MLS: Das kleine Dollar-Paradies

MLS: Das kleine Dollar-Paradies

Keine Frage: Stars wie David Beckham, Steven Gerrard oder Kaká haben die Major League Soccer weltweit in den Fokus gebracht. Dennoch wollen die 22 Klubs nicht die Fehler der Vorgängerliga machen – und halten die Spitzengehälter auf vergleichsweise niedrigem Niveau. Mit dem Dollar-Paradies China kann die US-Liga nicht mithalten. Dennoch ist sie ein Idyll.

Rodney Marsh kannte sie alle. Der heute 72-jährige Ex-Profi von Manchester City und den Queens Park Rangers spielte zwischen 1977 und 1979 bei den Tampa Bay Rowies in der US-amerikanischen Liga (NASL) gegen Weltstars wie George Best, Pelé und Carlos Alberto, erlebte das eigenartige Flair der oft als „Operettenliga“ geschmähten North American Soccer League hautnah mit und ist als TV-Experte bis heute nah dran am US-Fußball.

Geht es um die Nachfolgeliga Major League Soccer (MLS), so sieht Rodney Marsh durchaus Fortschritte – nicht nur im sportlichen Bereich. „Der wichtigste Unterschied”, erklärte Marsh 2015 dem Handelsblatt, ,,ist der Umgang der Liga mit den Gehältern. Diese werden von der MLS langsam entwickelt und daraus ergibt sich einen finanzielle Balance, die die NASL nie hatte.”

MLS: Wie angelt man sich einen Millionär?

Stimmt. Ließen sich ab Mitte der 1970er Jahre Stars wie Franz Beckenbauer, George Best, Johan Cruyff oder Gerd Müller mit fabulösen Gehältern in die USA locken, so steht die seit 1994 ausgespielte MLS vor allem für solides Wirtschaften. 8 der 22 Klubs leisten sich – so geht es aus einer Veröffentlichung der Spielervereinigung der US-amerikanischen Liga für die Saison 2017 hervor – keinen Profi mit Millionengehalt. Dagegen hat der FC Toronto mit US-Nationalspieler Jozy Altidore, Ex-Gladbach-Profi Michael Bradley und dem italienischen Stürmer Sebastian Giovinco gleich drei Spieler unter Vertrag, die € 1 Mio. oder mehr verdienen. Giovinco ist mit einem Marktwert von € 9,5 laut Transfermarkt.de wertvollster Spieler der MLS.

Weltmeister sind (auch) die Top-Verdiener

2 Spieler aus der Top 10 der Bestverdiener der MLS kommen auch vom New York City FC: Die Weltmeister Andrea Pirlo und David Villa, deren Jahressalär mit € 5,9 Mio. bzw. € 5,6 Mio. beziffert wird. Mit Bastian Schweinsteiger von Chicago Fire steht ein weiterer Weltmeister – mit einem Gehalt von € 5,4 Mio. unter den Top-Verdienern der Liga. Der Ex-Münchner steht im Gehaltsranking der MLS auf Platz 7. Absoluter Geld-Meister der MLS bleibt der Brasilianer Kaká von Orlando City. Der Weltmeister von 2002 kommt im fortgeschrittenen Fußballeralter von 35 auf € 7,2 Mio.

Von den goldenen Zeiten der NASL, als sich vor allem Cosmos New York-Macher und Warner Communications-Manager Steve Ross († 1992) als großzügiger Mäzen gab und den Fußball in den USA salonfähig machte, ist die MLS heute meilenweit entfernt.

Chinas Liga ist das neue Dollar-Paradies

Schon heute stehen 3 Stars aus der erst 2004 gegründeten Chinese Super League unter den 20 Großverdienern im Weltfußball. Hinter dem in Spanien tätigen Trio Lionel Messi (Barca) und Cristiano Ronaldo (Real, beide je € 22 Mio. pro Jahr) und Ronaldos Teamkollegen aus Madrid, Gareth Bale (€ 21 Mio.) steht der für Shanghai IPG stürmende Brasilianer Hulk mit € 19,3 Mio. schon auf Platz 4 der Geld-Rangliste, der Italiener Graziano Pelle scheffelt bei Shandong Luneng jährlich € 16,5 Mio., der früher für Napoli und Paris aktive Argentinier Ezequiel Lavezzi kommt bei Hebei China Fortune auf satte € 15,7 Mio.

Rodney Marsh (l.), hier mit der 2005 verstorbenen Fußballlegende George Best, erlebte die goldenen Zeiten im US-Fußball mit.
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