HSV: Der nächste, bitte!

HSV: Der nächste, bitte!

Und täglich grüßt das Murmeltier. Der Hamburger SV hat seinen Trainer entlassen. Wieder einmal. Nach nur 5 Spieltagen musste Bruno Labbadia seinen Hut nehmen. Neuer starker Mann bei den Hanseaten: Markus Gisdol. Seit 2010 ist er der 12. Coach beim HSV. Trainer haben an der Elbe nur eine sehr kurze Haltbarkeitsdauer.

„Er war immer leidenschaftlich, ehrgeizig und wird immer ein Student des Fußballs sein. Vielleicht wird er für den HSV ein zweiter Otto Rehhagel und bleibt sehr, sehr lange.“

Erst im Dezember vergangenen Jahres sprach Trainer-Legende Eckhard Krautzun diese Worte über Bruno Labbadia. Anlass: Labbadia wurde zum Hamburger des Jahres 2015 gewählt. 9 Monate später ist der Titel nichts mehr wert und Krautzuns Wunsch bleibt unerfüllt. Nach der  Niederlage gegen den FC Bayern (0:1) wurde der Trainer entlassen. Nur ein Punkt aus den ersten 5 Spielen war zu wenig.

Der HSV bleibt damit seiner Linie treu. Läuft es auf dem Platz nicht – und das tut es seit Jahren nicht – wird der Trainer ausgetauscht. Kein anderer Bundesligist hat so einen Verschleiß an Übungsleitern wie der Hamburger SV. In diesem Jahrtausend fand sage und schreibe 21 (!!!) Mal ein Trainerwechsel auf der HSV-Bank statt. Das macht im Schnitt alle 9 Monate einen neuen Übungsleiter.

Folgende Trainer standen seit dem Jahr 2000 bereits an der Seitenlinie des Bundesliga-Dinos:

Frank Pagelsdorf (168 Spiele)

Holger Hieronymus (2)

Kurt Jara (79)

Klaus Toppmöller (38)

Thomas Doll (111)

Huub Stevens (67)

Martin Jol (53)

Bruno Labbadia (100, 2 Amtszeiten)

Ricardo Moniz (3)

Armin Veh (27)

Michael Oenning (15)

Rodolfo Cardoso (2)

Frank Arnesen (1)

Thorsten Fink (68)

Bert van Marwijk (17)

Mirko Slomka (19)

Joe Zinnbauer (24)

Peter Knäbel (2)

Seit Sonntag darf sich Markus Gisdol versuchen. Der ehemalige Trainer der TSG Hoffenheim ist der neue Heilsbringer an der Elbe. Ob er allerdings länger im Amt bleibt als seine Vorgänger, darf stark bezweifelt werden.

„Ich habe auch schon eine Absage bekommen. Der Vermieter wollte einen langfristigen Mieter.“

Markus Weinzierl scherzte bei seiner Vorstellung als neuer Trainer auf Schalke. Gisdol dürfte es in Sachen Wohnungssuche in der Hansestadt ebenfalls schwer haben. Der eh schon schwierige Wohnungsmarkt in Hamburg wird durch die Aussicht einer im Durchschnitt nur 9 monatigen Tätigkeit keinesfalls einfacher zugänglich werden.

gisdol
Er ist der Labbadia-Nachfolger – Markus Gisdol

Doch nicht nur Trainer haben in Hamburg einen schweren Stand. Auch Manager und Sportvorstände geben sich beim Bundesliga-Dino die Klinke in die Hand. Sollte Gisdol nicht funktionieren, droht auch Dietmar Beiersdorfer als Vorstandsvorsitzender der Jobverlust. Gisdol ist bereits der 4. Trainer in seiner Amtszeit. An ihm muss sich der ehemalige Bundesliga-Profi nun endgültig messen lassen.

Seit Mai dieses Jahres ist Beiersdorfer neben seiner Tätigkeit als Vorstandsvorsitzender auch Sportdirektor in Personalunion. Er ist damit der 7. Amtsinhaber dieses Postens seit dem Jahr 2000:

Holger Hieronymus (1998 – 2002)

Dietmar Beiersdorfer (2002 – 2009)

Bastian Reinhard (2010 – 2011)

Frank Arnesen (2011 – 2013)

Oliver Kreutzer (2013 – 2014)

Peter Knäbel (2014 – 2016)

Kontinuität sucht man beim HSV vergebens. Das einzig immer gleichbleibende Muster sind die Trainerwechsel. Man muss kein großer Prophet sein, um sagen zu können, dass auch Markus Gisdol nicht über Jahre den Klub führen kann. Wahrscheinlich heißt es bereits in ein paar Monaten wieder: Der nächste, bitte …

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