Leicester City: Das Ende einer Party

Leicester City: Das Ende einer Party

In der Champions League noch im Rennen, in der Premier League vor dem Absturz. Bei Leicester City ist nach der Entlassung von Meistertrainer Claudio Ranieri nichts mehr, wie es war. Im Gegenteil: Leicesters Zahlen sind alarmierend.

Vermutlich wusste Claudio Ranieri bei der Verabschiedung der mitgereisten Fans von Leicester City im Estadio Ramon Sanchez Pizjuan in Sevilla am späten Mittwochabend schon mehr. Traurig winkte der wie entzaubert wirkende Meistertrainer der Foxes in das weite Rund. Fast schien es, als wollte er auf dem Weg in die Katakomben eine Träne verdrücken. Das eigentlich aussichtsreiche 1:2 im Achtelfinale der Champions League beim FC Sevilla war für sein Team nicht der erhoffte Befreiungsschlag – und für ihn selbst auch nicht.

Am Donnerstag gaben Leicester City und sein thailändischer Eigentümer Vichai Srivaddhanaprabha die Trennung von Ranieri bekannt – und verschärften damit die Situation beim abgestürzten englischen Fußballmeister.

32 Zähler weniger als im Meisterjahr

Leicester City präsentiert im Frühjahr 2017 eine alarmierende Bilanz. Nach 26 Spielen in der englischen Premier League ist der Meister auf Rang 17 mit 21 Punkten nur 1 Zähler von den Abstiegsrängen entfernt. Dazu kommen 5 Niederlagen in der Liga in Folge ohne eigenes Tor. Mehr noch: Leicester flog gegen den 3-klassigen FC Millwall (0:1) aus dem FA Cup, ist als einziges Team in einer europäischen Top-Liga in 2017 noch ohne eigenen Treffer. Nur zum Vergleich: Zum gleichen Zeitpunkt der vergangenen Saison thronte Leicester mit 53 Zählern an der Tabellenspitze der englischen Eliteliga.

Kanté-Transfer ist ein Grund für den Absturz

Auffällig ist, dass das Offensiv-Duo Jamie Vardy (in der Premier League seit 10. Dezember 2016 und dem 4:2 über Manchester City ohne Torerfolg) und Riyad Mahrez mit nur 8 gemeinsamen Treffern meilenweit von der Form der Meistersaison entfernt ist. 2015/2016 steuerten Vardy und Mahrez 41 Tore zum sensationellen Meisterstück bei. Dazu scheint der Schlüssel zu Leicesters Absturz der Verlust von Leistungsträger und Defensiv-Allrounder N‘ Golo Kanté zu sein. Der für € 35,8 Mio. zum FC Chelsea gewechselte Franzose organisierte die Abwehr mit dem deutschen Ex-Nationalspieler Robert Huth glänzend, fehlt dem Team mehr als die Treffer von Vardy.

Zu viele Systemwechsel, kein Krisenmanagement

Dass Ranieri diese Dauer-Misere – Leicester landete nur 5 Liga-Siege – am Ende nur noch mit Galgenhumor („Wir haben zwei Probleme: Wir schießen keine Tore und kassieren zu viele“) kommentierte, stieß vielen Experten sauer auf. Ebenso wie der von ihm ständig praktizierte, erfolglose Systemwechsel, weg vom bewährten 4-4-2-System aus dem Meisterjahr. „Bei der Spielweise bin ich eingeschlafen und beinahe vom Stuhl gefallen“, lästerte Englands Fußballidol und BBC-Moderator Gary Lineker nach dem Pokal-Erfolg gegen Derby County (3:1 nach Verlängerung).

Abstieg als Meister? Leicester wäre in prominenter Gesellschaft!

Ein sportlicher Abstieg von Leicester als Meister wäre beileibe kein Einzelfall. In der Bundesliga erwischte es den 1. FC Nürnberg (1969), in Dänemark war es 2001 der No-Name-Klub Herfolge BK. In England liegt der einzige Abstieg eines Meisters lange zurück: Manchester City ging 1938 in die 2. Liga.

Diese Schmach will man in Leicester unbedingt abwenden, am besten am Montag mit einem Heimsieg über den Klub, mit dem am 1. Februar 2016 beim 2:0 durch ein Zaubertor von Jamie Vardy das Fußballmärchen begann: Gegen den FC Liverpool…

Nicht mehr zum Anschauen: Ein frustrierter Leicester-Fan in Sevilla.
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