Holland in Not: Der Abstieg einer Fußballnation

Holland in Not: Der Abstieg einer Fußballnation

Nach der verpassten EURO-Qualifikation 2016 konnten die Fans von Oranje enttäuscht sein. Nach dieser WM-Qualifikationskampagne müssen sie sich blamiert fühlen. Die Elftal verspielte das WM-Ticket nach Russland schon vor dem Gruppen-Finale gegen Schweden. Die Mannschaft um Bayern-Star Arjen Robben (33) agierte über weite Strecken uninspiriert und ohne Teamgeist. Außerhalb des Rasens machte Holland-Coach Dick Advocaat (70) das Team mit einem Arroganz-Anfall lächerlich.

„Hobby-Prophet“, „Depp“ – das waren noch die schmeichelhaftesten Bezeichnungen in den sozialen Netzwerken für den niederländischen Nationaltrainer Dick Advocaat nach seiner fatalen Fehleinschätzung. Der 70-jährige Bondscoach hatte die Frage nach einem eventuellen 8:0-Erfolg von Gruppengegner Schweden in der WM-Qualifikation gegen Luxemburg am Samstag mit einem überheblichen „Die werden nicht 8:0 gewinnen, was für eine dumme Frage ist das denn?“ abgekanzelt. Dumm nur, dass die Skandinavier das Team aus dem Großherzogtum dann tatsächlich mit 8:0 aus der Stockholmer Arena fegten. Damit war das 2. Aus der Niederlande in einer Qualifikationskampagne in Folge so gut wie besiegelt. Den Stempel „nicht qualifiziert“ holen sich die Niederlande bei einer WM zum 8. Mal und erstmals seit 2002 wieder ab.

Hollands Probleme sind strukturell

Klar, Oranje erwartet Schweden am Dienstag (20.45 Uhr) noch im direkten Duell. Aber in diesem Spiel muss niemand mehr verzweifelt einen auf Spannung machen. Holland benötigt einen Sieg mit mindestens 7 Toren Differenz, um Schweden von Rang 2 zu verdrängen und die Playoff-Spiele noch zu erreichen. In der Historie der WM-Qualifikation sucht man vergeblich nach einem Fußball-Wunder dieser Dimension.

Viel eher muss man sich rund um Oranje auf Fehlersuche begeben. Die Ursachen für das erneute Scheitern in der Qualifikation sind beim 3-fachen Vize-Weltmeister vielschichtig. „Unser größtes Problem ist, dass uns die jungen Spieler viel zu früh verlassen“, klagt Holland-Legende Ruud Gullit (55) in einem SPORT BILD-Interview, „die wechseln mit 16 oder 17 Jahren bereits ins Ausland, verdienen als Teenager 500.000 Euro, spielen aber nie.“

Absturz bis auf Platz 36 der FIFA-Weltrangliste

Die fehlende Strahlkraft der hausbackenen Eredivisie ist es jedoch nicht allein. In der schwachen WM-Qualifikation fehlten Holland – wie schon 2014/2015 in der EM-Quali – in den Schlüsselspielen der Punch und der Teamgeist. Die Bilanz ist mies: 0:1 zu Hause gegen Frankreich, 1:1 in Schweden und als Tiefpunkt die 0:4-Demontage in Paris. „Die niederländische Elftal ist keine Mannschaft“, fällte die Zeitung De Telegraaf nach dem 3:1 in Borisov gegen Weißrussland am Samstag ein vernichtendes Urteil. In der FIFA-Weltrangliste führten diese für eine WM-Teilnahme nicht ausreichenden Leistungen im August bis runter auf Rang 36. Ein historischer Tiefstand für den Europameister von 1988. Platz 29 reicht aktuell jedoch auch nicht, um damit anzugeben.

Der Elftal fehlt es nach dem Abschied von Größen wie Robin van Persie, Rafael van der Vaart oder Mark van Bommel an Führungsspielern. Die letzten Vertreter dieser Spielergeneration, Bayern-Star Arjen Robben und Rekord-Nationalspieler Wesley Sneijder (33), sind in die Jahre gekommen. Dass der 33-jährige Nationalmannschafts-Veteran Robben mit 4 Toren in 6 WM-Qualifikationsspielen bester Schütze ist, sagt vieles aus. Potenzielle Hoffnungsträger wie Memphis Depay (23) von Olympique Lyon blieben bei allem Respekt den Beweis internationaler Klasse schuldig. Gilt auch für die Abwehr um Virgil van Dijk! Die Defensive präsentierte sich mit 12 Gegentoren in 9 Spielen im wahrsten Sinne des Wortes löchrig wie ein holländischer Käse. „Die Mannschaft ist zu sehr abhängig vom Zufall, hat keinen Plan“, kritisierte das Algemeen Daagblad. Das NRC Handelsblad sah die niederländische Mannschaft „erschöpft und ausgeschieden, gelähmt und ausrangiert.“

Advocaats Schulterschluss mit Gullit war unecht

Alles andere als förderlich erwies sich auch das Possenspiel um die Trainerposition. Nach dem 0:2 in Bulgarien trennte man sich im März 2017 von Bondscoach Danny Blind (56). Die Reaktivierung von Dick Advocaat, der bereits zum 3. Mal in seiner Trainerlaufbahn als Bondscoach fungiert, war eine Bankrotterklärung des Verbandes. Die Chance, mit dem Ex-Leverkusener Roger Schmidt oder dem ebenfalls gehandelten Jürgen Klinsmann für frischen Wind zu sorgen, wurde verspielt. Advocaat holte sich zudem mit Ruud Gullit exakt den Spieler als Assistenztrainer, der 1994 nach einem Zerwürfnis mit ihm aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war. Glaubwürdig wirkte das alles nicht – und den Erfolg brachte der Zweckfriede ebenfalls nicht zurück.

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Vereint im Misserfolg: Holland-Legende Ruud Gullit (l.) und sein früherer Widersacher, Bondscoach Dick Advocaat.

 

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