Königliche Tor-Krise - Wer hat wirklich Schuld in Madrid?

Königliche Tor-Krise – Wer hat wirklich Schuld in Madrid?

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Eine überdimensionale Stoppuhr prangt auf der Titelseite der Marca. 6 Stunden und 49 Minuten – es steht für die torlose Zeit von Real Madrid! Wir erklären, warum Coach Julen Lopetegui im Falle einer Entlassung eher als Bauernopfer anzusehen ist.

95 Minuten rannten Benzema und Co. in Alaves gegen ein baskisches Bollwerk an. Erstmals seit 33 Jahren sollte in 4 aufeinanderfolgenden Pflichtspielen der Madrilenen vorne die Null stehen. Es passt ins Bild eines strauchelnden Champions League-Siegers, dass dann auch noch der eigene Torhüter patzt. Thibaut Courtois unterläuft einen Eckball, Alaves-Kapitän Manu Garcia nickt zum Last-Minute-Sieg ein, Trainer-Diskussion eröffnet?

4 Spiele ohne Treffer: 2 Mal flog der Trainer

Das wäre gemäß dem kritischen wie erfolgsverwöhnten Real-Umfeld die logische Konsequenz. 2 Trainer hatten in der bewegten Real-Historie eine ähnliche Torlos-Serie zu verantworten: Amancio Amaro (1985) sowie 3 Jahre zuvor der Jugoslawe Vujadin Boskov konnten umgehend ihre Koffer packen. Die Angriffsfläche, die Zinedine Zidanes Nachfolger (Keine Titel auf Vereinsebene, Umgang mit Top-Talenten wie Vinicius Junior) bietet, spielt in den spanischen Gazetten eine eher untergeordnete Rolle.

„Ein Trainerwechsel wäre wahnsinnig“, spricht Sergio Ramos, meinungsstarker Wortführer in der Real-Kabine, Klartext. „Aber es gibt andere Leute, die diese Entscheidungen treffen.“ Wen er damit meint, ist klar: Florentino Perez! Der „Godfather of Real Madrid“ gerät höchst selbst in die Schusslinie, nachdem er Cristiano Ronaldo zu Juventus Turin ziehen gelassen und dem Real-Publikum einen neuen Superstar verweigert hatte.

Wie eine Marca-Umfrage ergab, halten 87 Prozent den aktuellen Real-Kader im Vergleich zur Saison Saison 2017/18 für deutlich schwächer. Ebenso werden die Rufe nach einem CR7-Nachfolger wie Chelseas Eden Hazard lauter. Julen Lopetegui stellte sich der (fußballerischen) Quadratur des Kreises, eine Mannschaft nach 3 Champions League-Titeln in Folge ohne den besten Fußballer der Welt neu zu erfinden.

Perez’ heikle Sparpolitik

Aus der gefürchteten ABC-Sturmreihe (Asensio, Benzema, Cristiano Ronaldo) wurde – auf dem Papier – durch den wiedererstarkten Gareth Bale (3 Tore in den ersten 3 Spielen) zunächst BBA. Oder ist dieses Trio nur in Verbunding mit Isco in der Lage, die offensive Last zu schultern? Die Ladehemmungen fingen just zu den Zeitpunkt an, als sich 34-malige Nationalspieler einer Blinddarm-Operation unterziehen musste.

0:3 in Sevilla, Nullnummer im Stadtderby gegen Atletico sowie ein 0:1 in Moskau (Champions League) und das jüngste 0:1 in Deportivo Alaves: In der nun fast 7 Stunden andauernden Durststrecke der Königlichen könnte man per Zug aus der Hauptstadt nach Barcelona und wieder zurück reisen. Bis zum Clasico in Barcelona (alle La Liga-Wetten) sind noch 3 Wochen Zeit. Opfert Florentino Perez den Trainer schon vorher, wäre das indirekt als Schuldeingeständnis für die verhältnismäßige Sparpolitik zu werten.

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