Jürgen Klopp zum 50. - Der Mann, der den Fußball veränderte

Jürgen Klopp zum 50. – Der Mann, der den Fußball veränderte

Er führte Mainz 05 in die Bundesliga, brachte Borussia Dortmund zurück in die europäische Spitze, hauchte dem FC Liverpool neues Leben ein: Jürgen Klopp. Der Kult-Coach und Publikumsliebling feiert am Freitag seinen 50. Geburtstag. Zeit, um „das vielleicht größte Trainer-Phänomen unserer Zeit“ (DIE WELT) zu würdigen.

Event- und Kulturscheune Dagobertshausen in Marburg in Mittelhessen. Klingt jetzt auf den ersten Blick nicht wirklich spektakulär, passt aber irgendwie zum Jubilar. Hier feierte Jürgen Klopp in der Nacht zum Freitag mit rund 500 Gästen aus der Fußball- und Medienszene in seinen 50. Geburtstag. Herzlichen Glückwunsch!

Sie huldigten damit nicht irgendeinem Trainer. Sie feierten einen ganz besonderen Coach. Jürgen Klopp ist, so sieht es DIE WELT, „das vielleicht größte Trainer-Phänomen unserer Zeit“.

Warum ist das so? Weil Klopp sich seine Begeisterung und seine Leidenschaft für das Spiel auch in 16 Trainerjahren bewahrt hat. Begegnungen mit ausländischen Trainergrößen wie José Mourinho oder Arsene Wenger, die er beide in seiner Zeit beim BVB schlagen konnte, sind für ihn nicht Teil des Business. Sie sind etwas Besonderes. Er lebt den Fußball wie ein Fan. Den Respekt vor dem Besonderen spürt man bei Klopp in jeder Phase seines Trainerlebens.

Stepi entdeckte den Blondschopf in Frankfurt

Dieses beginnt nach einer eigentlich unspektakulären Spieler-Laufbahn bei Rot-Weiß Frankfurt. In der Oberliga Hessen setzt Coach Dragoslav Stepanovic 1989/90 erst nach Rat seiner Frau Jelena („Lass doch den Kloppo endlich spielen“) auf ihn. Stepi weiß, was Klopp kann. Beim 1. FSV Mainz 05 bringt es der 1,91 m große Stürmer zwischen 1990 und 2001 auf 52 Tore in 325 Zweitliga-Spielen. Obwohl sich Klopp selbst „fußballerisch noch limitierter als Jürgen Klinsmann“ sieht, übernimmt er am Rosenmontag 2001 vom glücklosen Eckhard Krautzun das Traineramt in Mainz.

Schon in der ersten Phase seiner Trainerkarriere zeigt sich ein wichtiger Aspekt der Kloppologie: Seine Jungs geben nie auf. „Es darf keine Mannschaft geben, die einen größeren Willen hat als wir“, lautet seine Erfolgsformel. So richtet er die geknickten Mainzer selbst nach 2 vergeblichen Aufstiegsversuchen wieder auf, führt den bis dahin kaum beachteten Klub aus Rheinland-Pfalz 2004 im 3. Anlauf in die Bundesliga. In der BL-Premierensaison geht es für Mainz 05 sogar in die UEFA-Cup-Qualifikation.

Beim BVB formte Klopp reihenweise Stars

2008 ereilt ihn der Ruf von Borussia Dortmund. Beim BVB holt er bis 2015 aus 318 Pflichtspielen 1,9 Punkte im Schnitt. Jürgen Klopp führt den leck geschlagenen Traditionsklub mit der Deutschen Meisterschaft 2011 und dem Double ein Jahr später zurück auf den Fußballgipfel. Die Krönung: Der Sturmlauf ins Champions-League-Finale 2013.

Gegenpressing, Riesen-Laufpensum („Vollgasfußball“), Eroberung der 2. Bälle – mit diesen z. T. innovativen taktischen Zügen begeistern Klopp und der BVB ganz Fußball-Deutschland. Spieler wie Mario Götze, Robert Lewandowski oder Mats Hummels werden unter seiner Regie zu Superstars. „Borussia Dortmund hat unter Klopp den deutschen Fußball durch ein hohes Maß an Disziplin und Laufbereitschaft im Spiel gegen den Ball revolutioniert“, würdigt Vize-Weltmeister Christoph Metzelder die Leistung von Klopp im Ruhrgebiet. BVB-Auftritte gegen den FC Malaga (3:2 / CL-Viertelfinale 2013) oder das 5:2 gegen den FC Bayern im DFB-Pokalfinale 2012 schrieben deutsche Fußballgeschichte. „Das wird Mia san Mia gegen Wir sind Fußball“, ist Klopp schon vor diesem Hit gegen die Münchner sicher.

Sprüche, Späße, Pointen: Die Fans lieben den ,,Normal One“

Selbstironie ist Teil des Gesamtpakets. Die witzig-intelligente Brechung des knallharten Fußballgeschäfts, Streiche wie ein Spaß-Interview („Roman Weidenfeller müssen wir uns ab und zu schönsaufen“) mit Arnd Zeigler nach dem 4:0-Erfolg des BVB 2010 in Hannover – auch das ist Jürgen Klopp.

Liverpool ist seit 8. Oktober 2015 Klopps 3. Trainerstation. In England begeistert er Fans und Reporter ebenfalls mit seiner unkomplizierten, erfrischenden Art. „Football is not a wish concert“, „I am the normal one“ – mit Sprüchen wie diesen eroberte „King Klopp“ in Liverpool schnell die Herzen. Langeweile kommt nicht auf. Spiele wie das 4:3 gegen den BVB im EL-Viertelfinale 2016 oder der 5:4-Auswärtserfolg in Norwich in der Premier League im Januar gleichen Jahres boten Dramatik pur.

Gibt es 2018 die nächste Klopp-Party?

Aber: Den Nimbus eines Final-Verlierers konnte der Publikumsliebling auch an der Merseyside bislang nicht ablegen. An 3 verlorene Endspiele mit der Borussia reihten sich 2015/2016 in Liverpool 2 Final-Pleiten.

Schafft es Klopp allerdings – wie zuvor in Mainz und Dortmund – im 3. Jahr erfolgreich zu sein, dann winkt Liverpool im nächsten Sommer eine Party, die die Fete in Marburg um Längen schlagen wird…

Am 7. August 2016 kehrte Jürgen Klopp mit seinem neuen Klub FC Liverpool an die alte Wirkungsstätte in Mainz zurück.
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