Leverkusen kann nur Achtelfinale!

Leverkusen kann nur Achtelfinale!

2:4 am Dienstag gegen Atlético Madrid – Bayer 04 Leverkusen droht das 4. Achtelfinal-Aus in der „Königsklasse“ seit 2012. Als Aufholspezialisten gelten die Rheinländer allenfalls bedingt…

Rudi Völler machte in Zweckoptimismus. „Im Fußball sind schon die tollsten Dinge passiert“, erklärte Bayer Leverkusens Sportdirektor nach dem 2:4 im CL-Achtelfinal-Hinspiel gegen Atlético Madrid am Dienstagabend bei Sky, „wir fahren nicht dorthin, um uns willenlos zu ergeben.“

Achtelfinal-Aus: Und jährlich grüßt bei Bayer das Murmeltier…

Klingt irgendwie nach Durchhalteparole – und nach Endlosschleife. Denn die Leverkusener Statements hören sich seit dem legendären Durchmarsch ins Champions-League-Finale von 2002 beinahe in jedem Frühjahr so an. Allein in den letzten 5 Jahren scheiterte der Werksklub bis dato 3 Mal im Achtelfinale der „Königsklasse“ – und war dabei meist schon nach dem Hinspiel aus dem Rennen.

Die Horror-Bilanz: 2:10 in der Addition gegen den FC Barcelona (2012, 1:7 in Camp Nou). 1:6 nach Hin- und Rückspiel 2014 im Achtelfinale gegen Paris St. Germain, 2015 „Aus“ im Elfmeterkrimi gegen Atlético, nachdem man immerhin das Hinspiel (1:0) gewonnen hatte. 2005 verlor Bayer 04 beide Spiele gegen den späteren Sieger FC Liverpool (1:3/1:3).

Abwehr-Chaos – was spricht jetzt noch für Bayer 04?

Gegen den Finalisten von 2014 und 2016 aus Madrid leistete sich Bayer dieses Mal zu viele individuelle Fehler, um den Achtelfinal-Fluch zu bannen, insbesondere in der Defensivreihe. Es entbehrte nicht einer gewissen Tragik, dass der mit 72 Europacupeinsätzen erfahrenste Leverkusener Aleksandar Dragovic zum Pechvogel wurde. Der Österreicher (Fußball BILD-Note: 6) war an 3 Gegentreffern nicht eben schuldlos. „Wir haben Atlético nahezu eingeladen“, befand der ebenfalls enttäuschende Ömer Toprak, „das ist leider überhaupt kein gutes Ergebnis.“

Nein, leider. Es ist eher fast gleichbedeutend mit dem 4. Achtelfinal-Aus in 5 Jahren. Es gibt nicht viel, was nach dem 2:4 noch für Bayer spricht. Die „Werkself“ ist in ihrer gesamten Europapokal-Historie nach einer Heimniederlage im Hinspiel noch nie weitergekommen. Atlético Madrid hingegen kassierte in einem K.O.-Spiel im Europacup zuletzt vor 20 Jahren (gegen Ajax Amsterdam) eine Heimniederlage.

Bayers Aufholjagden sind selten, dafür legendär

Wenig Mut macht auch der Blick auf Bayers Aufhol-Qualitäten im Europapokal. In der Champions-League-Quali drehte man 2015 ein 0:1 gegen Lazio Rom (Rückspiel: 3:0). Im europäischen „Unterhaus“ UEFA-Pokal erreichte man 2007 gegen den RC Lens nach Hinspiel-Niederlage noch in die nächste Runde, war dann aber im Viertelfinale gegen CA Osasuna (0:3) ähnlich klar unterlegen wie in den letzten Vergleichen gegen spanische Klubs.

Nur ein Mal gelang es den Rheinländern in der K.O.-Phase der Champions League, nach Hinspielpleite noch weiterzukommen. Im Viertelfinale 2002 – auf dem Weg ins Finale von Glasgow – schaltete Bayer den FC Liverpool nach 0:1 in Anfield noch aus: 4:2 in der BayArena. Für Bayer-Marketingdirektor Meinolf Sprink war diese Partie am 9. April 2002 ,,das beste Spiel, das je in Leverkusen stattgefunden hat.“

Getoppt wird der Jubelrausch gegen die Reds wohl nur durch die sensationelle Aufholjagd im UEFA-Cup-Finale 1988. 0:3 bei Espanyol Barcelona im Hinspiel, 3:0 nach Verlängerung im Rückspiel – und 3:2-Sieger im Elfmeterdrama. Es war bis heute Bayers einziger internationaler Titel.

„Null zu Vier, Ofen aus“ – so kommentierte Bayer-Legende Erik Meijer das Achtelfinal-Hinspiel der Leverkusener 2014 gegen PSG.
„Null zu Vier, Ofen aus“ – so kommentierte Bayer-Legende Erik Meijer das Achtelfinal-Hinspiel der Leverkusener 2014 gegen PSG.

 

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