Hamburg-Derby: Das brisanteste Stadtderby Deutschlands

Hamburg-Derby: Das brisanteste Stadtderby Deutschlands

Mit Fug und Recht darf man behaupten, dass zwischen dem FC St. Pauli und dem Hamburger SV eine der größten Rivalitäten im deutschen Fußball herrscht. Nicht nur die Nähe in der Stadt, sondern auch die unterschiedlichen Ideologien und Philosophien prallen aufeinander. Wer sichert sich im Hinspiel der Saison 2019/20 am Montag (20:30 Uhr) die Stadtmeisterschaft? Unsere Grafik zum Hamburg-Derby.

Ein Zweitligaspiel lässt Schwarzmarkt-Preise explodieren

Ein Stadtderby (alle 2. Liga-Wetten) mit Zündstoff in dieser Kategorie gibt es in Deutschland vielleicht noch in München zwischen dem FC Bayern und dem TSV 1860. Ansonsten ist das Hamburg-Derby in Sachen Stadtmeisterschaft im Profifußball das Nonplusultra. Hier der einstige Bundesliga-Dino, auf der anderen Seite der links-alternative Stadtteil-Klub im Schatten der Reeperbahn. So sieht es die breite Öffentlichkeit, so war es in der Vergangenheit. 

Vermutlich hätten die Kartenanfragen ausgereicht, damit die Kiezkicker am Montag 2 oder gar 3 Mal ausverkauft hätten melden können. Exakt 29.546 Zuschauer – mehr passen nicht rein ins Millerntorstadion. Auf dem Schwarzmarkt werden in diesen Tagen 3- bis 4-stellige Preise aufgerufen. Wohlgemerkt für ein Zweitligaspiel zur fanunfreundlichen Anstoßzeit am Montagabend.

Stadtmeister: Bleibt Hamburg in HSV-Hand?

Im 19. Liga-Derby seit 1963 steht viel auf dem Spiel. Einerseits will St. Pauli (13.) seinen Aufwärtstrend von 2 ungeschlagenen Spielen in Folge fortsetzen und in der Tabelle weiter klettern. Andererseits will der noch unbesiegte HSV wieder an die Tabellenspitze. Selbstredend lastet der größere Druck hier auf dem einstigen Bundesliga-Dino. Das letzte Derby im vergangenen März gewannen die Rothosen souverän mit 4:0. Dieser Sieg war allerdings der Anfang vom Ende der Aufstiegsträume. Im Anschluss blieb der HSV in den 8 folgenden Spielen (3 Remis, 5 Niederlagen) ohne 3-fachen Punktgewinn und verpasste somit die Rückkehr in die Bundesliga. Diese muss in dieser Spielzeit gelingen.

St. Pauli dagegen hat nach schwachem Start die Kurve bekommen. Beim FCSP war den Verantwortlichen klar, dass das Team in dieser Saison nicht um den Aufstieg mitspielen wird. Vielmehr schielen die Anhänger, die am Sonntag die Totenkopf-Flaggen schwenken, auf den Gewinn der Stadtmeisterschaft. 1977/1987 sowie im letzten gemeinsamen Bundesligajahr (2010/11) ging besagter, inoffizieller Titel an St. Pauli. 6 Mal konnten sich die Rothosen gemäß Europapokal-Arithmetik  – durchsetzen. Kurios: Keinen Stadtmeister gab es nur während der 90er-Jahre, als beide Derbys torlos endeten.

Neue Derby-Helden braucht die Hansestadt

Doch wer verleiht den Teams tatsächlich das Lokalkolorit? Insgesamt 7 Kicker sind gebürtige Hamburger. Im letzten Derby stand noch ein gebürtiger Hansestädter mehr in den Aufgeboten. Realistische Einsatzchancen für Sonntag besitzen auf Pauli-Seite Jan-Philipp Kalla und Christian Conteh sowie auf HSV-Seite Martin Harnik und Jeremy Dudziak. Für Letztgenannten ist die Partie etwas ganz Besonderes. Der 24-Jährige lief im vorherigen Derby noch für St. Pauli auf. Er ist der 10. Spieler, der das braune gegen das weiße Trikot tauschte. Lautstarken Unmutsbekundungenvon den FCSP-Fans kann sich Dudziak sicher sein.

Im März avancierte Pierre-Michel Lasogga mit 2 Treffern zum Derbyhelden. Der Stürmer kickt mittlerweile in Katar. Auf der Suche nach dem Spieler, der dieses Mal den Unterschied ausmachen könnte, sind wir bei einem HSV-Neuzugang hängegeblieben. Sonny Kittel ist mit bislang 4 Treffern der erfolgreichste Torschütze der 2. Liga – zusammen mit Marcos Alvarez (Osnabrück), Fabian Klos (Bielefeld) und Philipp Hofmann (KSC). Die Pauli-Fans hoffen allerdings auf den pfeilschnellen Conteh als entscheidenden Mann im Derby. Wie einst Gerald Asahmoah soll der Youngster seine Farben zum Sieg über den Stadtrivalen führen. Als Hamburger-Jung wäre er dafür prädestiniert.

Jubel FC St. Pauli
Fin Bartels, Matthias Lehmann, Gerald Asamoah und Carlos Zambrano (v.l.n.r) freuen sich über den Derbysieg im Februar 2011.
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