Hannover 96: Das Chaos wird zum Normalzustand

Hannover 96: Das Chaos wird zum Normalzustand

Hannover 96 schreibt Negativschlagzeilen – mal wieder. Der Absteiger hinkt seinen sportlichen Zielen hinterher, dazu schwelt der Streit zwischen Klubführung und Ultras weiter. Zu allem Überfluss entlässt der allmächtige Präsident Martin Kind nun auch noch Sportdirektor Jan Schlaudraff, nur um Stunden darauf einen Mann ins Boot zurück zu holen, der Tags zuvor noch Gegner vor Gericht war.

Vom Gerichtssaal an den Schreibtisch

Aber der Reihe nach: Gerhard Zuber heißt der neue Sportdirektor der 96er und ist damit Nachfolger von Jan Schlaufdraff. Zuber war einst Vertrauensmann des mittlerweile in Köln arbeitenden Horst Heldt. Der ist für Kind der eigentlich Schuldige an der sportlichen Misere der letzten Jahre und somit war auch Zuber ein rotes Tuch für den Präsidenten.

Dessen Meinung scheint sich aber binnen kürzester Zeit gewandelt zu haben, denn nachdem erst Schlaudraff die Koffer packen musste und Zuber vor dem Arbeitsgericht eine Weiterzahlung seines Gehaltes erstritt, wurde der von Kind kurzerhand wieder ins Amt gehievt. Zwar hat der neue Alte seit mehr als einem halben Jahr keinen Arbeitstag mehr auf der 96-Geschäftsstelle verbracht, doch in der Verlautbarung des Vereins heißt es nur: „Unabhängig von arbeitsgerichtlich zu klärenden Rechtsfragen genießt Gerhard Zuber das volle Vertrauen der Geschäftsführung.“

Zuber-Posse wirft Fragen auf

„Für die Weiterentwicklung des Klubs sind in den nächsten Wochen und Monaten die Weichen zu stellen: Dafür sind Klarheit, Ruhe, Geschlossenheit und Vertrauen notwendig“, ließ der Verein im Zuge der Schlaudraff-Demission ebenfalls wissen. Im Zusammenhang mit den fragwürdigen Personalentscheidungen drängen sich zwei Fragen auf: Wie kann ausgerechnet Vertrauen und Geschlossenheit in einem Arbeitsverhältnis herrschen, das schon einmal unschön beendet wurde und schließlich vor sogar vor Gericht landete? Und wie kann die Vereinsführung unter diesen Umständen einen Weg finden, eine Mannschaft zu formen, die sich in der laufenden Saison erfolgreich gegen den Abstieg stemmt und in der kommenden Spielzeit oben angreift?

Krise auch auf dem Platz

Die sportliche Welt sieht für Hannover 96 ohnehin alles andere als rosig aus. Nur 21 Punkte sammelte die Mannschaft in den 18 Partien der 2. Liga (alle Wetten zur 2. Liga). Der selbsternannte Aufstiegsaspirant steht nur 2 Zähler vor dem Relegationsrang 16. Der direkte Wiederaufstieg wurde schon in der Winterpause zu den Akten gelegt. Vor der Saison wurde Trainer Mirko Slomka verpflichtet. Er musste schon wieder gehen und wurde durch Kenan Kocak ersetzt. Ihn wählte noch Sportdirektor Jan Schlaudraff aus. Auch dem jetzigen Coach wird mittlerweile dämmern, dass Hannover 96 zum Himmelfahrtskommando werden kann.

Kenan Kocak ist seit Kurzem Trainer an der Leine. Sein Stuhl wackelt immerhin noch nicht.
X