Japan und zählt daher laut weltfussball.de auch zu den Legionären, der erste waschechte Exot unter den Nationalkickern ist allerdings Stefan Kuntz. Der Stürmer bekam sein Gehalt, während der EM 1996, von Besiktas Istanbul in türkischer Lira ausgezahlt. Mit Lothar Matthäus (WM 1998, New York Metro Stars) und Jens Nowotny (wechselte im WM-Sommer 2006 zu Dinamo Zagreb nach Kroatien) gib es noch 2 weitere Exoten. Alle anderen kamen neben Deutschland aus den Top 4 Ligen in Europa (Spanien, Italien, Frankreich, England).

England löste Italien ab

Durch die Fülle an Nationalspielern, die hauptsächlich bis Mitte der 90er-Jahre in Italien aktiv waren, führt das Stiefelland mit deutlichem Abstand vor den übrigen Nationen. 37 von 83 nominierten Legionären spielten in der Serie A. Mit dem Boom der Premier League, ab Mitte der 90er-Jahre, hat England stark aufgeholt und die Rolle der Italiener übernommen. 23 DFB-Profis kamen seither von der Insel. Aktuell sind das Emre Can (FC Liverpool), Mesut Özil (FC Arsenal) und Bastian Schweinsteiger (Manchester United).

In der stärksten Ära der Nationalmannschaft wurde so gut wie gar nicht auf Leute aus ausländischen Ligen gesetzt. Während der Phase von 1970 bis 1978 spielten nur Karl-Heinz Schnellinger (1970, AC Mailand), Helmut Haller (1970, Juventus Turin), Paul Breitner und Günter Netzer (1974, beide Real Madrid) im Ausland. Der EM-Titel 1972 gelang gänzlich ohne „fremde Hilfe“.

Dass in diesem Jahr eine Rekordanzahl an Legionären dabei ist, ist ein gutes Zeichen. Die Mehrzahl hat eine gute Saison gespielt und steht bei absoluten Top-Klubs unter Vertrag. Mit der Klasse und der Erfahrung der übrigen Bundesliga-Stars mit Sicherheit eine interessante und am Ende auch erfolgreiche Mischung.

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6 Italien-Legionäre standen im der Startelf des WM Finales 1990 in Rom gegen Argentinien: Thomas Berthold, Rudi Völler (beide AS Rom), Andreas Brehme, Jürgen Klinsmann, Lothar Matthäus (alle Inter Mailand), Thomas Häßler (Juventus Turin).
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