Kühne: Volle Breitseite gegen den HSV!

Kühne: Volle Breitseite gegen den HSV!

Der Stachel der 1:3-Pokalniederlage beim Drittligisten VfL Osnabrück sitzt beim Hamburger SV tief. Die Spötter haben wahrscheinlich darauf gewartet. Jetzt löste der mächtige HSV-Investor Klaus-Michael Kühne (80) in einem seiner berühmt-berüchtigten Sommer-Interviews mit Kritik an Coach Markus Gisdol die alljährlich einsetzende Panikmache in der Hansestadt aus. Eine unrühmliche und wenig zielführende Tradition.

Ob HSV-Trainer Markus Gisdol am Donnerstag seinen 48. Geburtstag genießen konnte, ist nicht bekannt. Ein kontroverses Interview von HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne könnte dem Hamburger Trainer mächtig auf den Magen geschlagen haben. Kühne zählte Gisdol in einem längeren Gespräch mit dem TV-Sender SKY Sport News HD öffentlich an.

„Der Trainer muss sehr viel mehr an der Mannschaft arbeiten“, kritisierte der Logistik-Milliardär, „er muss sie fordern und zu einem Team formen, damit das Ganze Stabilität erhält und eine Zukunftsperspektive hat.“

HSV: Wehe, wenn sich der Investor meldet…

Autsch! Man kann Markus Gisdol sicherlich einiges vorwerfen. Doch die Reduzierung der Personalkosten von 55 auf 48 Mio. € in diesem Sommer geschah auf Anweisung von Kühne. Der HSV bekam von seinem Edel-Fan und Teilhaber – Kühne hält 17% der Anteile am Bundesliga-Urgestein – nur 20 Mio. € für Transfers zur Verfügung gestellt. Zu wenig, um die zahlreichen Baustellen im Team zu schließen und vor allem das spielerische Niveau zu heben. Dennoch: Gisdol hat aus der HSV-Mannschaft eine verschworene Gemeinschaft gemacht, die in der Saison-Schlussphase Nervenstärke zeigte. Diese Wagenburg-Mentalität kann den Hamburgern auch in diesem Jahr helfen.

Bezogen auf den in der Bundesliga erneut drohenden Abstiegskampf gab Kühne bei SKY Sport News den Berufs-Pessimisten: „Ich lebe im Augenblick von der Hoffnung.“

Hans Sarpei: Wut-Brief an Kühne

Die Kühne-Kritik wollte man weder beim HSV noch auf neutraler Seite so stehen lassen. „Herr Kühne ist ein extrem erfolgreicher Geschäftsmann, der es gewohnt ist, schnelle Entscheidungen zu treffen“, sagte HSV-Vorstandschef Heribert Bruchhagen (68) am Donnerstag in einer Presserunde, „aber es stellen sich ihm auch nicht alle Dinge dar, die man beachten muss.“ Ex-Bundesligaprofi Hans Sarpei – WM-Teilnehmer 2010 mit Ghana – schrieb gar einen offenen Brief an Kühne. „Sie sind kein Fan des HSV, sondern dessen natürlicher Feind. Ohne Ihre vergifteten Millionen wäre der HSV vermutlich schon längst viel weiter als er es „dank“ Ihnen ist“, pestete der ehemalige Wolfsburger, „es ist eine Schande, wie es Ihnen Jahr für Jahr gelingt, vor dem Saisonstart den HSV-Trainer oder die Führung zu degradieren.“

In der Tat. Die Kühne-Schelte hat beim HSV Tradition. Gewiss. Der 2010 mit 12,5 Mio. € beim Hamburger SV eingestiegene Geschäftsmann beansprucht die Kontrolle über das, was mit seinem Geld passiert. Das ist sein gutes Recht. Dennoch schaltet sich Kühne immer wieder medienwirksam und kontraproduktiv bei den Hanseaten ein.

Schon Slomka und Labbadia stürzten über Kühne

Im Sommer 2014, wenige Wochen nach der glücklichen Relegation bei Greuther Fürth (0:0 / 1:1), posierte Kühne im Stile eines Imperators auf der Titelseite der Hamburger Morgenpost unter der Headline „Mein HSV“ und rechnete in einem mehrseitigen Interview mit Retter-Coach Mirko Slomka ab. „Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube. Er hat in der Endphase der Saison keine Punkte geholt, er hat wahnsinniges Glück gehabt, dass der Abstieg verhindert wurde.“ Damit waren Slomkas Tage beim HSV gezählt. Am 15. September 2014 entließ der HSV nach 3 torlosen BL-Spielen mit nur einem eigenen Treffer den erst im Februar 2014 installierten Coach.

Der Retter-Bonus von Bruno Labbadia war spätestens nach einem lapidaren „Abwarten, ob Labbadia das Team in Form bringen kann“ im großen Kühne-Sommer-Interview 2016 in der Ostsee-Zeitung aufgebraucht. Der Coach, der den HSV in letzter Sekunde in der Relegation 2015 beim Karlsruher SC (1:1 / 2:1 n . V.) gerettet hatte, war am 25. September 2016 in Hamburg nach 4 Niederlagen und nur 20 Tagen in der neuen Saison seinen Job los.

Mäzen Klaus-Michael Kühne (m.) ist nicht bei allen HSV-Fans wohlgelitten…
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