Glänzende Perspektiven für den VfB Stuttgart

Glänzende Perspektiven für den VfB Stuttgart

Für die leidgeprüften VfB-Fans muss es wie Musik klingen: Ein hungriges Team, ein ambitionierter Trainer – und die Aussicht auf mehr als € 40 Mio. an frischem Kapital. Kein Traum. Gliedert der Verein seine Profiabteilung zum 1. Juni 2017 aus, steht Automobil-Gigant Daimler als „Anker-Investor“ parat. Ein kühner Plan… mit einem einzigen Haken.

„Wir können alles. Außer Hochdeutsch.“ Dieser Werbe-Slogan des Bundeslandes Baden-Württemberg wurde in Sachen VfB Stuttgart von Spöttern in den letzten Jahren eher in „Wir können alles. Außer Fußball“ umgedichtet.

Mit solchen Wortspielereien dürfte es demnächst vorbei sein. Der VfB Stuttgart steht nach nur 1 Niederlage aus den letzten 12 Spielen an der Tabellenspitze der 2. Bundesliga – und auch die Investoren im wirtschaftlich starken „Ländle“ haben ihren Renommierklub wiederentdeckt.

Daimler: € 100 Mio. für den Fußball

Wie u. a. Stuttgarter Nachrichten berichten, will Automobil-Riese Daimler sich für € 100 Mio. insgesamt 24,9% der Anteile am 3-maligen Bundesliga-Meister sichern. Voraussetzung für diese kühnen Pläne – Daimler ist durch Wilfried Porth im VfB-Aufsichtsrat vertreten – ist eine Ausgliederung der Profi-Abteilung des Vereins zum 1. Juni 2017. „Wir sind unheimlich stolz, dass wir Nägel mit Köpfen machen konnten und Fakten statt Pläne als Argumente für die Ausgliederung präsentieren können“, freut sich VfB-Chef Wolfgang Dietrich.

Nicht ohne Grund. Dieser Schritt würde sich für die Schwaben vor allem finanziell auszahlen: € 41 Mio. würde der Autobauer aus der unmittelbaren Nachbarschaft der Bad Cannstatter sofort zahlen – und dem 2016 abgestiegenen VfB Stuttgart damit kurzfristig ganz neue Perspektiven eröffnen. Der mit € 41,9 Mio. ohnehin teuerste Kader der 2. Liga könnte dann noch stärker werden. Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche denkt sogar schon weiter: „Wir sind davon überzeugt, dass die neue Vereinsführung, die Spieler und die Fans dafür sorgen werden, dass wir auf der Mercedesstraße bald auch wieder große sportliche Erfolge feiern können.“

Der Stuttgart-Deal hat einen kleinen Haken…

Aber: Um die kühnen Daimler-Pläne umzusetzen, braucht der VfB am 1. Juni eine Mehrheit von 75% der abstimmenden Vereinsmitglieder.

Dazu kommt die sportliche Herausforderung: Nur der direkte Wiederaufstieg der Mannschaft von Trainer Hannes Wolf sorgt für den sofortigen Geldsegen. Bleibt der VfB noch 1 Jahr im „Unterhaus“, so sind es zunächst „nur“ € 10,5 Mio., die durch den Anteilserwerb der Daimler AG eingenommen werden.

Ausgliederung: VfB-Bosse werden Überzeugungsarbeit leisten müssen

Kritiker befürchten allerdings, dass sich der Verein durch die Ausgliederung in eine zu starke Abhängigkeit von den Investoren begeben könnte. Sind die schwäbischen Fans hier zu skeptisch? „Es ist eine Frage des Vertrauens, die entscheidet, ob der VfB Stuttgart nach dem 1. Juni 2017 seinen Plan von einer ausgegliederten AG umsetzen kann“, heißt es dazu in einem Kommentar der Stuttgarter Zeitung, „soll es mit der Zustimmung der Mitglieder klappen, braucht es bis dahin vor allem eines: Offenheit bis ins kleinste Detail.“

Seit Juli 2008 trägt das Stadion des VfB Stuttgart den Namen Mercedes-Benz-Arena.
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