Marco Reus: Warum trifft es immer wieder ihn?

Marco Reus: Warum trifft es immer wieder ihn?

Es hat ihn schon wieder erwischt: Marco Reus fehlt dem BVB erneut in der Saisonvorbereitung. Wieder eine Verletzung, wieder Reus. Eigentlich sah alles nach einem perfekten Saisonabschluss für den 28-Jährigen aus, aber seine Krankengeschichte aus den letzten Jahr setzt sich weiter fort.

Im DFB-Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt blieb der Offensivakteur von Borussia Dortmund nach der Halbzeitpause in der Kabine. Nach dem Pokaltriumph der Schwarzgelben – für ihn das Ende seines Titelfluchs – sprach Reus von einem Stechen im Knie und mutmaßte „vielleicht habe ich ein bisschen Kreuzband“.

Diese schlimme Vorahnung sollte sich bestätigten. Wie der Verein am Montag mitteilte, hat der gebürtige Dortmunder einen Teilriss im hinteren Kreuzband des rechten Knies erlitten. Wie lange die Borussen auf den Unglücksraben verzichten müssen, ist noch unklar. Dass Reus wie bereits in den letzten Jahren die Saisonvorbereitung verpassen wird, ist jedoch sicher.

Aber wieso trifft es immer wieder Reus? Ein Blick auf seine Krankenakte lässt die Vermutung zu, dass sein Körper nicht dauerhaft für den harten Profisport gemacht zu sein scheint. Das Bemerkenswerte: Erst seitdem er das Trikot des BVB trägt, plagt sich der Nationalspieler in regelmäßigen Abständen mit Verletzungen herum.

Die Krankenakte des Marco Reus

Saison 2012/13:
• Mittelfußprellung (3 Tage Ausfallzeit)
• Bauchmuskelzerrung (4)
• muskuläre Probleme (7)

Saison 2013/14:
• Innenbandanriss Sprunggelenk (7 Tage Ausfallzeit)
• Bluterguss im Sprunggelenk (3)
• Muskelfaserriss (7)
• muskuläre Probleme (10)
• Syndesmosesbandanriss (66)

Saison 2014/15:
• Außenbandanriss Sprunggelenk (28 Tage Ausfallzeit)
• Knochenödem (7)
• Außenbandanriss Sprunggelenk (45)
• Adduktorenbeschwerden (16)
• muskuläre Probleme (14)

Saison 2015/16
• Zehenverletzung (18 Tage Ausfallzeit)
• muskuläre Probleme (3)
• Muskelfaserriss Adduktorenbereich (10)
• Adduktorenbeschwerden (3)
• Adduktorenbeschwerden (7)
• Infekt (7)
• Schambeinentzündung (175)

Saison 2016/17
• Fersenverletzung (4 Tage Ausfallzeit)
• muskuläre Probleme (7)
• Oberschenkelprobleme (3)
• Muskelfaserriss (38)
• Kreuzbandanriss (Genesung offen)

In seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach (2009 bis 2012) verpasste er nur 3 Pflichtspiele verletzungsbedingt. In Dortmund plagte sich Reus zunächst mit diversen Sprunggelenksproblemen herum, später traten etliche Muskelverletzungen und eine Schambeinentzündung auf, nun ist das Knie lädiert. Nahezu jede Problemstelle der sensiblen Fußballer-Beine war bereits betroffen.

Reus ist Opfer seines Körpers

Natürlich ist Reus aufgrund seiner Spielweise und seines Körperbaus verletzungsanfälliger als beinharte Verteidiger, aber die Häufigkeit der Probleme in den letzten Jahren ist definitiv besorgniserregend. Immer wieder fällt er mit Verletzungen aus, verpasste dadurch sogar die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien inklusive Titel. Auch die Europameisterschaft in Frankreich 2 Jahre später konnte er verletzungsbedingt nur im Fernsehen verfolgen. Der Pokalsieg des BVB dürfte für Reus zumindest ein Trostpflaster für die schwere Verletzung sein. Für den 28-Jährigen war es der erste große Titel seiner Karriere.

Seine Verletzungsanfälligkeit soll auch ein Grund gewesen sein, warum sich der FC Bayern vor einigen Jahren gegen eine Verpflichtung des Feinfußes entschieden haben soll. Uli Hoeneß forderte einst „Artenschutz“ für die Edeltechniker gegen notorische Treterei. Das Problem bei Reus: Einzig seine Sprunggelenks-Verletzungen entstanden nach groben Fouls. In diesen Fällen war er nicht Opfer seines eigenen Körpers, sondern der Gegenspieler. In den vergangenen Jahren gehörte der Rechtsfuß nie zu den Top-5 der meistgefoulten Spieler der Bundesliga. Sein Teamkollege Ousmane Demebélé bekommt deutlich öfter auf die Socken, hatte in der vergangenen Spielzeit aber nur mit 2 leichten Blessuren zu kämpfen.

Der Nummer 11 des BVB bleibt auch in Zukunft nichts anderes übrig, als noch besser auf seinen Körper zu achten. Seine Stärken (schnelle Dribblings, offensive Eins-gegen-Eins-Duelle, hohe Geschwindigkeit) sind auf Dauer nur mit einem gesunden Körper abzurufen. Ist dieser dazu dauerhaft nicht mehr im Stande, verliert Reus ganz schnell das Attribut eines Top-Spielers.

Der Pokalsieg ist der erste große Titel in seiner Karriere
Die Pokal-Feierlichkeiten ließ sich Reus trotz Verletzung nicht nehmen.
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