Gladbach und das vergessene Wunder gegen Bremen

Gladbach und das vergessene Wunder gegen Bremen

DFB-Pokal-Halbfinale 1984! Werder Bremen muss am altehrwürdigen Mönchengladbacher Bökelberg antreten. Tief in den 80er-Jahren ist diese Pokal-Partie die erste, die live im Fernsehen übertragen wird. Es sollte eines der unglaublichsten Spiele der DFB-Pokalgeschichte werden, doch schon einen Tag später bereits wieder aus den Köpfen vieler Fans verschwinden. Wir erinnern uns.

40 Minuten dauerte es bis diese legendäre Partie so richtig Fahrt aufnimmt. Lothar Matthäus bringt die Fohlen in Führung (40.). Norbert Meier gleicht postwendend für die Bremer aus (42.). Wiederum 2 Minuten später besorgt Norbert Ringels die Pausenführung für die Borussia – 2:1. Durchatmen! Es geht schließlich um das Pokalfinale. Die Zuschauer am Bildschirm freuen sich auf eine spannende 2. Halbzeit. Und die hat es in sich. Mitte der 2. Halbzeit kam es zu Unruhen im Bremer Fanblock. Die Fans warfen Rauchbomben mit Tränengas auf das Spielfeld. Die Spieler Wolfgang Sidka und Uwe Rahn brachen zusammen. Das Spiel musste unterbrochen werden. Auf dem Platz kam es zu Rangeleien zwischen Spielern und Betreuern beider Mannschaften. Es ging weiter. In der 76. Minute besorgte Uwe Rahn mit dem 3:1 die vermeintliche Entscheidung für die Fohlen. Die Bremer geben sich nicht geschlagen. Achtung! Innerhalb von 5 Minuten (!) drehen die Werderaner das Spiel – 4:3. Benno Möhlmann (77.), Wolfgang Sidka (80.) und Uwe Reinders (82.) entreißen der Mannschaft von Trainer Jupp Heynckes den Sieg. In diesem Moment zieht der Gladbacher Coach seinen letzten Joker. Hans-Jörg Criens soll in der Offensive nochmal alles in die Waagschale schmeißen. Mönchengladbach ist jetzt drückend überlegen und drängt auf den Ausgleich. Die letzten Minuten laufen. Wilfried Hannes soll es schließlich sein, der den Ausgleich in letzter Minute erzielt. Abseits! Sein Tor wird nicht gegeben. Die ersten Fans machen sich auf den Heimweg.

Das allerletzte Anrennen der Fohlen resultiert in einer Ecke. Per Flugkopfball nickt der Edeljoker Criens das Spiel in die Verlängerung. Damit hatte man beim Fernsehen nicht gerechnet. Sogar die heilige Tagesschau muss dem Pokalkrimi weichen. Einmal in Fahrt, bringt sich Criens in der 107. Minute für den goldenen Schuss in Position. Nach Vorlage vom späteren Bremer Uli Borowka legt sich der Stürmer den Ball gekonnt mit dem Kopf vor und drischt das Leder freistehend vor SVW-Torwart Dieter Burdenski in die Maschen. Criens ist der Held, Gladbach zieht ins Finale ein.

Der FC Bayern duelliert sich einen Tag später im Parkstadion Gelsenkirchen mit dem Zweitligisten FC Schalke 04. Ein 18-jähriger Olaf Thon zwingt die Roten beim 6:6 mit 3 Toren ins Entscheidungsspiel. Nur einen Tag später wurde das unglaublichste Pokalspiel zwischen Mönchengladbach und Bremen von der Partie Schalke gegen Bayern nochmal übertroffen. Im Finale schreibt Lothar Matthäus dann Pokalgeschichte. Doch dazu ein anderes Mal.

Die Partie zwischen Gladbach und Werder hat es seit dem im Pokal nicht mehr gegeben. Höchste Zeit mal wieder Pokalgeschichte zu schreiben. Das Spiel wird dieses Mal allerdings nicht live im frei empfangbaren TV übertragen.

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Die beiden damaligen Trainer Otto Rehhagel (Werder, links) und Jupp Heynckes (BMG, rechts) können sich mit Sicherheit auch noch gut an das Halbfinale 1984 erinnern.
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