Holland gegen Deutschland: 4 Lehren aus dem Länderspiel-Klassiker

Holland gegen Deutschland: 4 Lehren aus dem Länderspiel-Klassiker

3:2 in Amsterdam gegen die Niederlande gewonnen, Start in die EM-Qualifikation für 2020 geglückt – Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat sich mit einem unerwarteten Erfolg zurückgemeldet. Überschwänglicher Jubel ist allerdings (noch) verfrüht.

Wenn ein niederländischer Superstar nach einer 2:3-Heimniederlage gegen Deutschland ins Schwärmen kommt, ist das erstaunlich. Vize-Weltmeister Rafael van der Vaart (36) hat dem Gegner nach der EM-Qualifikationspartie Holland gegen Deutschland (2:3) eine Menge Respekt gezollt. „Deutschland hat so viel Qualität, so viel Talent – und das haben sie gezeigt“, sagte der frühere Hamburger nach dem Spiel bei RTL.

Der 111. Sieg im 173. Länderspiel unter Joachim Löw seit 2006 war am Sonntagabend wie ein Befreiungsschlag. 5 Pflichtspiele in Folge hatte der entthronte Weltmeister von 2014 nicht gewonnen – und nun ausgerechnet in der „Höhle des Löwen“ triumphiert, wo man im Oktober 2018 beim 0:3 in der Nations League noch am absoluten Nullpunkt war.

Medien sehen Deutschland mit „Löw-Revolution“

„Die ersten 20 Minuten haben den Holländern richtig weh getan“, analysierte Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann (54), „sie waren beeindruckt von der deutschen Mannschaft.“ Lob für „Die Mannschaft“ gab es aber am Montag fast überall in Fußball-Europa. „Deutschland holt sich sein Prestige in Holland zurück“, schrieb etwa die spanische Sport-Zeitung Marca, „Löws Revolution triumphierte in Amsterdam. Sane, Gnabry und Co. nahmen die Niederländer in der ersten Halbzeit auseinander.“ Das britische Massenblatt The Sun sah „einen Thriller für ein junges Deutschland.“ Abseits dieser Jubel-Arien gibt es für Löw auf dem Weg zur EURO 2020  noch viel zu tun. Das Holland-Spiel hat handfeste Erkenntnisse geliefert.

Lehre 1: Neuer hat seine Position als Nummer 1 gefestigt

2-mal hielt der Bayern-Keeper die DFB-Auswahl im Spiel, strahlte Ruhe und Sicherheit aus und spielte auch unter Druck seine ganze Routine aus. „Ich muss mich auf meinen Job konzentrieren“, sagte Manuel Neuer (32) anschließend im RTL-Interview diplomatisch, „genauso wie der Marc, der Bernd und der Kevin (ter Stegen, Leno, Trapp, d. Red.), das sind alles gute Torhüter, jeder will der Mannschaft helfen und die sportliche Leitung entscheidet.“ Die Torhüter-Diskussion ist nach dem Holland-Spiel erst einmal wieder verstummt.

Lehre 2: Das ausgemusterte Bayern-Trio ist voll ersetzbar

„Mit Boateng und Hummels in der Defensive würde ich mich in Amsterdam wesentlich wohler fühlen“, sagte Sky-Chefkommentator Wolff-Christoph Fuss nach dem 1:1 gegen Serbien. Möglich, dass es mit dem Bayern-Duo Jérome Boateng und Mats Hummels in der Innenverteidigung in der 2. Halbzeit nicht ganz so eng geworden wäre. Insgesamt aber verdienten sich Niklas Süle und Antonio Rüdiger mit ihrer Abwehrleistung und einer offensiv-fordernden Körpersprache Bestnoten. Auf der Position von Thomas Müller hat sich Leon Goretzka unter Druck bewährt.

Lehre 3: Bitte keine zu hohen Erwartungen!

Die „Moped-Gang“ mit den Torschützen Serge Gnabry und Leroy Sané macht Spaß. Toni Kroos und Joshua Kimmich sind auf der Doppel-Sechs die Taktgeber, Ilkay Gündogan und Marco Reus immens wichtige Routiniers. Die Mischung scheint wieder zu stimmen, aber für den Favoritenschild ist es noch zu früh. Die junge deutsche Mannschaft hat „ihre Reifeprüfung bestanden“ (Kicker-Sportmagazin). Sie muss – anders als gegen die spielfreudigen Holländer – ab Juni aber auch gegen tief stehende Gegner fußballerische Lösungen finden.

Lehre 4: Deutschland fehlt ein echter Torjäger

Dieses altbekannte Problem zeigte sich im Serbien-Spiel, aber auch beim Auftritt in Holland. Die Chancenverwertung ist mit 3 Treffern aus 6 Gelegenheiten immer noch ausbaufähig. Nicht immer haben Gnabry und Sané so viel Platz wie in Amsterdam und es fehlt nach wie vor ein klassischer Knipser.

In Jubelpose: Manuel Neuer war für Deutschland in Amsterdam der Fels in der Brandung.

 

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